23.08.2021 – Im Fokus | Menschen & Leben

Zürich-Fotograf und Filmemacher Gabriel Baumann

Ihre Fotos von Zürich gehen auf Social Media um die Welt. Wer sind diese Fotograf*innen? Was treibt sie an? In unserer Serie drehen wir die Kamera um. Heute im Fokus: Gabriel Baumann, der seit 2007 hinter der Kamera steht und seine Leidenschaft nun zum Beruf machen will.

Gabriel, seit wann fotografierst du?

Begonnen habe ich schon sehr früh. Mit 17 habe ich meine erste Spiegelreflexkamera geschenkt bekommen und schnell hat mich das Fotografieren gepackt. Ich war unglaublich begeistert, habe Bücher gelesen, Kurse besucht. Und weil es damals noch keine Youtube-Tutorials gab, habe ich mir das meiste selbst beigebracht.

Wie ging es weiter?

Vier oder fünf Jahre lang habe ich sehr viel fotografiert und durfte auch an manchen Ausstellungen meine Bilder präsentieren. Ich habe mir auch überlegt, ob ich nicht auch beruflich etwas in diese Richtung machen sollte, hatte dann aber zu grossen Respekt davor und auch ein wenig Furcht.

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«Ich hatte Angst, dass ich die Freude am Fotografieren verliere.»

Furcht wovor?

Davor, dass ich die Leidenschaft am Hobby verliere, wenn ich es beruflich mache. Dass ich Aufträge annehmen muss, die mir irgendwie die Freude nehmen. Dass ich zum Beispiel – wenn im Winter mal Salzknappheit herrscht – ein doch eher langweiliges Salzlager fotografieren muss.

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Du sagtest, dass du vier oder fünf Jahre lang viel fotografiert hast. Danach nicht mehr?

Anfang 20 bin ich für vier Wochen nach Bali gereist. Und gleich am ersten Tag wurde mir mein gesamtes Kamera-Equipment geklaut. Das war natürlich unglaublich ärgerlich. Aber nach ein paar Tagen habe ich plötzlich gemerkt, dass es auch etwas Entspannendes hat, den Urlaub geniessen zu können, ohne ständig dem nächsten perfekten Bild nachzujagen. Ich habe die Zeit ohne Kamera tatsächlich genossen. Als ich wieder nach Hause kam, habe ich jahrelang fast keine Bilder mehr gemacht.

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Was kam dann?

Ich habe mein Studium als Primarlehrer begonnen, mich also für einen anderen Berufsweg entschieden. 2018 habe ich mir dann aber eine neue Kamera zugelegt und mich langsam an die Videografie herangetastet. Und schnell hat es mich wieder gepackt. Ich habe während der Vorlesungszeit mehr und mehr Videos produziert und während der Prüfungsphase – die recht stressig sein kann – primär Fotos gemacht.

«Ich habe gemerkt, wie unglaublich zufrieden mich das Fotografieren macht.»

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Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Ich werde voraussichtlich 2022 mein Studium abschliessen. Danach will ich es nun aber definitiv mit der Videoproduktion versuchen. Gleichzeitig möchte ich mir auch als Fotograf einen Namen machen.

Hast du denn schon erste Aufträge?

Ja, ich konnte schon mit so manchen kleineren Brands zusammenarbeiten und habe etwa Image-Filme gedreht. Nebenbei mache ich aber auch Hochzeitsfilme oder konzipiere eigene Projekte, etwa einen Stop-Motion-Film mit Playmobil-Figuren. Dabei habe ich gemerkt, wie unglaublich zufrieden mich das macht. Also habe ich für mich entschieden: Ein Jahr lang probiere ich das und danach ziehe ich Bilanz.

Verwendest du für Video und Fotografie die gleiche Kamera?

Ja, ich arbeite mit der Sony Alpha 7S III, die eigentlich video-first ist und «nur» 12 Mega-Pixel hat. Aber für die meisten Bilder reicht das locker, vor allem für Social Media, Web und Co. Wenn man nicht vorhat, die Bilder auf eine riesige Leinwand drucken zu lassen, kann man damit problemlos beides machen.

Auf deiner Instagram-Seite finden sich auch einige Drohnenbilder. Welches Modell verwendest du hierfür?

Bis vor Kurzem war es noch die DJI Mavic 2 Pro. Im Urlaub in Frankreich vor einigen Wochen ist sie leider voll gegen eine Felswand gekracht und abgestürzt. Schade um die Drohne und um das ganze Videomaterial, das drauf war. Mittlerweile habe ich eine neue, und zwar die DJI Air S2.

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Was sind deine Lieblingsmotive in Zürich?

Früher habe ich sehr gerne Architektur fotografiert. Ich mag Symmetrien und klare Linien. Das Problem ist: Auf Instagram und Co. kommen gerade jene Bilder, die mir am besten gefallen, nicht so gut an. Dort funktioniert ein Bild vom Grossmünster oder Fraumünster einfach besser. Ich versuche hier immer eine gewisse Gratwanderung. Zwischen Bildern, die mir besonders gut gefallen, und Bildern, die online gerne geliked und geteilt werden.

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«Ich plane gerne ganz genau, was ich wo und wann wie fotografieren will.»

Planst du deine Aufnahmen oder bist du eher jemand für Schnappschüsse?

Ich falle wohl eher in die erste Kategorie und plane gerne ganz genau, was ich wo und wann wie fotografieren will. Natürlich probiere ich es gerne auch mal mit spontanen Bildern. Aber da gibt es sicher einige Fotograf*innen, von denen ich diesbezüglich noch was lernen kann.

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Wie viel Zeit investiert du in deine Bilder und Filme?

Momentan ist es sicher ein Vollzeitpensum, wenn nicht sogar mehr. Da es aber meine Leidenschaft ist, merke ich oft nicht, wie die Zeit verfliegt. Dann sitze ich oft bis spät in die Nacht am Computer und bearbeite die Bilder – ohne dass ich ständig auf die Uhr schaue und den Feierabend herbeisehne. In solchen Momenten merke ich, dass dies das Richtige für mich ist. Natürlich gibt es manche Projekte, die etwas mühsamer sind als andere. Aber grundsätzlich sehe ich das Fotografieren und Filmen nicht als Arbeit, sondern tatsächlich als Leidenschaft.

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Name: Gabriel Baumann
Geboren: 23.01.1990
Wohnhaft: Zürich
Fotograf seit: 2007. Mit Unterbruch.
Kamera: Sony Alpha 7S III
Objektiv: 20mm 1.8; 16-35 4; 90mm 2.8; 24-70 2.8
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