Bodega Española

Eric Winistörfer führt die Bodega Española, wo Künstler, Touristen, Obdachlose und Millionäre aufeinandertreffen – und Lenin noch eine Rechnung offen hat.

Die Bodega Española kennt man bis nach Russland und Hongkong. Und das, obwohl sie seit bald 150 Jahren nicht mehr und nicht weniger ist, als ihr Name verspricht: eine spanische Bodega. Künstler, Musiker und Intellektuelle gehen hier ein und aus, nationale und internationale Showgrössen und Spitzensportler, Studentinnen und Rentner, Niederdorf-Originale und Touristen, Obdachlose und Millionäre. Was macht die Bodega für so viele so unterschiedliche Leute derart anziehend? Dem wollten wir auf den Grund gehen, und so setzten wir uns zusammen mit Wirt Eric Winistörfer und Stammgast Christian Schwarz an den grossen Tisch in der hinteren Ecke des Lokals.

Hongkong? Warum ausgerechnet Hongkong? Dies begann sich Eric Winistörfer zu fragen, wie er in einer ersten Anekdote über sein Restaurant erzählt. Nachdem seit einiger Zeit immer wieder Gäste aus der chinesischen Metropole Plätze bei ihm reserviert hatten, fragte er einen Anrufer nach dem Warum. Ist es der Reis, der Wein, die Tapas? Nein, meinte der Anrufer: Die Bodega sei in einem Hongkonger Schweiz-Führer erwähnt; als das Restaurant, in welchem Lenin noch seine letzte Rechnung offen habe. Der russische Revolutionsführer wohnte ganz in der Nähe im Niederdorf.

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Eric Winistörfer führt die Bodega Española in der zweiten Generation.

Die Mittagshektik ist vorbei, der Bodega-Wirt hat sich zu mir und Christian Schwarz gesetzt, dem Fotografen, der eine Art «Familienalbum» über das Restaurant gemacht hat, wie er es nennt: einen Bildband, der über viele Jahre und bei Hunderten von Besuchen in seinem Stammlokal entstanden ist – die Fotos zu diesem Text sind ihm entnommen. Es entsteht ein lockeres Gespräch, wie es auch zufällig hätte zustande kommen können. Denn Eric Winistörfer setzt sich oft und gerne zu den Gästen. Er schwärmt denn auch in den höchsten Tönen von ihnen: Sehr viele interessante Besucher kämen hierher, sehr international sei die Kundschaft: «Und sie ist es ja, die einen Betrieb ausmacht. Wir bieten nur die Bühne.»

Christian Schwarz interveniert: «Aber auch der Beizer ist wichtig! Wenn du ihn nicht magst, geht du nicht mehr in ein Lokal.» Winistörfer widerspricht nicht, ergänzt aber: «Wir müssen einfach Freude haben am Beruf, gerne Gastgeber sein.»

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Auch in Schwarz’ Bildband, in dem wir während des Gesprächs immer wieder blättern, sind die Gäste die Hauptdarsteller: Grosse Runden an grossen, runden Tischen sind darauf zu sehen; Leute, die sich schon lange kennen oder eben erst getroffen haben, wie Winistörfer und Schwarz erklären, die aber fast immer zufällig so an diesem Tag zusammengekommen sind. Die Bodega besteht zum grössten Teil aus grossen Tischen, runden wie eckigen.

Mit einem Schmunzeln in den Mundwinkeln erzählt Eric Winistörfer eine weitere kleine Geschichte: «Einst waren Amerikaner hier, die fragten, ob sie fotografieren dürften. Sie fanden das ganz toll mit den grossen Tischen. In Amerika entwickeln sie jetzt ein neues Konzept, das heisst ‹talking tables›. Wir machen das hier seit 140 Jahren.»

«In Amerika entwickeln sie jetzt ein neues Konzept, das heisst ‹talking tables›. Wir machen das hier seit 140 Jahren.»

Eric Winistörfer, Wirt

Eine weitere wichtige Ingredienz, welche die Bodega zu dem macht, was sie ist: «Hier spielt es keine Rolle, wer du bist oder was du hast», sagt Schwarz. Das klingt ein bisschen nach Klischee, nach dem Refrain der Peter-Alexander-Schnulze über die kleine Kneipe. Doch Eric Winistörfer weiss dies mit einer weiteren kleinen Geschichte zu untermauern:

«Einmal kamen Punks, mit so unglaublichen Frisuren. Sie sassen mit zwei älteren Herren am Tisch, ich glaube, es waren ehemalige Piloten. Ich sass mit am Tisch und wollte nicht gehen, weil ich dachte, dass es Diskussionen geben würde, die eskalieren. Doch alles ging gut – so gut, dass sie sich am Schluss alle die Hand gaben und sagten: Danke vielmals, bis zum nächsten Mal. Sie hatten abgemacht, sich wieder zu treffen.»

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Die Durchmischung der Kundschaft in der Bodega ist in der Tat nicht alltäglich. Winistörfer erzählt von Russen, die bei ihnen essen, die auch mal für den Rückflug aus Zürich im Privatjet Essen bestellen, welches ihre Stewardessen hier abholen kommen. Christian Schwarz erwähnt dazu den Obdachlosen, der hier ebenso willkommen ist und täglich vorbeikommt, um die Zeitungen zu ordnen, und dafür einen kleinen Batzen erhält. Und ein paar zusätzliche von Stammgästen, die ihn kennen.

Auch viele Prominente kommen immer wieder in die Bodega – Winistörfer will ihre Namen nicht nennen: «Ich glaube, sie schätzen es, dass sie hier ganz normal behandelt werden und ihr Erscheinen kein grosses Aufsehen erregt.» Es sei deshalb nur so viel verraten: Es handelt sich um nationale Promis und internationale Superstars aus der Rock-, Sport- und Unterhaltungsbranche – einen von der letzten Sorte finden Sie auf den Bildern. Bezeichnend für die Bodega ist, dass sie in Schwarz’ Bildband wie im Gespräch über die Beiz doch nur eine Randnotiz sind.

1874

gründete die katalonische Familie Gorgot die Bodega.

In Winistörfers Bild ausgedrückt könnte man also sagen: Ob Hollywoodstars oder Laiendarsteller, in der Bodega wird grosses Theater gespielt. Warum gerade hier? Neben der erwähnten Gastfreundschaft und der Offenheit ist vielleicht die wichtigste Komponente: dass sich hier nichts verändert hat. Über 140 Jahre Geschichte der Weinhandlung und des Restaurants Bodega sind in den Grundzügen schnell erzählt: Von der katalonischen Familie Gorgot 1874 gegründet, ging sie in den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts in den Besitz der Zürcher Familie Winistörfer über, erst führte der Vater das Restaurant, dann der Sohn. Beide änderten nichts am Konzept: Gastfreundschaft und gutes, authentisches spanisches Essen. Fertig.

Und, natürlich, die Kulissen: Die Bodega ist eine grossartige Bühne. Auch das Interieur wurde über all die Jahre nur sanft renoviert; dank der Idee von Eric Winistörfers Vater, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen, mussten sie keine Umbauten vornehmen, die den Charakter des Lokals verändert hätten.

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Kein Schnickschnack, keine Fusionsküche oder kulinarische Selbstverwirklichung, kein Lifestyle-Bio-Food, sondern echt spanisches Essen.

Zuletzt ist auch nicht ganz unwesentlich, was man in einer Beiz auf den Tisch bekommt. Und die Tapas, die man in der Bodega isst, sind einfach umwerfend gut. Und dazu zahlbar: So gibt es mittags zum Beispiel die «Ración», ein täglich variierendes Angebot von Speisen, die man sich auf einem Teller zusammenstellen kann, für nur 14 Franken 50. Auch hier setzt der Wirt auf Ehrlichkeit und Authentizität: kein Schnickschnack, keine Fusionsküche oder kulinarische Selbstverwirklichung, kein Lifestyle-Bio-Food, sondern echt spanisches Essen, zubereitet und serviert von Mitarbeitern aus Spanien und Portugal, mit frischen und – ohne dass das so deklariert wäre – oft biologisch produzierten Zutaten, teils vom eigenen Hof am Walensee, wo die Winistörfers Schafzucht betreiben sowie Kräuter und Salate anpflanzen.

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Das sind der Gründe noch nicht genug für einen Besuch in der Bodega Española? Dann hier noch eine letzte kleine Anekdote von Wirt Eric Winistörfer: «In der Bodega werden jedes Jahr Hunderte von Hochzeitstagen gefeiert.» Warum gerade hier? «Weil sich die Paare hier kennen gelernt haben.»

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Adresse

Bodega Española
Münstergasse 15
8001 Zürich
+41 44 251 23 10

Öffnungszeiten

Jeden Tag von 10 bis 24 Uhr