Montmartre

Wer im Bistro von Marc-Antoine Kaeppel und Raffaele Sutter sitzt, fühlt sich wie im bekannten Künstlerviertel von Paris.

Text: Eva Hediger Fotos: Jasmin Frei

Marc-Antoine Kaeppel und Raffaele Sutter lieben Paris so sehr, dass sie sich die Stadt nach Zürich holen: Das «Montmartre» ist das zweite Lokal der Gastronomen, in dem sich alles um Frankreich und seine Hauptstadt dreht.

«Wenn ich könnte, würde ich in Paris leben!», ruft Raffaele Sutter. Der Zürcher ist oft in der französischen Metropole, besucht dort Freunde und sein Patenkind. Mit dem Velo und der Métro entdeckt er die Arrondissements immer wieder neu. Er mag die Architektur der Stadt, die vielen Parks und Lokale. «Deshalb habe ich mir ein Stück Paris nach Zürich geholt.» Gemeinsam mit seinem Schwager Marc-Antoine Kaeppel hat Raffaele im Frühling 2019 das Bistro «Montmartre» eröffnet. Es ist das zweite Lokal der beiden Gastronomen. In der Nähe des Centrals betreiben sie den erfolgreichen «Franzos».

«Die Weggengasse könnte gut im Montmartre liegen.»

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«Wir wollten nie eine Kette werden», betont Raffaele, «die Stadt braucht nur einen Franzos.» Deshalb unterscheidet sich das Montmartre von ihm: Auf der Karte stehen andere Gerichte und Getränke. Ausserdem können im Montmartre zwei Hotelzimmer gebucht werden. «Sie eignen sich für Businessleute und für alle, die einfach eine schöne Zeit mitten in der Zürcher Altstadt geniessen wollen», sagt Raffaele. Die Zimmer sind gross und wurden von ihm und seiner Schwester eingerichtet, beides erfahrene Dekorationsgestalter.

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Eine Rezeption hat das Montmartre nicht, eingecheckt wird am Tresen. Alles sei sehr klein und persönlich, meint Raffaele und fügt an: «Wer bei uns zwei Nächte verbracht hat, kennt danach den Koch.» Denn um in ihre Zimmer zu gelangen, müssen die Gäste an der Küche vorbei. Gefrühstückt wird im Lokal, das nur 30 Plätze hat. «Eigentlich viel zu wenige, um in der heutigen Zeit zu überleben», sagt der Gastronom. Doch er verlässt sich unter anderem auf die französischsprechende Community in Zürich. Diese schätzt es sehr, dass sie sich mit dem Montmartre-Personal in der Muttersprache unterhalten kann. Auch die Karte ist auf Französisch. «Bei uns ist Frankreich nicht nur ein Konzept, sondern unser Leben», sagt Raffaele.

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Im Montmartre wird eine gehobene Bistroküche serviert. Das Lokal soll aber weder mit Sternen noch mit Punkten ausgezeichnet werden. «Wir wollen unkompliziert bleiben», erklärt der Gastronom. Besonders am Abend freuen sich die Wirte über eine bunte Durchmischung: Einige Gäste bestellen ein Menü, andere nur ein Glas Wein – oder Pastis. «Das ist für viele mit Ferienerinnerungen verbunden.»

Im Montmartre wird eine gehobene Bistroküche serviert.

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Raffaele erzählt, dass besonders Deutschschweizer die französische Küche lange Zeit für verstaubt hielten. Doch mittlerweile sei sie wieder beliebter – auch weil viele der traditionellen Gerichte dem Zeitgeist entsprechen. So zum Beispiel das Dinkelrisotto oder die rustikalen Eintöpfe. «Ausserdem mögen fast alle Klassiker wie Quiches oder Coque au vin.»

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Im Bistro in der Zürcher Altstadt werden Speisen aus ganz Frankreich serviert. Wieso wurde das Montmartre denn nach dem Pariser Stadtteil benannt? Das Lokal stammt aus der Art-Deco-Zeit. Damals boomte im Montmartre die Kunstszene. «Die Leute genossen nach dem Zweiten Weltkrieg wieder das Leben», erzählt Raffaele. Ausserdem gibt es wie im Pariser Quartier auch im Zürcher Kreis 1 eine St. Peter Kirche. «Und die Weggengasse könnte gut im Montmartre liegen.»

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Hat Raffaele keine Angst, dass nur wenige die versteckte Seitengasse finden werden? «Nein», meint er, denn von seinen Aufenthalten in Paris weiss er, dass viele qualitative und bezahlbare Lokale abseits der grossen Strassen liegen: «Wir hoffen, dass wir genauso zu einem Geheimtipp in Zürich werden.»

Adresse

Montmartre
Weggengasse 4
8001 Zürich
+41 44 211 19 20
Website

Öffnungszeiten

Montag bis Donnerstag, 8–23 Uhr
Freitag, 8–24 Uhr
Samstag, 9–24 Uhr
Sonntag, 10–18 Uhr