29.09.2020 – Endstation | Stadt & Geschichte

Wollishofen – grünes Zuhause für alle Generationen

Text & Fotos: Ueli Abt

Die Tramlinie 7 bringt Passagiere bis nach Wollishofen. Ein eigentlicher Platz ist die Endstation erst seit wenigen Jahren. Rundherum lebt es sich mit viel Natur. Das zieht nicht nur Senior*innen an.

Vor Jahren hiess es, dass Wollishofen ein senior*innenlastiges Quartier sei. Und heute – ist da etwas dran? So viel steht fest: Es gibt sie in Wollishofen, die Altersheime, mit einer Baumart, dem Acker oder dem lokal vorhandenen Kalkstein im Namen.

Und es gibt Rentner*innen, die sich im charmant-nostalgischen Café Wollishofen, unweit der Tramendhaltestelle Wollishoferplatz, sich je einzeln an die Tische setzen – um dann bei Gelegenheit mit der Kellnerin durch den Raum hinweg ein paar Worte zu wechseln. Jede Wette, dass die Bauerei an der Albisstrasse wieder länger dauern wird als geplant, prophezeit jemand an diesem etwas verregneten Nachmittag.

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Wie bekommen eigentlich solche Cafés immer diese unvergleichlich warme Tearoom-Atmosphäre hin? Das fragt man sich als eher zufälliger Besucher, mit den Gedanken abschweifend. Sind es die Polster der Bänke, die so weich aussehen, wie sie sind? Ist es der Geruch nach Kaffee und Backwaren, die trockene Akustik dank Spannteppichboden? Es wird wohl all das zusammen dazu beitragen.

In Wollishofen leben auch viele Familien.

Mit seinem behaglichen Flair ist das Café Wollishofen in gewisser Weise ein kontinentaler Verwandter der britischen Pubs – sind doch auch diese oftmals eine Art öffentliche Wohnzimmer. Jenes am Wollishoferplatz, das Shamrock Irish Pub, ist allerdings mit der Terrasse zum Platz hin auch ein Gartenrestaurant.

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Im Café lässt es sich jedenfalls gut solchen weniger zentralen Betrachtungen nachhängen. Da kommt noch jemand zur Türe rein. Der Mann ist jung, er will offensichtlich weder Kaffee noch hausgemachten Zwetschgenwähen, den die Kellnerin zuvor schon einem Kunden empfohlen hat. Stattdessen gibt er etwas Geld für eine Lotterie aus, bei der man auf der Stelle erfährt, ob man etwas gewonnen hat – oder eben halt nicht.

Rund um den Wollishoferplatz sind nicht nur Senior*innen unterwegs. Auch junge Männer machen mit ihrem Pitbull Terrier ein paar Schritte um den Block und unterhalten sich dabei über Kampfhundeerziehung.

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Dass Wollishofens Bevölkerungsstruktur in Bezug auf die Altersgruppen alles andere als auffällig ist, zeigt auch ein Blick in die städtische Statistik für 2019: 20 Prozent der Einwohner*innen sind über 60. Nur wenig darunter liegt zum Vergleich Affoltern mit 18 Prozent, was genau dem städtischen Durchschnitt entspricht. In Fluntern hingegen sind ganze 24 Prozent über 60 Jahre alt.

Abseits der Hauptstrasse lebt es sich hier ruhig.

Rund um die Tramendstation Wollishofen, wo übrigens auch ein wuchtiges Tramdepot steht, gibt es viel Wohnraum für alle Generationen. Es gibt Genossenschaftssiedlungen, Kindergarten und Krippe. Wollishofen ist eben auch ein Familienquartier.

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Auch wenn in Wollishofen die Autos auf der vom Platz in südlicher Richtung wegführenden Albisstrasse als Hauptachse für Lärm sorgen, wohnt man abseits davon oft sehr ruhig und grün.

Dazu passt auch das Schulhaus Entlisberg, erbaut 1947, als eines der wohl verträumtesten Schulhäuser der Stadt. Mit dem Sandstein-Sichtmauerwerk erinnert es an eine sehr lang geratene SAC-Hütte, rot und weiss gestrichenes Holz an der Fassade sorgt für eine schwedische Note, und auch die gartenartige Umgebung macht die Anlage leicht verträumt. Hier gibt es einen runden Pausenpavillon, während in anderen Schulhäusern harte oder gummiüberzogene Sportflächen das Bild prägen.

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Gelten Wollishofen und Enge als klassische Quartiere der jüdischen Diaspora, so ist die Umgebung rund um den Wollishoferplatz von türkischer Esskultur geprägt. Die Metzgerei an der Albisstrasse verkauft Halal-Fleisch, den fertigen Kebab gibt’s im Imbiss gleich an der Tramstation. Und auch der eine oder andere Coiffeursalon scheint dem Namen nach von einem Besitzer aus dem Nahen Osten geführt zu sein. Überhaupt die vielen Coiffeurbetriebe: Wollishofen scheint ein kleines Mekka der schneidenden Zunft zu sein.

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Quartierbewohner*innen, denen es zu Hause noch zu wenig grün sein sollte, können sich in der Blumenhalle mit einem Gewächs für die Stube eindecken. Im Geschäft mitten in der Gleisovals am Wollishoferplatz bekommt man Blumen, aber auch einen Bananen- oder Olivenbaum.

Den Wollishoferplatz gibt es noch nicht lange.

Vor allem aber gibt es im Tramgleisareal einen Platz, der zum Verweilen einlädt. Das war nicht immer so. Bis vor gut zwölf Jahren war das Innere der Wendeschlaufe eine Restfläche mit Verlegenheitslösung: mit Rasen und ein paar Büschen. Durch einen Umbau im Auftrag des Tiefbauamtes wurde der nun klar trapezförmige Platz ab 2009 begehbar. Seither gibt es hier schattenspendende Bäume, einen Brunnen, Blumenbeete und vor allem Bänke als Sitzgelegenheiten.

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Nun fehlte bloss noch der Name. Der Quartierverein Wollishofen stellte 2013 den Antrag an die Strassenbenennungskommission, den Platz zu benennen. Ein Name für den Platz sei der Wunsch vieler Quartierbewohner*innen. Vorschlag des Quartiervereins: «Wollishoferplatz». Diesen Namen bewilligte der Stadtrat gemäss Angaben der Stadt Zürich im Januar 2014.

Noch nicht ganz konsequent umgesetzt haben die Platzbenennung die VBZ. Deren Trams fahren sowohl zum «Wollishoferplatz» als auch schlicht nach «Wollishofen».

Dieser Artikel ist nicht gratis.

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Adresse

Wollishoferplatz
8038 Zürich

Infos

Die Tramlinie 7 verkehrt zwischen dem Bahnhof Stettbach und dem Wollishoferplatz. Für diese Strecke benötigt das ungefähr 41 Minuten. Zum Fahrplan geht’s hier.