04.08.2020 – Zu Besuch bei | Menschen & Leben

«Unser Mehrgenerationenhaus ist schon fast spiessig»

Text: Eva Hediger Fotos: Jasmin Frei

Manuela und Peter Preissle leben mit ihren drei Töchtern an der Predigergasse – im gleichen Haus, aber in eigenen Wohnungen. Denn keines der Familienmitglieder kann sich vorstellen, das Niederdorf für eine längere Zeit zu verlassen.

Ein Theater, ein kleiner Lebensmittelladen und viele Boutiquen – am Neumarkt lebt die Zürcher Altstadt. Wer von der breiten Strasse in die enge Predigergasse abbiegt, erreicht mit wenigen Schritten das Zuhause der Familie Preissle. Im kleinen Innenhof stehen Fahrräder, Tischchen und Pflanzen.

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Die Klingel des rund 500-jährigen Altstadthauses ist üppig verziert. Auf einem Schild stehen nur Frauennamen. Es sind jene der Töchter von Manuela und Peter Preissle. «Wir leben in einem Mehrgenerationenhaus», sagt Peter. «Schon fast spiessig!»

Früher spielte sich hier das Familienleben ab.

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Als die Preissles an die Predigergasse zogen, waren die Kinder noch klein. Heute sind sie in ihren Zwanzigern. Sie leben immer noch hier: Eine Tochter wohnt nebenan, zwei haben die Wohnungen in den unteren Stockwerken des Elternhauses bezogen. Manuela und Peter sind mit dem Hund in der obersten Etage des Hauses geblieben. «Schon früher hat hier das meiste Leben stattgefunden», sagt Manuela.

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Viele der Möbel stammen aus Peters Sammlung.

 Die Familie hat einst in allen Wohnungen gleichzeitig gelebt. «Drei Badezimmer – aber vier Frauen. Das war schon etwas mühsam!», sagt Peter und lacht. Die Grundfläche des Hauses beträgt knapp 50 Quadratmeter. Auch die Raumhöhe ist niedrig – nur in der Wohnung der Eltern wurden die Decken teilweise herausgerissen. «Wir haben geschaut, dass unsere Kinder nicht zu gross werden», scherzt Peter.

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Das Niederdorf ist die Heimat der Familie.

Die Preissle-Töchter haben in den letzten Jahren in anderen Ländern und Stadtteilen gelebt – und sind immer ins Dörfli zurückgekehrt. «Hier ist ihre Heimat», weiss Manuela. Doch auch sie und Peter fühlen sich in der Altstadt wohl. «Es ist alles da, was wir brauchen», ergänzt er. Zwar sei das Quartier ruhiger geworden – «doch es wird auch noch in hundert Jahren genauso aussehen wie jetzt».

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In jeder Preissle-Wohnung stehen Möbel aus Peters Fundus. Der leidenschaftliche Sammler betreibt die Galerie «Enterpreissle» gleich gegenüber. «Wir tauschen die Einrichtung immer wieder aus», erzählt Manuela. Sie selbst ist ein grosser Fan des italienischen Achtzigerjahre-Designkollektivs Memphis.

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Einige solcher Möbel stehen in ihrem Kleiderladen «Mary Jane» am Neumarkt. Auch das Roboter-Regal im privaten Wohnzimmer ist von Memphis. «Danach habe ich jahrelang gesucht», erzählt Peter.

«Gutes Design lässt sich problemlos mischen.»

Peter Preissle

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Neben dem Regal sind ein fast hundertjähriges Sideboard und ein Sechzigerjahre-Stuhl platziert. «Gutes Design lässt sich problemlos mischen», sagt er. Sein Besuch sei jeweils auch überrascht, wie die Bilder mit den Möbeln harmonieren. Peter hat gute Kontakte zur Zürcher Kunstszene. Im ganzen Haus hängen Kunstwerke von lokalen Kunstschaffenden – auch im steilen Treppenhaus. «Das erleichtert den Aufstieg», sagt er und lacht.

Dieser Artikel ist nicht gratis.

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