Hazels Boudoir

Ursula Meili verschönert Frauen mit Kleidern und Accessoires aus den 20er- bis 60er-Jahren.

Ursula Meili hat sich mit «Hazels Boudoir» einen lang gehegten Traum erfüllt: An der Josefstrasse 26 verkauft sie neu geschneiderte Retro-Kleider. Aus eigener Erfahrung weiss die Zürcherin, dass man die meisten der Kleidungsstücke auch im Alltag tragen kann.

Wer Hazels Boudoir betritt, landet in einer komplett anderen Welt. Man wandelt zwischen Bleistift-Kleidern aus den 50er-Jahren und betrachtet paillettenbestickte, ärmellose Partykleider mit den typischen Fransen aus der Zeit der Roaring Twenties. The Great Gatsby lässt grüssen! Die Krönung sind aber die Accessoires, etwa farbige Haarschleifen, künstliche Hibiskusblüten oder die «Fascinators»: handtellergrosse runde Hütchen, dekoriert mit Pompons oder künstlichen Blumen, die Frau keck schräg auf ihren Scheitel setzt.

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Ursula Meili hat in ihrem Ladenlokal gleich hinter dem Zürcher Bahnhof ihr eigenes kleines Universum geschaffen. Schwere altrosa Samtvorhänge zieren die Rückwand und die grosszügige, mondäne Umkleidekabine und das gesamte Interieur ist in Schwarz- und Goldtönen gehalten.

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Es ist Hazels erklärtes Ziel, die Frauen von heute zu verschönern und vor allem, ihre femininen Formen wieder ins beste Licht zu rücken. «Unsere weiblichen Figuren, vor allem auch mit zunehmendem Alter – passen einfach besser in die Kleider der damaligen Zeit», ist Hazel überzeugt, die selbst gerade ein mit Blumen verziertes, eng anliegendes, tailliertes Kleid aus den 40er-Jahren trägt. Ihre dunklen Haare sind kinnlang und in freche 30er-Jahre-Wellen gelegt. Wir setzen uns auf das geschwungene schwarze Samtsofa in der Mitte des Ladenlokals und Hazel bietet mir einen Tee an.

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«Ich habe irgendwann im Vorbeigehen der Jahrzehnte – und auch mit der Zunahme meines Gewichts – entdeckt», erzählt die Ladenbesitzerin mit einem Augenzwinkern, «dass ich immer frustrierter wurde bei der Kleidersuche – und in der aktuellen Mode immer weniger Kleider fand, die mich und meine Figur ins beste Licht rücken. So ging ich dazu über, nur noch Kleider aus der damaligen Zeit zu tragen.»

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Hazel, die schon seit ihrer Kindheit ein grosser Fan von Kleidern und Frisuren war, wollte sich aber nicht einfach nur mit Second-Hand-Kleidern eindecken, sondern ging auf die Suche nach Produzenten, die Kleider im Retro-Stil neu herstellten. Fündig wurde sie dabei vor allem im Ausland, besonders in England. Und so begann sie, sich ihre Lieblingsstücke online zu bestellen. Dabei stiess sie aber bald auf Probleme: «Die Grössen der Retro-Kleider sind viel schwerer abzuschätzen als in der herkömmlichen Mode», erzählt sie. «Ich musste Kleider oft wieder retournieren, und so wurden plötzlich die Versandkosten unendlich hoch.» Als Hazel ihr Lieblings-Kleidungsstück, eine 40er-Jahre-Latzhose, mehrmals nach England zurückschicken musste, war sie so entnervt, dass sie den Produzenten kurzerhand am Telefon fragte, ob er nicht jemanden suche, der seine Produkte in der Schweiz vertrete. Er wollte, und das war der Startschuss für Hazels Boudoir, das heute natürlich die originelle Jeans-Latzhose auch im Sortiment hat.

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Ich spüre Hazels Enthusiasmus. Es ist ihr ein echtes Anliegen, Frauen gut zu kleiden, und als eine schlanke Asiatin aus der Umkleidekabine tritt – in einem gold-schwarzen «Great Gatsby»-Kleid –, sind wir beide begeistert. Aber sind die Kleider in Hazels Boudoir nur für Partys gedacht? Hazel verneint entschieden. Sie weiss aus eigener Erfahrung, dass man ihre Kleider gut im Alltag tragen kann. «Ich bekomme immer Komplimente, wenn ich mit einem 40er-Jahre-Kleid unterwegs bin», erzählt sie und ergänzt: «Meine Kollektion, abgesehen von den 20er-Jahre-Party-Kleidern, ist eher in gedeckten Farben – dunkelgrün, dunkelblau – und lässt sich sehr gut im Alltag tragen.» Mein Einwand, dass nicht jede IT-Managerin so ein figurbetontes Kleid tragen könne im Alltag, bestätigt Hazel, meint aber, dies komme sehr auf die Persönlichkeit der Trägerin an.

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Auch Männer finden in Hazels Boudoir Hosen, Hemden und Anzüge, die sie aussehen lassen wie der Great Gatsby höchstpersönlich. Auf der Facebook-Seite von Hazels Boudoir präsentiert Hazels Lebenspartner diese Mode und sieht dabei aus, als sei er direkt den 40er-Jahren entsprungen. Während ich Hazels Erzählung folge, wandert mein Blick immer wieder zu dem Schwarz-Weiss-Film aus den 40er-Jahren, der gerade über den Bildschirm flimmert. «Ja, die Frauen und Männer damals waren schöner und stilvoller, männlicher und weiblicher gekleidet», seufzt Hazel und nippt an ihrem Tee. Sie verherrlicht diese Zeit aber gar nicht, wie sie mir erklärt: «Ich würde nie in der Zeit von damals leben wollen! Denn die Frauenrechte waren nirgendwo, und mit unserer Emanzipation von heute hatte die damalige Zeit überhaupt nichts zu tun!»

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So landen wir wieder im Hier und Jetzt und Hazel erzählt mir, was sie für die Zukunft plant: Ihr Boudoir soll nicht nur eine schöne Boutique mit wunderbaren weiblichen, neu geschneiderten Retro-Kleidern und Hüten sein, sondern vielmehr auch ein Begegnungsort, wo Events stattfinden und Frauen auch mal ganz unter sich und in Ruhe Kleider anprobieren können. Konkret plant Hazel öffentliche Anlässe für Frauen, etwa «Pillow talks»: Ladies-only-Themenabende mit Drinks, Snacks und Movies, zum Beispiel beim Eintreffen neuer Kollektionen. Geplant sind aber auch Vintage-Styling-Kurse, und zudem soll Hazels Boudoir auch für gemütliche private Feiern im stilvollen Rahmen verfügbar sein.

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Adresse

Hazels Boudoir
Josefstrasse 26
8004 Zürich
+41 44 304 67 79
Website

Öffnungszeiten

Mittwoch bis Freitag, 14–19 Uhr
Samstag, 11–17 Uhr