Marktlücke

Seit 2009 leitet Bettina Schadegg das Ladengeschäft des Förderprogramms Marktlücke, das erwerbslosen Frauen zurück in den Arbeitsalltag hilft.

Der kleine Laden an der Schipfe verkauft buntes Spielzeug, kleine Alltagshelfer und herzige Mitbringsel. Der Grossteil des Sortiments wird in der eigenen Werkstatt in Altstetten hergestellt. Wie im Laden arbeiten auch dort Frauen, die eigentlich auf Jobsuche sind. Sie sollen durch die Marktlücke ein möglichst selbstständiges Leben führen können, sagt Bettina Schadegg. Sie ist für den Shop zuständig.

Die Marktlücke befindet sich direkt an der Limmat. Bereits im Schaufenster leuchten einem «der Saus» entgegen – mit Drachen oder Schwalben bestickte Sandsäcklein mit bunten Baumwollstreifen, die sich durch die Luft wirbeln und werfen lassen. Wie vieles im Geschäft stammen die Spielzeuge aus der eigenen Werkstatt in Altstetten. Denn die Marktlücke, zu der nebst dem Laden und der Werkstatt auch das Restaurant Kantine Hermetschloo gehört, ist ein Förderprogramm für erwerbslose Mütter.

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«Ich wollte etwas Sinnvolles tun», erzählt die Ladenleiterin.

«Wir haben hier im Laden die Aufgabe, den Frauen den Weg zu einer Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt zu ebnen», sagt Bettina Schadegg. Sie leitet seit 2009 den Laden. Die erwerbslosen Frauen können mit einem Pensum von 20 Prozent starten. Im ersten Schritt sollen die Arbeitnehmerinnen im Berufsleben ankommen und – je nach Vorbildung – Verkaufs-Basics erlernen. Bettina erklärt: «Viele der Frauen haben längere Zeit nicht gearbeitet oder haben einen Migrationshintergrund.» Momentan arbeiten fünf Mütter im Laden. Durch gezieltes Coaching lernen die Verkäuferinnen, sich im Arbeitsalltag zurecht zu finden. «Wir wollen den Müttern ein selbstständiges Leben ermöglichen», sagt Bettina.

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Bettina absolvierte eine Ausbildung in der Tourismusbranche. Später studierte sie Industriedesign und arbeitete eine Weile im Marketing. Irgendwann habe sie gemerkt, dass diese Arbeit sie nicht glücklich macht. «Ich wollte etwas Sinnvolles tun», erzählt die Ladenleiterin. In ihrer heutigen Position könne sie nun alles anwenden, was sie in ihrer Ausbildungszeit, aber auch privat über die Jahre gelernt habe.

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Sowohl ihr gestalterisches Flair als auch ihre Marketingkenntnisse sind gefragt beim Führen des Ladens. Um die Mitarbeiterinnen gezielt zu schulen, gehört auch agogische Arbeit zum Alltag. Deshalb hat Bettina vor Kurzem eine Weiterbildung in diesem Bereich absolviert. Dennoch darf das Wirtschaftliche nicht vergessen werden, denn bei der Marklücke handelt es sich um eine GmbH. «Manchmal ist es ein Spagat, doch als Team halten wir zusammen», sagt Bettina.

Das Sortiment der Marktlücke besteht nicht nur aus Eigenproduktionen.

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Das Sortiment der Marktlücke besteht nicht nur aus Eigenproduktionen – wie zum Beispiel Staubwedel aus Straussenfedern, die sonst entsorgt worden wären, oder ein Kochbuch, das die Programmteilnehmerinnen selbst geschrieben haben. Bettina kauft auch Waren von externen Herstellern ein. Dabei achtet das Team der Marktlücke besonders darauf, soziale Werkstätten und kleinere Manufakturen zu fördern. «Wir bekommen Anfragen von verschiedenen Institutionen», sagt Bettina.

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So findet man in der Marktlücke Geschenktaschen aus alten Landkarten, die von der Zürcher Stiftung für Gefangenen- und Entlassenenfürsorge hergestellt wurden. Oder Trinkgläser aus Böden recycelter Glasflaschen der Arbeitsintegration Winterthur. Nachhaltigkeit ist dem Team der Marktlücke ebenfalls wichtig; die meisten Produkte sind entweder recycelt oder upcycelt.

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Die Artischocke ist das Logo der Marktlücke: Als Gemüse ist sie nährend und appetitanregend, erblüht sie, erstrahlt eine grosse, schöne Blüte. Als Symbol für die Marktlücke könnte die Pflanze nicht besser passen. Seit der Gründung habe es schon einige Erfolgsgeschichten gegeben, erzählt Bettina.

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Zum Beispiel die von Svetlana, die wegen einer Allergie nicht mehr in der Reinigung arbeiten konnte und durch die Arbeit in der Marktlücke-Werkstatt bei einer Metallbearbeitungsfirma eine Anstellung fand. Oder Eva, die nach der Zeit in der Marktlücke ihre Ausbildung zur Detailhändlerin nachholte. «Wenn unsere Mitarbeiterinnen uns nach einer Weile selbstbewusst verlassen, wissen wir: Wir haben alles richtig gemacht», sagt Bettina.

Adresse

Marktlücke
Schipfe 24
8001 Zürich
+41 44 212 77 25
Website

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag, 10–19 Uhr
Samstag, 10–17 Uhr