Atelier Fiona K.

Die Zürcher Designerin Fiona Knecht malt in ihrem Atelier Pin-up-Girls und Burlesque-Tänzerinnen auf Seidentücher.

Mitte der Achtzigerjahre eröffneten Fiona Knechts Eltern an der Fraumünsterstrasse den ersten CD-Laden Europas. Als dieser 2017 schliessen musste, suchte Fiona ein eigenes Lokal. Im Atelier Fiona K. verkauft die Designerin nun ihre bunten Foulards – und Musik.

Farbige Blumen und Tiere umrahmen das Schild, auf dem in leicht schrägen Buchstaben der Schriftzug «Fiona K.» prangt. Es weist auf das Atelier und Verkaufslokal der Zürcher Designerin Fiona Knecht hin, das nur wenige Meter von der Langstrasse entfernt liegt. «Die Lage ist ideal», sagt Fiona. «Es hat zwar wenig Laufkundschaft, aber dafür kann ich konzentriert an meinen Designs arbeiten.» Und falls jemand den Laden betrete, sei sie sofort da.

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Frühere Stammgäste werden auch glücklich: Sie finden im Laden eine kleine Auswahl an CDs, die Fionas Mutter Heidy immer wieder aktualisiert.

Fiona sitzt im hellen und hübsch eingerichteten Verkaufsbereich. Die Büsten tragen Tierköpfe, auf den Regalen stehen Schwarz-Weiss-Fotografien. Im Hintergrund läuft ein altes Rock’n’Roll-Album. So wie früher, als Fiona ihre Designs noch im Keller vom «CD Studio» entwarf. Fionas Eltern eröffneten das CD Studio 1983. Es war das erste Geschäft in Europa, das ausschliesslich Compact Discs anbot. «Ich bin praktisch im Laden aufgewachsen», erzählt Fiona. Als ihr Vater das CD Studio aus Altersgründen aufgeben wollte, sprang Fiona ein. Mehrere Jahre führte sie mit ihrer Mutter den CD-Laden an der Fraumünsterstrasse weiter. Doch dann wurde ihr der Mietvertrag gekündigt, sie musste ein neues Lokal suchen. «Ich wollte nicht wieder einen Musikladen eröffnen», so Fiona. Frühere Stammgäste werden aber auch im neuen Laden Fiona K. an der Hohlstrasse glücklich: Sie finden hier eine kleine Auswahl an CDs, die Fionas Mutter Heidy immer wieder aktualisiert.

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Im Fiona K. werden aber hauptsächlich die verspielten und farbenfrohen Seidentücher von Fiona verkauft. «Eigentlich wollte ich gar nie Foulards designen», sagt Fiona und lacht. Doch vor vier Jahren bat eine Freundin sie, ihr eines zu entwerfen. Aus Produktionsgründen musste Fiona bei der italienischen Fabrik jedoch mindestens zehn Foulards bestellen. Sie postete deshalb auf Facebook: «Wer möchte auch ein Tuch?» Dreissig meldeten sich.

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Stück gibt es maximal pro Edition. 

Mittlerweile hat Fiona eine Fabrik in der Schweiz gefunden. «Das macht mich sehr glücklich. Ich möchte möglichst viel hier herstellen können.» Die Foulards sind noch immer streng limitiert: Pro Design gibt es jeweils maximal dreissig Stück. «Ich nenne die Designs deshalb auch nicht Kollektionen, sondern Editionen.» Sie möchte, dass ihre Foulards exklusiv bleiben – «so wie ein Kunstwerk». Fionas Foulards sind eigentlich Collagen aus handgemalten Zeichnungen. «Kann ich Teile von einem anderen Foulard übernehmen, bin ich in etwa drei Tagen fertig.» Muss sie für ein Design alle Elemente neu anfertigen, arbeitet sie mehrere Wochen daran.

Letztes Jahr hat Fiona ein Fetischmodel als Muse gewählt. «Ich musste ziemlich aufpassen, dass es nicht zu krass wird.»

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Zu jedem Tuch weiss Fiona eine Geschichte zu erzählen: «Schliesslich sind auf den meisten Foulards Leute abgebildet, die es auch wirklich gibt.» Die Zürcher Designerin lässt sich immer wieder von Burlesque-Tänzerinnen und Pin-up-Girls inspirieren. «Mir gefällt diese fantasievolle Welt.» Letztes Jahr hat Fiona ein Fetischmodel als Muse gewählt. «Ich musste ziemlich aufpassen, dass es nicht zu krass wird.» Fiona setzte die Frau ins Weltall. «So sah ihr Lack-Outfit wie ein Raumanzug aus», sagt die Designerin. «Damit sie nicht so alleine ist, habe ich ganz viele Welpen gezeichnet.» Doch als Fiona dem Model den Entwurf schickte, antwortete dieses, dass es keine Hunde möge. «Ich habe in einer Nachtschicht noch etwa sechs Katzen gemalt.»

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Kürzlich liess sich Fiona von einem dänischen Zwillingspaar inspirieren. «Ich sah einen Auftritt von ihnen und es war mir sofort klar, dass ich sie fliegen lassen muss.» Auf dem Foulard «Whale Watching» sitzen die Männer jetzt in Heissluftballonen. Neben ihnen steigen Wale in die Höhe.

«Einfach nur Blümchen zu malen, würde mich nicht glücklich machen.»

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Die Zusammenarbeit mit den internationalen Künstlern sei aufwendig, sagt Fiona. «Aber ich finde es inspirierend.» Früher habe sie sich einfach selbst gezeichnet. «Das war einfacher. Doch irgendwann wurde es mir zu narzisstisch.» Es gibt auch Foulard-Modelle ohne Menschen. «Aber auch auf diesen gibt es Unerwartetes zu entdecken. Einfach nur Blümchen zu malen, würde mich nicht glücklich machen.»

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Noch arbeitet Fiona mit Seide. «Es ist ein sehr edles Material und die schönste Leinwand, die ich mir vorstellen kann.» Doch weil die Seide aus China stammt – in der Schweiz wird viel zu wenig produziert – und die Raupen bei der Herstellung sterben, überlegt sie sich, auf anderes Material umzusteigen. «Ich liebe neue Herausforderungen», sagt Fiona. Sie würde auch gerne Kleider entwerfen. «Dann könnte ich endlich eine richtige Modeschau veranstalten», sagt sie und lacht. «Bei Tüchern ist das viel schwieriger.» Bereits jetzt hat sie ein Deck Pokerkarten, einen Adventskalender und zusammen mit einer lokalen Schneiderin eine Kimono-Kollektion lanciert. Vieles ist ausverkauft. «Ich kann die Leute deshalb so begeistern, weil ich genau das mache, was mir Spass macht.»

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Adresse

Atelier Fiona K.
Hohlstrasse 7
8004 Zürich
+41 44 211 98 11
Website

Öffnungszeiten

Donnerstag und Freitag, 12–18 Uhr
Samstag, 11–17 Uhr