Gelati am See

Beim Hafen Riesbach verkauft der Zürcher Daniel Kissling seit zwei Jahrzehnten italienische Gelati.

Text: Eva Hediger Fotos: Raisa Durandi

An seinem hübschen Retro-Stand «Gelati am See» verkauft Daniel Kissling seit zwanzig Jahren Glace. Das freut die Zürcherinnen und Zürcher, die Touristen – und Daniel selbst: «Ich könnte mir keinen besseren Job vorstellen.»

In den Sommermonaten trifft sich Zürich am Wasser. Zwischen dem Bellevue und dem Chinagarten beschlagen Sportler, Spaziergänger und Strassenkünstler die Promenade. Familien, Freunde und Frischverliebte sind am Picknicken und am Baden. «Das Seeufer ist mittlerweile ein Ort für alle», sagt Daniel Kissling. «Früher war das fast ein rechtsfreier Raum.» Mit der Aufwertung des Seefelds wurde die Seepromenade gesitteter. «Diese Entwicklung tut zumindest meinem Geschäft gut», sagt Daniel. Seit 1998 betreibt er beim Hafen Riesbach seinen Glacestand «Gelati am See». Zwischen März und Oktober verkauft er von Mittag bis Sonnenuntergang Sorbet, Milchglace und gefrorenen Joghurt.

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«Vom Getümmel kriege ich fast nichts mit», sagt Daniel. «Ich muss mich zu fest auf meine Arbeit konzentrieren.» Er bedient seine Kunden zügig, aber freundlich. «Ich bin wie eine nette Glacekugelmaschine! Niemand soll länger als eine Viertelstunde warten.» Als kleines Extra erhalten Kinder ein Plastiktierli, Erwachsene ein Probiererli.

«Niemand soll länger als eine Viertelstunde warten.»


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Wie viele Portionen er an einem schönen Sommertag verkauft, weiss Daniel nicht genau. «Aber viele!» Die beliebtesten Sorten muss er an so einem Tag zwei Mal auffüllen. Dazu gehört der absolute Kundenliebling: Schokoladensorbet. «Das schmeckt vielen und alle können es essen – auch Veganer und Menschen, die keine Laktose vertragen», sagt Daniel. «Mir persönlich ist es zu süss. Nach einer Kugel bin ich völlig platt.» Er mag am liebsten Brombeeryogurt mit Ovomaltine-Glace oder Mangosorbet mit Yogurt Natura. «Das schmeckt ein bisschen wie Mango-Lassi.»

Die beliebtesten Sorten muss Daniel an einem schönen Sommertag zwei Mal auffüllen.


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Sein Glace lässt Daniel von Paulo Palumbo im Zürcher Unterland herstellen. Er stammt ursprünglich aus Süditalien und betrieb Mitte der 90er-Jahre eine Gelateria am Central. «Ich mochte Paulos Glace sehr», erinnert sich Daniel. Damals besuchte er den gestalterischen Vorkurs. Als er sich für keine der Fachklassen entscheiden konnte, beschloss er, sich einen Job zu suchen. «Ich wollte eine Arbeit mit möglichst viel Freiheit.» Er fing an, während der warmen Monate Paulos Gelati am See zu verkaufen. Im Winter war er auf Reisen oder arbeitete als Dekorateur und Bühnentechniker im Opernhaus. Zu seinen ehemaligen Kollegen pflegt Daniel noch immer Kontakt. Sie halfen ihm, seinen Verkaufsstand im Retro-Look zu bauen.

1998

Seit 20 Jahren betreibt Daniel Kissling beim Hafen Riesbach seinen Glacestand.

«Paulo liefert mir das Glace immer noch zu den Konditionen, die wir damals per Handschlag abgemacht haben», verrät Daniel. Im Winter tüfteln die beiden Männer an neuen Sorten. Dafür nehmen sie sich Zeit: Mindestens drei Tage für die Suche nach dem perfekten Geschmack und der richtigen Konsistenz. Kürzlich haben sie mit einem japanischen Koch die Sorte «Schwarzer Sesam» entwickelt. «Sie ist weniger bitter als das Original aus Japan.»

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Im vergangenen Sommer eröffnete Daniel mit seiner Schwester das Lokal «Gelati Tellhof» mitten im Kreis 4. «Ein jahrelang gehegter Wunsch ging in Erfüllung.» In der Gelateria stehen mehr Sorten zur Auswahl als am See. Ausserdem hat sie auch während der Wintermonate geöffnet. «Natürlich verkaufen wir im Winter viel weniger Glace», sagt Daniel, «aber wir möchten diesen Service unseren Stammkunden bieten.» Es ist kein Zufall, dass auch viele Touristen bei Daniel vorbeikommen, um ein Glace zu essen. Sein Stand wird in den verschiedensten Reiseführern empfohlen.

Sein Stand wird in den verschiedensten Reiseführern empfohlen.


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Dass in den letzten Jahren in der Stadt mehrere Gelaterias eröffnet haben, sieht Daniel locker. «Konkurrenz belebt das Geschäft», sagt er. Ihn störte einzig die Berichterstattung der Medien. «Die Journalisten schreiben manchmal so, als hätte es vorher in Zürich weit und breit nirgendwo Gelati gegeben. Eigentlich weiss doch jeder, dass das nicht stimmt.»

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Daniel wird das Gastro-Business auch nach über zwanzig Jahren nicht zu viel. «Ich liebe meine Arbeit. Für mich ist es viel mehr als ein Job.» Nur während der langen Schulferien im August gönnt sich der vierfache Vater ab und zu eine Pause. «So kann ich den Sommer noch aus einer anderen Perspektive erleben», sagt er. «Auch wenn es hinter dem Glacestand eigentlich am schönsten ist.»

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Adresse

Gelati am See
Beim Hafen Riesbach

info@gelatiamsee.ch

Öffnungszeiten

März bis Oktober
Montag bis Freitag, 13 Uhr bis Sonnenuntergang
Samstag und Sonntag, 14 Uhr bis Sonnenuntergang
Geschlossen bei Regen und bestimmten Feiertagen

Infos


Eine Kugel kostet 3 Franken.

Seit Sommer 2017 betreibt Daniel auch das Lokal «Gelati Tellhof». Dort werden ganzjährig dreissig handgemachte Glacé- und Sorbet-Sorten, Coupes und Frappés angeboten.