Kafi Paradiesli

Wer ins Paradies will, muss nach Zürich-Hottingen zu Katja Graber – und erhält mit etwas Glück ein Stück weissen Schokoladenkuchen.

Text & Fotos: Christian Schiller

Hottingen ist – wie soll ich es sagen – nicht wirklich cool. Umgeben von der charmanten Altstadt und dem hippen Seefeld macht man hier vor allem eines: wohnen. Und doch zieht es mich immer wieder dahin; in ein lauschiges Café, das so gar nicht ins Quartier passen will.

Je weiter oben am Berg, desto schicker die Häuser. Dort steht auch das Dolder Grand, ein Fünfsternehaus, wo die Reichen und Schönen absteigen, wenn sie in Zürich sind. Dann gibt es noch ein paar Schulen in Hottingen – und die Hunde-Plausch-Uni am Baschligplatz. Trotzdem, ich bin heute wieder hier. Vom Baschligplatz laufe ich die Hofstrasse hoch. Und schon bin ich mit Katja im Paradies. Nicht ganz alleine. Denn Katja Graber ist Gastgeberin im vielleicht entspanntesten Café der Stadt. Hier im leicht verwitterten, mit Glyzinien überwachsenen Haus scheint die hektische Stadt weit weg.

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Dass es das Kafi Paradiesli mit dem romantischen Garten überhaupt gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. «Nicht alle wollten mitten im Wohnquartier eine Beiz», erinnert sich Katja. Ihr Vorgänger habe einen langen Atem gebraucht, bis die Behörden endlich eine Bewilligung erteilten. «Allerdings muss ich bereits um 18 Uhr schliessen.» Zwar ärgerlich, sagt die 25-Jährige, auf der anderen Seite sei so der Rahmen gegeben. Nur schon mit Öffnungszeiten bis 20 Uhr müsste sie jemanden einstellen.

Dass es das Paradiesli mit dem romantischen Garten überhaupt gibt, ist keine Selbstverständlichkeit.

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Katja macht alles selber. In der nur zwei Quadratmeter grossen Küche bäckt sie Kuchen und Kekse, bereitet Mittagsmenüs zu – und serviert gleichzeitig. Sie experimentiert viel: Zurzeit tüftelt sie an einem weissen Schokoladenkuchen. «Testphase vier ist soeben angelaufen.» Auf den Tisch komme er aber erst, wenn wirklich alles passt. Aktuell sei sie mit der Farbe noch nicht ganz zufrieden.

Zurzeit tüftelt Katja an einem weissen Schokoladenkuchen.

Gelegentlich holt sich Katja Tipps von ihrem Mann, der unten im Seefeld ein Restaurant führt. Die beiden haben im Herbst 2017 geheiratet. «Wir sind das klassische Gastro-Pärchen», sagt sie, macht eine kurze Pause und ergänzt: «Mit vielen Gastro-Freunden.» Selbst in der Freizeit seien die Themen also meist gegeben.

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Die Gastronomin mit Leib und Seele ist durchaus selbstkritisch: Sie könne sich die Namen vieler Stammgäste partout nicht merken – selbst ein Spickzettel habe da nicht viel gebracht. «Das mache ich aber mit Freundlichkeit wett, hoffe ich zumindest.» Überhaupt geht es im Paradiesli familiär zu und her. Kinder spielen im Hof nebenan. Man duzt sich. Die Tische wurden von Vincent geschweisst, der in der Dachwohnung wohnt und hier seine Werkstatt hat. Für die Pause ist er ins Paradiesli gekommen und trinkt eine Grapefruit-Schorle.

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Das unter dem Namen «Chez Andy» bekannt gewordene Lokal hat Katja Graber 2016 übernommen. Allzu viel verändern wollte sie nicht. «Aber ich glaube, es ist mir gelungen, eine persönliche, vielleicht etwas weiblichere Note einzubringen.» So achtet sie darauf, dass immer frische Blumen auf den Tischen stehen und die Dekoration passt. Die Bilder an den Wänden hat ihr Mann gemalt, und auch die Lampen sind neu.

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An der Hofstrasse 19 ist es auch heute herrlich ruhig. Und selbst wenn es beim Apéro mal etwas lauter wurde, musste Katja noch nie einschreiten. «Ich sag das nicht einfach so; unangenehme Gäste blieben mir bis jetzt tatsächlich erspart.» Nun gut, die Zeit bis 18 Uhr reiche ja auch nicht, um sich zu betrinken, sagt Katja und lacht. Zürich-Hottingen mag nicht cool sein, aber es hat mit dem Paradiesli einen Ort, wo man genau das nicht sein muss. Ich komme wieder.

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Adresse

Kafi Paradiesli
Hofstrasse 19
8032 Zürich
+41 44 558 67 45

Öffnungszeiten

Dienstag bis Samstag, 9-18 Uhr