30.08.2021 – Menschen & Leben

Silent Reading Rave

Was tun, wenn man eigentlich gerne mehr lesen würde, aber nicht dazu kommt? Ganz einfach: an einen Silent Reading Rave gehen. Dort liest jede Person für sich, aber eben alle gemeinsam. Ganz egal, ob es ein Roman, Lektüre fürs Studium oder ein Stapel Magazine ist: Hauptsache lesen. Fabian Weingartner veranstaltet diese Raves – ursprünglich auch, um sich selbst wieder mehr zum Lesen zu bringen.

Natürlich mochte Fabian Weingartner es schon immer, zu lesen. Aber während seines Studiums – Englisch und Geschichte – las er plötzlich seltener für sich selbst. «Ich lernte zwar die englische Literatur gut kennen. Aber zugleich verlor ich den Spass am Lesen in der Freizeit.» Als das Studium zu Ende war, wusste der Wahlzürcher: «Ich muss was machen. Ein Projekt, um mich selbst wieder zum Lesen zu bringen.» Und, wer weiss, vielleicht auch andere. Das war 2019. Fabian stolperte über das Format der Silent Reading Partys, an denen gegen ein Eintrittsgeld gemeinsam in einer Bar gelesen wird. «In der Schweiz gab es das noch nicht, also habe ich es auf Zürich adaptiert», erzählt der Digital Campaigner.

«Zeitlich begrenzt, gratis und bitzli revolutionär.»

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«Allerdings liess ich das mit dem Eintrittspreis weg, weil ich nicht will, dass man fürs Lesen bezahlen muss. Darum auch der Begriff Rave: zeitlich begrenzt, gratis und bitzli revolutionär.» So entstand die Idee der Silent Reading Raves. An einem Probelauf auf dem Bullingerhof trafen sich Fabian und ein paar Bekannte und lasen während zwei Stunden gemeinsam, alle jeweils für sich. Darauffolgende Ausgaben des Silent Reading Raves hatten dann den Anspruch, auch Leute ausserhalb des Bekanntenkreises zu erreichen. Zwischen einem Dutzend und 40 Leuten besuchen mittlerweile die Anlässe.

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Vom Liebesroman über einen Stapel Magazine bis hin zum Unistoff.

Das Prinzip ist einfach: Die Organisator*innen des Silent Reading Raves kommunizieren via Social Media Zeit und Ort des Anlasses. Dort trifft man sich dann, jeder Mensch mit dem eigenen Lesestoff, vom Liebesroman über einen Stapel Magazine bis hin zum Uni-Stoff – je nach Jahreszeit im Park, einmal in einem Yogastudio, hie und da in einem Café. Dann wird gelesen, in Ruhe, und nach zwei Stunden – bei kürzeren Raves auch mal nach einer Stunde – löst Fabian den Silent Reading Rave wieder auf.

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Der Sinn dahinter ist simpel: «Alle wollen mehr lesen, aber niemand kommt so richtig dazu. Ich will zeigen: Es braucht nicht viel.» Seit dem ersten Shutdown 2020 werden die Anlässe online abgehalten. In einem Videocall wird mit ausgeschaltetem Mikrofon und meist eingeschalteter Kamera gelesen. Wenn es die Lage zulässt, finden die Silent Reading Raves aber nicht nur digital, sondern auch analog statt. «In einem leeren Club wäre zum Beispiel cool, oder in einem Atelier. Ich will Räume aufbrechen», überlegt sich Fabian, der sich mittlerweile eine zweite Person in die Organisation geholt hat.

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Geld soll mit den Silent Reading Raves aber keines verdient werden; wenn mal etwas dabei rausspringt, wird das in Dinge wie Buchzeichen oder Sticker investiert, die für den Anlass werben. Es sind noch viele Ideen da, was alles gemacht werden könnte. Immer aber geht es darum, einfach zu lesen: mehr zu lesen, lieber zu lesen, richtiggehend ein Buch zu bingen. Und es geht darum, «dass unter anderem auch Introvertierte Platz finden an einem Anlass und dass Leute zusammen dem Allein-Lesen frönen.»