Unmeat

Im Imbiss von Theo Favetto und Raphael Neuburger ist alles vegan – vom Cheeseburger bis zum Milkshake.

Sie wollten hochwertigen Fast Food mit einem Augenzwinkern. Also fingen Theo Favetto und Raphael Neuburger an, selbst Burger anzubieten – erst im Foodtruck an Festivals, nun in einem fixen Lokal im Kreis 4. Zwischen den Buns: kein Tierleid.

Warum müsst ihr Veganer eigentlich immer Fleisch nachmachen? Theo Favetto und Raphael Neuburger lächeln, wenn sie die Frage hören. Weil es eine Frage ist, die sie oft hören. Seit Jahren. Genauer: seit Jahrzehnten. Nun machen Theo und Raphael genau das: Sie stellen etwas her, das normalerweise aus Tieren besteht – Burger, Currywurst und Nuggets.

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Nur halt eben nicht aus Fleisch, sondern aus Pflanzen. «Unmeat» – also quasi «ent-fleischen» – heisst das Burger-Lokal, das seit Winter 2020 an der Kreuzung von Militärstrasse und Tellstrasse steht.

Die Burger hier sind nicht aus Fleisch, sondern aus Pflanzen hergestellt.

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«Die Menschen setzen schon so lange auf das zerstörerische Prozedere von Fleisch, dabei haben wir doch die Lösung», sagt Raphael: «Sie liegt auf dem Teller. Lokale wie Unmeat zeigen, dass es möglich ist. Sowas hat auch Symbolcharakter.» Man hört Theo und Raphael an: Sie produzieren nicht nur pflanzliches Fast Food, weil sie Fast Food geil finden. (Das auch.)

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Die beiden Männer starteten mit einem Foodtruck.

Beide sind seit Jahren im veganen Bereich aktiv, Theo im Bereich Nahrungsmittel, Raphael in der NGO-Ecke. «Viele der veganen Produkte werden auf eine Art vermarktet, die Nicht-Veganer nicht ansprechen – und auch mich nicht» erzählt Theo, der vor 20 Jahren aufgehört hat, Fleisch zu essen, und bald darauf auch vegan wurde. «Ich bin gern an Festivals, habe gern laute, schnelle Musik, und ich mag Burger und Fast Food.»

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Bei einem so ernsten Thema wie der pflanzlichen Lebensweise wünschten sich beide mehr Selbstironie. Sie beschlossen, selbst zu kreieren, was ihnen fehlte: einen Foodtruck, der an Festivals wie dem Greenfield und dem Blueballs pflanzliche Burger verkauft. Das Konzept ging auf. Zuletzt kamen manche Festivals selbst auf Unmeat zu, um deren Burger vertreten zu haben. Dann kam die Pandemie. Und der Beschluss: Das mit Unmeat geht weiter. «Jetzt erst recht», sagen Theo und Raphael. Der Satz fällt mehrmals.

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Veganes Essen muss weder langweilig noch gesund sein.

Erst recht im Dezember 2020, kurz vor der Schliessung aller Restaurants: Unmeat verkaufen ihre Burger über die Theke und via Lieferdienst. Erst recht im Kreis 4, in einer ehemaligen Kneipe, mit deren Zwielichtigkeit das Lokal aufräumt. Erst recht in der Schweiz, die im internationalen Vergleich noch nicht so vegan sei, wie sie könne. Und erst recht gegen das Klischee, dass veganes Essen langweilig und gesund ist. Die Designs von Unmeat, vom Shirt übers Menü bis zum Sticker auf der Burger-Packung, sehen selbst aus wie der Merch von einem Festival. Im Lokal kommen Rock und melodiöser Hardcore aus den Lautsprechern, einer der Burger heisst Fuckaccia. Da haben wir die Selbstironie.

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Aber Theo und Raphael ist es ernst. Ihren Kund*innen offenbar auch – das Angebot fand trotz baldigem Sitz-Verbot deutlich Anklang. Ein Dutzend Leute umfasst ihr Team, mit dem angestrebten Wunsch nach weichen Hierarchien; der Velokurier*innen-Dienst ist nach fairen Arbeitsbedingungen ausgewählt. Unter den schwarzen Shirts ist liebevolle Utopie zu spüren. Mit genau dem Vibe lächeln Theo und Raphael, wenn sie gefragt werden, warum Veganer dauernd Fleisch nachmachen müssen. Und antworten: «Probiers einfach.»

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Adresse

Unmeat
Militärstrasse 91
8004 Zürich
+41 44 585 36 36
Website

Öffnungszeiten

Montag bis Sonntag, 11–22 Uhr

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