23.01.2019 – Storys & Specials

«Es geht nicht gleich unter die Dusche und dann ins Bett»

Seit seiner Jugend arbeitet Juan Primero als Callboy. Mit wie vielen Frauen er schon intim wurde, weiss der Zürcher nicht. Abgebrüht sei er aber nicht, wie er uns im Interview erzählt.

Du nennst dich Juan Primero, also Juan der Erste – wie kamst du zu diesem Pseudonym?

Durch Zufall. Als ich eine Zeit lang in Spanien lebte, merkte ich, dass viele Spanier meinen richtigen Namen falsch aussprachen. Irgendwann habe ich gesagt: ‹Ich bin Juan.› Diesen Namen konnte jeder behalten. Dazumal arbeitete ich noch nicht als Callboy, den Namen behielt ich aber bei. Die Idee mit dem Nachnamen hatte eine Freundin: Als ich mich zum ersten Mal auf einer Plattform für Callboys registrieren wollte, gab es bereits einen Juan. Ich hiess dann Juan I., worauf mich die Freundin immer Juan Primero nannte. Primero soll nicht wertend sein.

«Frauen lieben die kitschige Romantik, das Happy End.»

Du bist auf einer Online-Plattform für Schweizer Callboys registriert. In deinem Profil bezeichnest du dich als «The magic one». Man findet Sätze wie: «Wäre es einmal besonders schön, sinnlich verführt und auf meinen Händen getragen zu werden?» Das klingt ziemlich schwülstig.

Frauen lieben die kitschige Romantik, das Happy End. Viele haben solche Wunschvorstellungen, die meisten bleiben dann aber doch realistisch. Viele Kundinnen sagen, ich hätte magische Hände; ich bin ja auch noch als Masseur tätig. Ich verwöhne und gebe gerne, das sage ich nicht nur so dahin.

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Du verlangst für eine Stunde 250 Franken. Frauen, die auf Erotik verzichten möchten, können dich als «charmanten Begleiter» buchen. Etwa für ein Candle-Light-Dinner oder für eine Shoppingtour, zum Preis von 150 Franken pro Stunde.

Die meisten Damen, die mich als Begleiter buchen, sind schon öfters für erotische Dates bei mir gewesen und wollen nun etwas Neues ausprobieren. Wenn eine Frau mit mir schick essen geht, später aber doch noch ins Hotel will, bezahlt sie von Beginn an den höheren Preis – 250 Franken für eine Stunde.

Welche Eigenschaften machen einen guten Callboy aus?

Ein guter Callboy hört seiner Kundin aufmerksam zu und nimmt sich viel Zeit für sie, um auf ihre Wünsche, Bedürfnisse und Träume eingehen zu können. Er ist nicht oberflächlich, nicht überheblich und schon gar nicht selbstverliebt. Bei diesem Job geht es nicht darum, dass der Callboy seine Lust befriedigt oder Striche auf seiner Erfolgsliste macht. Er achtet auf ein gepflegtes Äusseres, besitzt gute Umgangsformen, ist anpassungsfähig. Begleitet er eine Dame etwa an einen Anlass, schlüpft er gerne in verschiedene Rollen – Liebhaber, Kollege, Partner. Was das Sexuelle betrifft, ist er ideenreich und ausdauernd.

Einmal gibst du dich als den feurigen Liebhaber, ein andermal als den netten Kollegen aus: Ist diese Schauspielerei nicht ungemein anstrengend?

Nein, denn ich verstelle mich nicht, sondern bin mich selbst. So bin ich für die Frauen fassbar. Ich muss mich nicht verbiegen, sondern handle instinktiv. Passt mir etwas nicht, setze ich eben keine Maske auf und lächle, sondern sage direkt und ehrlich, was mich stört.

«Ich achte darauf, dass ich maximal jeden zweiten Tag mit einer Frau sexuell aktiv bin.»

Bist du verletzlicher, wenn du deine Maske fallen lässt?

Verletzlich … Ich weiss nicht recht. Ich glaube, ein Callboy, der nichts an sich ranlässt, abgebrüht ist, hat keinen Erfolg. Frauen wollen mehr als nur Sex. Daher sollte man sich als Callboy emotional intensiv einbringen.

Wie schaffst du das?

Ich achte darauf, dass ich maximal jeden zweiten Tag mit einer Frau sexuell aktiv bin. Läuft es gut, habe ich drei bis vier Dates pro Woche. Um mir die Ideen und Wünsche der Kundin noch einmal zu vergegenwärtigen, lese ich die E-Mails durch. Ich mache mich schön. Kommt sie zu mir nach Hause, koche ich häufig noch etwas Feines. Es geht nicht gleich unter die Dusche und dann ins Bett.

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Hand aufs Herz: Wie viele Frauen hattest du schon?

Das weiss ich gar nicht (lacht). Angehende Callboys fragen mich oft, wie viel man denn in diesem Beruf verdiene. Das lässt sich so leicht nicht sagen. Ob ein Callboy bei den Frauen Erfolg haben wird, ist nicht voraussehbar. Was für Escort-Damen in der Regel gilt – je hübscher und sexyer, desto erfolgreicher –, funktioniert bei Callboys nicht. Den Kundinnen geht es nicht darum, ob er einen Waschbrettbauch hat oder athletisch ist. Sie wollen keinen Schönling, sondern einen gepflegten Mann, der auf ihre Bedürfnisse eingeht. Sie wollen eigentlich das, was im realen Leben ebenso zählt.