28.07.2020 – Im Fokus | Menschen & Leben

Zürich-Fotograf und Selfie-Verweigerer Ufuk Düzgün

Ihre Fotos von Zürich gehen auf Social Media um die Welt. Wer sind diese Fotografen? Was treibt sie an? In unserer neuen Serie drehen wir die Kamera um. Heute im Fokus: Ufuk Düzgün, der seit 2011 in Zürich und auf Reisen fotografiert.

Zürich sei für einen Fotografen wie ein Sechser im Lotto, findet Ufuk Düzgün. Denn die Stadt biete unzählige schöne Sujets. Doch der Fotograf postet auf Instagram nicht nur Bilder von Zürich und dem See, sondern auch von seinen Reisen in die Natur. Ein Gespräch mit Ufuk Düzgün über seine Anfänge als Fotograf, die Macht von Instagram und seine Abneigung gegen Selfies und sogenannte «Hotspots».

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Wie kamst du zum Fotografieren?

Alles hat angefangen, als sich mein Bruder 2011 ein Nikon-Kit gekauft hat. Eine Woche später habe ich mir dann aus Interesse und Neugier dasselbe zugelegt. Ich habe begonnen, auf Reisen mit Familie und Freunden Fotos zu schiessen. Und habe seitdem nicht mehr aufgehört.

«Jenen, die das professionell machen, gebührt Respekt.»

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Du stellst dich selbst ungern als Fotograf vor. Wieso?

Ich habe einfach viel zu viel Respekt vor dem Beruf als solchem. Ich fotografiere nicht hauptberuflich, sondern eher als eine intensive Nebenbeschäftigung. Als Berufsfotograf hat man unglaublich viel Aufwand, Arbeit, Kosten und auch Arbeitsdruck. Jenen, die das professionell machen, gebührt Respekt.

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Wie viel Zeit investierst du in dieses Hobby?

Etwa fünf bis sechs Stunden die Woche. Ich arbeite Vollzeit in der Baubranche und habe eine Lebensgefährtin. Da muss man sich die Zeit gut einteilen. Ich plane vor allem das Wochenende zum Fotografieren und Bearbeiten der Bilder ein.

Verdienst du Geld mit deinen Bildern?

Mittlerweile nehme ich einige Aufträge für Eventbilder an. Das macht mir extrem Spass, da die Bilder authentisch und spontan entstehen. Sie wirken nicht gestellt oder künstlich. Natürlich muss ich dafür viel Zeit aufwenden.

«Logischerweise hat Instagram auch seine Schattenseiten. Es geht häufig nur noch um das Vermarkten von Produkten und Orten.»

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Du bist viel auf Instagram unterwegs. Vor allem Influencer*innen posten kaum spontane oder authentische Bilder. Was hältst du von der Plattform?

Schwierige Frage. Instagram hilft Fotografen wie mir natürlich sehr. Früher war ich vor allem auf «500px» oder «flickr» zu finden, was wirklich reine Fotoplattformen sind. Instagram ist da ein wenig anders. Hier kann man sich nicht nur von anderen Fotograf*innen inspirieren lassen. Man hat auch die Möglichkeit, seine Arbeit jenen Leuten zu zeigen, die sich nicht sehr stark mit der Fotografie beschäftigen, aber dennoch schöne Bilder sehen wollen.

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Also überwiegen die positiven Aspekte?

Logischerweise hat die Plattform auch ihre Schattenseiten. Es geht häufig nur noch um das Vermarkten von Produkten und Orten. Trotzdem finde ich, dass Instagram mehr Gutes als Schlechtes hat.

«Viele halten Zürich für zu verbaut und zubetoniert.»

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Wenn man deine Seite besucht, sieht man sowohl Natur- als auch Stadtbilder. Ist dir dieser abwechslungsreiche Mix wichtig?

Bei mir kommt das irgendwie automatisch. Die Züri-Bilder entstehen, weil ich hier lebe und die Stadt einfach wunderschön finde. Viele halten Zürich für zu verbaut und zubetoniert. Ich sehe das ganz anders und bin der Meinung, dass Zürich einen guten Mix hat zwischen alten, prächtigen Bauten und modernen Gebäuden. Für mich als Hobbyfotograf ist Zürich als Heimatort deshalb wie ein Sechser im Lotto. Die Naturbilder sind meine zweite Passion. Sie stammen von all den Reisen, Ausflügen und Wanderungen, die ich mache.

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Klapperst du gezielt Fotografen-Hotspots ab oder bist du bei den Reisen spontan mit der Kamera unterwegs?

Ich falle ganz sicher in die zweite Kategorie. Wir reisen dahin, wo es uns gefällt. Und falls mal ein Motiv auftaucht, das spannend wirkt, hole ich die Kamera raus.

Du kannst also den Instagram-tauglichen Sujets widerstehen?

Ich bin da mittlerweile vorsichtig. Die sogenannten Hotspots sind öfter extrem überlaufen und laut. Gerade neulich hatte ich mit meiner Frau eine Diskussion über die Touristenmassen in Machu Picchu in Peru. Ich suche mir lieber Orte mit weniger Leuten, um zu entspannen und zu fotografieren.

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«Ich bin mittlerweile vorsichtig.»

Hast du denn schon schlechte Erfahrungen gemacht?

Wir waren 2018 in Kappadokien, einem Gebiet in der Zentraltürkei. Dort haben wir eine dieser mittlerweile bekannten Heissluftballonfahrten gemacht. Hunderte Ballons steigen gleichzeitig um fünf Uhr morgens in die Höhe, dazu perfekte Lichtverhältnisse, wenn die Sonne aufgeht. Eigentlich wunderschön.

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Aber?

Wenn man dann in so einem Korb sitzt mit Dutzenden anderen Personen, die nur mit ihren Selfie-Sticks rumwedeln, schreien und schubsen, wird es schnell anstrengend. An solch magischen Orten sollte man doch eigentlich ruhig sein, den Ausblick geniessen und die Atmosphäre auf sich wirken lassen.

Bist du kein Selfie-Fan?

Ich will es mal so ausdrücken: Ich habe Tausende Fotos auf meinem Handy. Und kein einziges Selfie ist darunter.

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Du hast vorhin deine Frau erwähnt. Wie sieht sie es, dass du so viel Zeit in dein Hobby investierst?

In der Regel sieht sie das locker. Natürlich gibt es auch Momente, in denen mein Hobby auch etwas anstrengender werden kann. Nicht nur für sie, auch für mich. Zum Beispiel muss man für das perfekte Foto oft früh aus dem Bett. Meistens viel zu früh. Das kann schon nerven.

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Bist du der Meinung, dass das Motiv oder die Aufnahmetechnik das perfekte Bild ausmachen?

Meiner Meinung nach ist es ganz sicher eine Kombination von beidem. Ein Beispiel: Zu meinen absoluten Lieblingsorten gehören der Waidberg und der dortige Blick auf Zürich. Dieses Motiv habe ich schon Dutzende Male fotografiert. Im Dezember 2019 gab es jedoch einen Tag, an dem die verrücktesten Lichtverhältnisse herrschten. Sonnenaufgang, rotes Licht auf der Stadt und den Wäldern dahinter, hellblauer Himmel und klare Sicht auf den Zürichsee und die Berge im Hintergrund. Es war das gleiche Motiv, das ich schon unzählige Male fotografiert habe, aber eine ganz andere Atmosphäre und Stimmung, die nicht jeder einfangen kann.

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Ist es das, was dir an der Fotografie so gefällt?

Ganz klar. Es ist die Möglichkeit, Orte und Motive immer wieder neu zu entdecken und zu betrachten. Das heisst im Umkehrschluss, dass man ständig die Möglichkeit hat, etwas Originelles zu kreieren. Das liebe ich.

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Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich bin momentan sehr zufrieden, was die Balance zwischen Familie, Arbeit und dem Fotografieren betrifft. Zurzeit geniesse ich die vielen Fotomomente und bin offen, was meine Zukunft betrifft. Was noch kommen wird, ist meine eigene Website. Ich hoffe, in naher Zukunft online gehen zu können.

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Name: Ufuk Düzgün
Geboren: 1986
Aus: Zürich Wipkingen
Wohnhaft: Zürcher Unterland, nahe Bülach
Fotograf seit: 2011
Kamera: Sony A7R
Objektiv: Sony 24-70mm GM
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