04.08.2021 – Endstation | Stadt & Geschichte

Endstation Bahnhof Stettbach – bauliche Identität stets im Fluss

Text & Fotos: Ueli Abt

Der zur Tramendstation hinzugebaute Bahnhof Stettbach schrieb als Teil einer neuen S-Bahn-Verbindung Schweizer Verkehrsgeschichte. Bis heute wirkt so manches im Gebiet rund um die Tramwendeschleife … etwas vorläufig.

Wer von der unterirdischen S-Bahn-Station Stettbach über den bergseitigen Treppenaufgang von den Perrons zur Oberfläche auftaucht, blickt geradewegs auf eine grüne Wiese. Leicht surreal wirkt diese Situation. Auch von der Wiese her ein ungewöhnlicher Anblick: Fast wirkt es so, als stünde der Treppenzugang zu den Gleisen irgendwo auf offenem Feld. Bis heute scheint denn auch die bauliche Verdichtung rund um die Endstation Stettbach, wo Trams der Linie 7 wenden, noch im Gang zu sein.

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1986 entstand tatsächlich zunächst eine Tramendhaltestelle im Niemandsland zwischen dem Zürcher und dem Dübendorfer Siedlungsrand, praktisch auf der grünen Wiese. Bis 1990 wurde die S-Bahn-Station im Untergrund hinzugebaut. Sie war Teil einer neuen Verkehrsachse, die künftig durch den Zürichberg nach Stadelhofen und weiter zum Hauptbahnhof führte. Bis heute verströmt die Umgebung eine gewisse innere Leere, wirken doch die diversen Bürokomplexe – eine Krankenversicherung ist stark präsent – etwas uniform. Immerhin sind unmittelbar an der Tramwendeschlaufe doch auch Geschäfte entstanden, so etwa die «Bahnhofapotheke», eine Bankfiliale und ein Nagelstudio.

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Noch stehen zwischen den Häuserfronten Baumaschinen zum Herstellen von Deckbelägen herum – ganz fertig gebaut ist Stettbach also auch 2021 noch nicht. Doch der Bahnhof Stettbach ist jedenfalls ein eigentlicher Verkehrsknotenpunkt. Denn auch einige Busse fahren von hier los. Und seit 2010 hält auch die Glatttalbahn hier.

Dereinst soll eine Seilbahn Passagiere direkt zum Zoo bringen.

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Die in Medien während Jahren viel besprochene Zoo-Seilbahn existiert allerdings weiterhin erst auf Plänen. Dereinst soll sie Passagiere von Stettbach hinauf zum Zürcher Zoo bringen; sie würde wohl dessen Verkehrsproblem massiv entschärfen. Politischer Widerstand dagegen hat das Projekt inzwischen schon so lange verzögert, dass der technische Stand der Seilbahntechnik unterdessen voranschritt und Anpassungen nötig wurden.

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Einen ersten Anlauf machte die Zoo-Seilbahn 2005. 2014 hiess das Zürcher Verwaltungsgericht eine Beschwerde des Vereins «Zoo Seilbahn Nein» gut. Doch dann ging es einen Schritt weiter: 2018 legte die Zoo Seilbahn AG neue Pläne auf. Im August 2020 wies das Baurekursgericht einige Rekurse ab beziehungsweise trat nicht darauf ein. Wann es mit dem Projekt weiter vorangehen wird, ist derzeit offen. Schon jetzt ist aber klar, dass die Seilbahn-Talstation mitten in die Tramwendeschleife zu liegen käme. Diese hat übrigens die Form eines grosszügigen Dreiecks mit abgerundeten Ecken, was für Zürich ungewöhnlich ist.

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Obwohl der Platz auf Zürcher Boden liegt – der Name Stettbach stammt von einem Dübendorfer Quartier. So kommt es, dass SBB und VBZ taktvoll und historisch korrekt die S-Bahn-Station nicht etwa als «Zürich Stettbach» bezeichneten, sondern eben «S-Bahn-Station Stettbach» beziehungsweise «Bahnhof Stettbach».Allerdings, wo Zürich aufhört und Dübendorf beginnt, ist hier vor Ort alles andere als klar. Relevant ist es ohnehin nicht. So sticht zum Beispiel der nahe Jabee Tower ins Auge. Er steht auf Dübendorfer Boden, doch fällt er mit seiner ungewöhnlichen runden Form auf und gehört damit eindeutig zur Skyline des ÖV-Hubs Stettbach.

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Ein «Lippenstift» bietet den Überblick.

Quasi nach dem Giraffen-Prinzip – so zumindest die Bildsprache der Immobilienvermarktungs-Website – wird man von «einem der höchsten Wohnraum-Gebäude der Schweiz» den Überblick haben über diesen Teil des Glatttals. 100 Meter hoch ist der Turm mit seinen 32 Stockwerken, 2019 wurde er fertiggestellt. Den Jabee Tower nimmt man zunächst einfach als Zylinder wahr, tatsächlich hat er aber einen elliptischen Grundriss. Und aufgrund seiner abgeschrägten Oberseite wäre es nicht verwunderlich, wenn der Volksmund dem Gebäude den Namen «Lippenstift» geben würde.

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Stettbach, das namengebende, historisch gewachsene Dörfchen, findet man etwas oberhalb der Endstation, ein Feldweg führt hin. Daneben plätschert tatsächlich ein Bach. Stettbach, so wissen Namenshistoriker, bedeutet «Bach bei den Wohnstätten». Bis heute heisst der Bach genau genommen allerdings Sagentobelbach. Eine Sägerei im Raum Tobelhof, weiter oben beim Dübendorfer Ortsteil Gockhausen, gab ihm einst den Namen. In der Nähe der Tramendstation haben ÖV-Bauarbeiten bereits zweimal eine Änderung des Bachlaufs nötig gemacht.Damit wird klar: In Stettbach sagt der Mensch dem Wasser, wo es langgeht, also fliesst. Das Finden einer baulichen Identität scheint dabei im Verkehrsknotenpunkt Stettbach weiterhin im Fluss.

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Adresse

Endstation Stettbach
8051 Zürich

Infos

Die Tramlinie 7 verkehrt zwischen Bahnhof Stettbach und Wollishoferplatz. Für diese Strecke werden rund vierzig Minuten benötigt. Zum Fahrplan geht’s hier.