Ebrietas

Ein Treffpunkt für knallharte Jungs mit weichen Herzen: Philipp Kessler führt im Niederdorf die Ebrietas Bar.

Der Name ist Programm. Im Ebrietas – auf Lateinisch so viel wie Trunkenheit – treffen sich Metalheads zum Biertrinken. Im Keller haben bereits über 4600 Rockbands gespielt. Immer mittendrin: Phil Kessler. Der Betreiber hat sich mit der Bar im Niederdorf sein zweites Wohnzimmer erschaffen.

Phil Kessler lotst mich in die Dunkelheit. Kein Lichtstrahl beleuchtet die Wendeltreppe, die in den Keller führt. Vorsichtig ertaste ich mit den Füssen die holprigen Steinstufen, immer darauf bedacht, den Kaffee nicht zu verschütten. «Keine Angst. Hier ist noch niemand zu Tode gestürzt», sagt der 32-Jährige. Hoffentlich bin ich nicht die Erste, denke ich.

Die dicken Steinmauern aus dem 18. Jahrhundert sind schwarz bemalt. Unzählige Bands haben sich hier verewigt.

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Dabei sah das Ebrietas von aussen ganz unscheinbar aus. Ruhig lag sie da, die Bar der harten Musik. Gemeinsam mit dem Niederdorf döste sie in der Nachmittagssonne, deren helle Strahlen durch die riesigen Fensterscheiben auf die Holztische schienen. An der Bar begrüsst mich der Betreiber Phil Kessler und lächelt freundlich: schwarz gekleidet, mit Piercings und Tattoos. Das sieht schon mehr nach Metal aus.

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Im Keller zeigt die Bar ihr wahres Gesicht. Die dicken Steinmauern aus dem 18. Jahrhundert sind schwarz bemalt. Unzählige Bands, die im Ebrietas aufgetreten sind, haben sich hier verewigt. Ein morbider Charme durchströmt den Raum. Jede Ecke erzählt Geschichten von wilden Konzerten und ausufernden Partys. «Am Anfang hatten wir noch Bilder an den Wänden. Doch die nahmen wir rasch ab», sagt Phil, zündet sich eine Zigarette an, nimmt einen tiefen Zug und schaut sich um. «Der Keller ist fast so etwas wie mein zweites Wohnzimmer geworden!»

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Auf sein zweites Wohnzimmer ist der Metalhead durch Zufall gestossen. Der Zürcher arbeitete im Sommer 2012 als Küchenchef am Paradeplatz, als die Bar einen neuen Pächter suchte. Mit seiner damaligen Freundin schrieb er innert zwei Wochen ein fixfertiges Konzept. Kurz zusammengefasst: Metal und Bier. «Darauf konnten wir uns rasch einigen.» Etwas länger studierten sie am passenden Namen herum. Am Schluss blieb Ebrietas übrig: auf Lateinisch so viel wie Trunkenheit, Rausch.

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Sein neuster Coup: ein Bier aus Grönland. Das gibt es sonst nur in Nuuk zu kaufen!

Die Getränkekarte der Bar umfasst zig Shots, Whiskey, Met, Absinth – und über 20 verschiedene Biersorten. Viele davon sind Raritäten aus dem hohen Norden. Von den Färöer-Inseln, von Finnland und Island. Der Bierimport ist ein Hobby des 32-Jährigen geworden. Wenn er im Sommer mit seiner Enduro durch die Wikingerländer kurvt, stoppt er in Pubs und trinkt sich durch lokale Spezialitäten. Sein neuster Coup: ein Bier aus Grönland. «Das gibt es sonst nur in Nuuk zu kaufen!»

4600

Bands haben in den letzten fünf Jahren im Keller gespielt.

Auch in Sachen Musik spielt das Ebrietas in einer Nische. Hart muss es sein. Immer. Hardcore, Heavy Metal, Punk. Über 4600 Bands haben in den letzten fünf Jahren im Keller gespielt. Mal kommen 15, mal 100 Zuschauer. Der Deal ist einfach und unkompliziert: Die Bands haben eine Bühne. Sie können Eintrittsgeld verlangen, ihre Shirts und Caps verkaufen und einige Drinks gratis beziehen. Das Ebrietas behält die Getränkeeinnahmen.

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Knallharte Musik, Alkohol in Massen, böse Jungs – gibt’s da keine Probleme? «Nein, wir hatten praktisch noch nie Ärger. Auch keine Schlägereien», betont Phil. Im Gegenteil: Liebe liegt in der Luft. Viele Pärchen haben sich hier kennen gelernt – und einige auch getrennt. Für Phil macht das den Reiz des Ortes aus. Es sei ein entspannter, chilliger Ort. Phil umschreibt es so: «Hier trifft man alte Freunde und findet leicht neue!»

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Adresse

Ebrietas
Zähringerstrasse 39
8001 Zürich
+41 44 262 64 60
Mail
Website

Öffnungszeiten

Montag bis Donnerstag, 11.45–1 Uhr
Freitag, 11.45–5 Uhr
Samstag, 17–5 Uhr
Sonntag, 18–24 Uhr

Infos

Von Montag bis Freitag gibt es Mittagsmenüs. Konzerte finden jeweils am Mittwoch und ab und zu am Wochenende statt.