Urbansurf

Dank Patrick Eichler müssen Surfer nicht mehr nach Bali fliegen, sondern finden die perfekte Welle gleich neben der Hardbrücke.

Text: Eva Hediger Fotos: Raisa Durandi

Das Surfparadies liegt mitten im Kreis 5: Zwischen Nachtclubs und Boutiquen betreibt Patrick Eichler die Plattform Urbansurf. Ihr Herzstück? Die Citywave, eine riesige künstliche Welle. Auf ihr surfen Profis und Anfänger. «Surfen ist auf unserer Welle eigentlich ziemlich einfach», sagt Patrick.

Im Frau Gerolds Garten bestellen die Leute Wurst und Bier, im Viadukt bummeln sie durch die Läden. Das Nachtleben ruht. Trotzdem biege ich beim Club Supermarket in eine Seitenstrasse ab. An deren Ende stehe ich vor einem riesigen Klotz aus Holz. Ich höre Gelächter und das Geplätscher von Wasser.

Ich höre Gelächter und das Geplätscher von Wasser.

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Ich steige die Treppe hoch und sehe ein grosses Becken. Sein Wasser türmt sich zu einer Welle, auf der mehrere Sportler surfen. Im Hintergrund rattern Züge vorbei, über die Hardbrücke fahren Bus und Tram.

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Patrick Eichler hat die künstliche Welle an die Hardbrücke gebracht.

Auf den Stühlen rund um das Becken haben sich Zuschauerinnen und Zuschauer versammelt. Sie trinken, essen Kleinigkeiten und feuern die Sportler an. Auch Patrick Eichler sitzt dort. Er ist der Geschäftsführer von Urbansurf und hat die künstliche Welle – die Citywave – an die Hardbrücke gebracht.

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Bereits als kleiner Bub stand Patrick das erste Mal auf einem Surfbrett. Als Erwachsener reiste er für die perfekte Welle unter anderem nach Bali und nach La Palma. «Ich bin aber eigentlich nicht der typische Surfer», erzählt er. Schliesslich mag er andere Wassersportarten ebenfalls gerne. Surfen fasziniere ihn aber völlig. «Auch wegen der Community: Die Surfer halten zusammen.» Deshalb gründete Patrick vor einigen Jahren mit Gleichgesinnten eine Interessengemeinschaft. Ihr Ziel? Eine fest installierte Indoor-Surfanlage zu realisieren.

Patrick Eichler reiste für die perfekte Welle unter anderem nach Bali und nach La Palma.

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Fast hätte es die Clique geschafft, einen Standort hatte sie bereits gefunden. Doch dann fehlten Geld und Zeit. «Uns ist schliesslich die Idee gekommen, dass wir mit der künstlichen Welle auch durch die Schweiz touren könnten», so Patrick. Zwei Investoren – darunter sein Vater – gründeten The Wave Factory, holten eine solche Anlage in die Schweiz und setzten Patrick als Betriebsleiter ein. 2015 und 2016 wurde die Citywave in verschiedenen Städten auf- und abgebaut. «Doch das ist einfach ein zu grosser Aufwand.» Deshalb suchte Patrick einen festen Standort.

2015 und 2016 wurde die Citywave in verschiedenen Städten auf- und abgebaut.

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Auf dem Areal zwischen dem Bogen F und Frau Gerolds Garten stand die Citywave bereits im Sommer 2017 für vier Monate. Seit diesem Jahr ist es ihr fixer Standort. Bis 2020 darf die Plattform Urbansurf und somit die Citywave hierbleiben. «Wie es danach weitergeht, weiss nicht einmal der Grundstücksbesitzer», erzählt Patrick.

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Surfen ist für Patrick ein Trend, auch wenn nur wenige wirklich auf dem Board stehen: «Es identifizieren sich viele mit dem Lifestyle.» Dieser trifft laut Patrick den Zeitgeist, ist urban, frisch und sportlich. «Surfen hat aber auch etwas Rebellisches und Wildes. So, wie die Natur und das Meer halt sind», sagt Patrick. «Ich fasse es immer als ‹hip› zusammen.» Auch das Angebot der Bar und des Restaurants ist auf das städtisch-sportliche Publikum angepasst: Serviert werden unter anderem Pokebowls und Fritten aus Süsskartoffeln.

«Surfen hat aber auch etwas Rebellisches und Wildes. So, wie die Natur und das Meer halt sind.»

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Patrick sagt, dass das Niveau der Schweizer Surfer durch die Citywave gestiegen ist. Denn es gibt keine anderen Orte hierzulande, an denen konstant gesurft werden kann. «Uns erzählen einige, dass sie lieber zu uns kommen, statt in teure Surfferien zu fahren», so Patrick.

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Wer auf der Citywave surfen möchte, kann vorgängig eine Session buchen – je nach Können eine für Anfänger oder Fortgeschrittene. Es sind jeweils zwei Plätze für spontane Surfer reserviert. Surfbrett und Anzug stehen zur Verfügung. «Nur die Badehose, den Bikini und das Badetuch muss man mitbringen», sagt Patrick. Die Welle kann auch von Gruppen reserviert werden. «Das ist ziemlich beliebt.»

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Die Citywave wurde in München entwickelt. Vorbild war der dortige Eisbach, welcher Surf-profis aus der ganzen Welt anlockt. «Das Wasser kommt bei der Citywave von vorn», erzählt Patrick. «Das verwirrt die Leute erst. Denn auf dem Meer schiebt die Welle den Surfer von hinten an.» Spätestens nach der dritten Runde hätten aber die meisten Surfer den Dreh raus. Und auch das Scheitern mache hier Spass, sagt Patrick. «Fallen die Leute ins Wasser, steigen sie aus dem Becken und lachen. Das ist auch unser Ziel: Wir wollen Glücksgefühle produzieren!»

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Adresse

Urbansurf
Geroldstrasse 15
8005 Zürich
+41 76 224 42 24
www.urbansurf.ch

Öffnungszeiten


Montag geschlossen
Dienstag, 15–23 Uhr
Mittwoch und Donnerstag, 11.30–23 Uhr
Freitag, 11.30–24 Uhr
Samstag, 8.30–24 Uhr
Sonntag, 8.30–22 Uhr

Infos

Pro Session werden acht Plätze online sowie zwei Plätze vor Ort verkauft. Eine Session dauert 45 Minuten. Online können ausserdem Early Bird Sessions sowie Kids Sessions für Kinder bis 16 Jahren gebucht werden. Für Gruppen werden Private Sessions angeboten.

Für Zuschauer ist der Besuch der Plattform kostenlos. Es gibt ein gastronomisches Angebot. Es finden ausserdem regelmässig verschiedene Anlässe statt, zum Beispiel Surfcontests oder Konzerte. Infos dazu gibt es hier.