Hafenkneipe

Roger Hafner führt die Hafenkneipe. Hier sitzen Krawatten- und Irokesenträger zusammen beim Bier.

Um seine Reisen zu finanzieren, jobbte Roger Hafner früher nebenbei in Bars. Bis der gelernte Chemielaborant wusste: «Das kann ich auch selbst». Vor über zehn Jahren packte er die Chance schliesslich beim Schopf und eröffnete mit fünf Freunden hinter dem Bahnhof die Hafenkneipe.

Es ist kalt an diesem frühen Abend. Mit hochgeschlagenem Mantelkragen biege ich in die Militärstrasse ein. Bei der Nummer zwölf bleibe ich stehen. Eine riesige schwarze Möwe ziert die Fassade. Der Türknauf ist ein Schiffssteuerrad. Drinnen herrscht eine wohlige Wärme, das Licht ist schummrig.

Ich treffe Roger Hafner, einen der zwei Geschäftsführer der Hafenkneipe. Roger wartet bereits und empfängt mich mit breitem Lachen. Etwas abseits hat er einen Holztisch reserviert. Er trägt einen grauen Sweater, einen markanten Silberohrring und geknüpfte Armbänder.

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Der ehemalige Barchef des mittlerweile geschlossenen Musikclubs Abart eröffnete die Hafenkneipe 2006 mit fünf Kollegen. Die ersten Jahre hätten sie bis zu 70 Stunden pro Wochen gearbeitet, hauptsächlich hinter der Bar, erzählt Hafner. Jetzt gingen sie es aber etwas ruhiger an. «55 bis 60 Stunden können es aber trotzdem werden.» Wer seinen Job liebe, brauche wenig Erholung, sagt er. Roger Hafner redet viel. Man hört ihm gerne zu. Übrigens, ergänzt er, die Hafenkneipe sei auch eher eine Winterbar, im Sommer gehe es dann ruhiger zu und her.

Die ersten Jahre haben sie bis zu 70 Stunden pro Wochen gearbeitet.

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Mittlerweile kann sich der 41-Jährige auch schon mal eine Auszeit leisten: Erst kürzlich ist er von einer zweijährigen Weltreise zurückgekommen. Im Auto ist er mit einem Freund durch die Welt gekurvt. Die beiden bereisten unter anderem Armenien, den Iran, die Mongolei, Nepal, Kanada und Belize. Er liebe fremde Kulturen und die Nähe zu den Menschen. «Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich trotz Chefposten so eine lange Reise machen konnte.» Das geht nur mit einem Geschäftspartner und Angestellten, denen man vollkommen vertrauen kann. Und das kann er. Die meisten seien schon jahrelang dabei und mittlerweile gute Freunde geworden.

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Früher hatte der gelernte Chemielaborant nebenbei in der Gastronomie gejobbt, um seine Reisen zu finanzieren. Er ist geblieben und hat das Hobby schliesslich zum Beruf gemacht. Die Hafenkneipe ist aber nicht sein einziges Projekt. Mit Freunden hat er das «Eldorado» gegründet. Die Bar hat über hundert Biersorten im Sortiment. Und auch beim Burrito-Take-away von nebenan hat Roger seine Finger im Spiel.

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Dann spreche ich Roger auf die maritime Einrichtung an. Ich hatte mir vorgestellt, dass die Jungs vielleicht fasziniert von den Abenteuern der Seefahrer sind. Aber nichts dergleichen. Das Lokal hiess früher schon einmal Hafenkneipe. Ganz in der Nähe besuchte Roger die Berufsschule und so hatte er manche Mittagsstunde im Lokal verbracht. Rösti habe zu den Hausspezialitäten gehört, erinnert er sich. Danach nistete sich ein Technoclub ein. «Ein richtiges Loch, das 23 Stunden geöffnet hatte.» Dann kam Roger. Wieso nicht wieder «Hafenkneipe», habe er sich gedacht.

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Und so kommt es, dass Plastikmöwen von der Decke hängen und Bilder mit Segelschiffen und ein Rettungsring die Wände schmücken. Am rauchblauen Täfer hängen Bullaugen-Lampen, die verträumt schimmern. «Die Bullaugen haben wir im Keller gefunden, die stammen noch von der alten Hafenkneipe», erzählt Roger. «Die Hafenkneipe sollte die kleine Schwester vom Abart werden – auch mit Konzerten.» Mit ähnlicher Musik, als neues Daheim für Leute, die das «Abart-Alter» überschritten haben.

«Die Hafenkneipe sollte die kleine Schwester vom Abart werden – auch mit Konzerten.»

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Roger lehnt sich im Stuhl zurück. Es ist halb acht, alle Tische sind jetzt besetzt, die Gäste in angeregte Unterhaltungen vertieft. Im Hintergrund läuft Rockmusik. Die Hafenkneipe ist Rogers zweites Zuhause geworden. Wie ein sicherer Hafen, in dem man nach einer langen Reise ankert.

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In Internetforen wird die Hafenkneipe in höchsten Tönen gelobt. Ich lese ihm die jüngsten Kommentare vor: lockeres Ambiente, ungezwungen und tolerant, heisst es. Roger lacht. Doch, sie würden schon einiges bieten. Es gibt eine grosse Bier- und Ginauswahl, Single Malt und Rumspezialitäten. Und eben: die Konzerte. «Jeder ist willkommen, egal ob mit Krawatte oder Irokesenschnitt. Es soll eine Stube für alle sein.» Das zeichne die Hafenkneipe sicher auch aus.

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Adresse

Hafenkneipe
Militärstrasse 12
8004 Zürich
+41 43 322 02 82

Öffnungszeiten

Montag und Dienstag, 17–24 Uhr
Mittwoch und Donnerstag, 17–1 Uhr
Freitag, 17–2 Uhr
Samstag, 20–2 Uhr