Spielzeugmuseum

Die 78-jährige Ruth Holzer ist die Enkelin von Franz Carl Weber – und Leiterin des Spielzeugmuseums.

Ruth Holzers Leidenschaft für Puppen, Lokomotiven und Co. liegt in der Familie: Ihr Grossvater Franz Carl Weber gründete Zürichs bekanntesten Spielzeugladen, ihre Mutter das viel besuchte Spielzeugmuseum. Dieses leitet Ruth seit über vierzig Jahren.

Eine amerikanische Familie zwängt sich in den schmalen Personenlift. Er fährt in den fünften Stock. Als sich seine Tür öffnet, steigen die Eltern mit ihren zwei Kindern direkt im Spielzeugmuseum Zürich aus. An der Empfangstheke sitzt Ruth Holzer. Die 78-Jährige ist die Leiterin des Museums. Was hier ausgestellt wird, stammt grösstenteils aus dem Nachlass ihrer Mutter.

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In den Vitrinen stehen die verschiedensten Puppen – vom Porzellan-Bäbi bis zur Barbie –, Lokomotiven aus vergangenen Jahrhunderten fahren über Geleise, ein paar Mini-Jäger aus Blei sind versammelt und in einer herrschaftlichen Villa im Kleinformat residiert eine Familie. «Meine Mutter hat fast alles gesammelt», sagt Holzer. Sie ist die Enkelin von Franz Carl Weber. 1881 gründete der gebürtige Deutsche mit seinem Bruder einen Spielzeugwarenladen an der Bahnhofstrasse.

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«Das war damals keine gute Lage», sagt Holzer. Heute mieten sich an der Bahnhofstrasse vor allem ausländische Luxusmarken ein. 2016 wurde die steigende Miete für Franz Carl Weber zu teuer. Nach über 126 Jahren an der gleichen Adresse zog der Laden um. Heute befindet sich das mehrstöckige Hauptgeschäft gegenüber vom Hauptbahnhof.

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Ruth Holzer erinnert sich, wie sie samstags mit ihren Eltern den Grossvater zum Zvieri besuchte. Er bewohnte die zwei Stockwerke oberhalb seines Ladens. Als Einzelkind fand Ruth Holzer diese Nachmittag nicht besonders spannend. Manchmal waren jedoch auch Cousinen und Cousins eingeladen. Dann durften die Kinder im Laden mit Fahrrädern und Tretautos spielen.

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Alle Titelblätter des Weihnachtskatalogs sind ausgestellt. Nur das von 1940 fehlt – in diesem Kriegsjahr verzichtete Franz Carl Weber auf einen Katalog.

Ruth Holzers Mutter Margrit Weber-Beck hat das Museum 1957 gegründet. Anlass war das 75-jährige Jubiläum des Unternehmens Franz Carl Weber. Seit vier Jahrzehnten leitet Ruth das Museum. Sie katalogisierte die über 2000 Objekte der Sammlung, organisiert die halbjährlich wechselnden Sonderausstellungen, führt Schulklassen und Touristen durch die Ausstellung. Jederzeit beantwortet sie Fragen und klärt auf. «Das sind die Titelblätter des jährlichen Weihnachtskatalogs», sagt sie zu der einen Besucherin und zeigt auf die Covers, welche die Wand zieren. «Seit der Gründung 1881 sind alle ausgestellt.» Nur das von 1940 fehlt – in diesem Kriegsjahr verzichtete Franz Carl Weber auf einen dicken Katalog und druckte nur ein Werbeplakat.

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«Die jeweilige Zeit hat auch die Spielzeuge stark geprägt», sagt Ruth Holzer. Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs spielten die Kinder in Zürich vermehrt mit Militärfiguren, in den 60er-Jahren zogen die Mädchen auch ihren Puppen kürzere Röcke an. Und heute? «Die Technik hat auch das Kinderzimmer erobert», sagt Holzer. Sie findet das schade. «Die Fantasie leidet darunter. Das Spiel wird weniger kreativ.» Doch die Kinder können sich noch immer für die Spielsachen aus dem 18. Jahrhundert begeistern. «Buben freuen sich besonders über Lokomotiven», sagt Ruth Holzer. «Mädchen mögen die Puppen lieber.» Ihr selbst gefallen die Aufziehfiguren am besten. Diese funktionieren immer noch: Dreht man beispielsweise eine kleine Hasenmutter auf, wirbelt sie ihr Baby durch die Luft. «Diese Bewegung gefällt mir», sagt Ruth Holzer.

In den 60er-Jahren zogen die Mädchen auch ihren Puppen kürzere Röcke an.

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Aktiv wird die Sammlung nicht mehr ergänzt. Doch immer wieder geben Leute Spielsachen im Museum ab. Kürzlich hat eine Frau ein altes Holzspielzeug in den Briefkasten gelegt. Auf der beiliegenden Karte hat sie notiert, dass sie das Holzspielzeug im Nachlass ihres Vaters gefunden habe und es nicht wegwerfen wollte.

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Vereinzelt überlassen Privatpersonen dem Museum auch kostbare Stücke. So zum Beispiel eine Originalpuppe der verstorbenen Zürcher Künstlerin Sasha Morgenthaler. «Das ist doch ein Herziges», sagt Ruth Holzer und zeigt auf das Baby, welches jetzt in der Vitrine sitzt.

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Adresse

Zürcher Spielzeugmuseum
Fortunagasse 15
8001 Zürich
+41 44 211 93 05

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag, 14–17 Uhr
Samstag, 13–16 Uhr

Infos

Individuelle Führungen sind nach Vereinbarung möglich – auch ausserhalb der Öffnungszeiten.

Eintritt 5 Franken, Kinder bis 16 Jahre gratis.

Zwei Mal jährlich findet eine Sonderausstellung statt. Die aktuelle heisst «Reiseland Schweiz» und zeigt Gesellschaftsspiele aus den Jahren von 1860 bis 1960.