Bar 63

Pascal Kählin, Jonas Schwarz und Michel Mono führen die Bar 63. Das Lokal an «der schönsten Ecke Zürichs» haben sie zu einem Mekka für Rum-Liebhaber gemacht.

Die Bar 63 gehört zu den Institutionen im Kreis 4. «Der Mix stimmt hier», sagt Pascal Kählin über die Ecke, an der die Bar liegt. Bei ihrer Kundschaft besonders beliebt ist ein kühler Punch, der in einem kopfförmigen Kelch serviert wird. Mehrere Hundert Liter davon gehen jährlich über den Tresen.

Die schönste Zeit in der Bar 63 ist der frühe Abend. Wenn der Barkeeper noch die Limetten schneidet für die Drinks oder Snacks in Schüsseln abfüllt, dann bleibt meist noch etwas Zeit zum Plaudern. Die Musik ist zu dieser Zeit noch gedämpft, das Sonnenlicht scheint auf die kleinen Tische an der Wand. Es riecht nach Putzmittel.

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Seit 2009 wirten Pascal, Jonas und Mono hier an der Ecke Roland-/Zinistrasse. Und wie alle Barbesitzer wissen sie etwas über das Quartier und die Figuren, die bei ihnen einkehren. Gesprächsstoff ist also vorhanden. Sie wissen auch, wie sich der Kreis 4 verändert hat in den letzten Jahren oder an welchen Ecken er noch so ist wie damals, als sie ins Quartier zogen, das damals noch von Arbeitern und vom Milieu geprägt war.

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Die Bar im Kreis 4 gibt es seit bald 55 Jahren. 

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Mitinhaber und Rum-Kenner Pascal Kählin

«Viel hat sich verändert in der Zeit, doch die Kreuzung vor unserer Bar ist noch gleich wie damals», sagt Pascal Kählin. Derselben Kreuzung widmete «Das Magazin» vor ein paar Jahren eine umfassende Geschichte, darin nannte der Journalist die Kreuzung «schönste Ecke der Stadt». Der Grund dafür: weil hier an vier Ecken vier einander zugewandte Kneipen liegen. Vier Welten in unmittelbarer Nachbarschaft.

Das Biondi wird von türkischen Besitzern geführt; im Midway wirten Bangladescher; die Fussballbar Kaiser Franz und die Bar 63 führen jeweils junge Zürcher Gastronomen. In den Sommermonaten sitzen sich hier jedenfalls unterschiedlichste Menschengruppen gegenüber. Es ist eine verdichtete Stadt direkt vor der Haustüre. «Der Mix stimmt», sagt Kählin.

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Wer aber die Bar 63 betritt, betritt auch eine Art Höhle. Alt trifft auf Neu, Steinwände, gelbe Polster und ein Tresen, der den ganzen Raum der Länge nach durchschneidet, prägen die Atmosphäre. «Vieles ist hier noch so, wie es war, als wir die Bar übernommen haben», sagt Kählin. Es war eine Wirtin namens Sylvia – ihr Name thront noch in geschwungener Schrift über dem Eingang –, die das Lokal 1963 übernommen hatte. Es war das Jahr der Seegfrörni, der Kreis 4 war damals noch Arbeiterquartier und die Bar 63 verlebt und verraucht.

1963

Im Jahr der Seegfrörni eröffnete die Bar 63.

Als 2009 die Jungen einzogen, veränderte sich das Publikum. Vom Banker zum Sozialarbeiter, vom Chef des Schweizer Fernsehens zum lokalen DJ, von der Reporterin zum Hipster, sind hier heute alle anzutreffen. Zum Beispiel spätnachts mit einem Punch 63 in der Hand, dem Signature Drink der Bar 63. Serviert wird dieses auf Rum basierte Getränk in einer Art Tiki-Kelch mit Osterinsel-Gesicht. Geschlürft wird aus einem Strohhalm. Der Punch 63 schmeckt süss-sauer und geht so leicht runter wie Orangina.

Mit dem gleichnamigen Rum-Punch, der gerne auf Weihnachtsmärkten angeboten wird, hat der Punch 63 wenig zu tun.

Mehrere Hundert Liter kredenzt die Crew davon jährlich, als Basis hat sie einen eigenen, 63 Prozent starken Rum kreiert. Wer nun aber denkt, die Zürcher seien verrückt, durchs ganze Jahr hindurch dieses Heissgetränk zu trinken, liegt falsch. Mit dem gleichnamigen Rum-Punch, der gerne auf Weihnachtsmärkten angeboten wird, hat dieser Drink wenig zu tun. Punches sind in ihrer Ursprungsform Kaltgetränke, Verbreitung finden sie in den heissen Ländern Südamerikas und der Karibik. «Die Fruchtsäfte, die verwendeten Rums und verschiedene Zuckersirups machen das Geheimnis», sagt Kählin.

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Kennengelernt hat er seine Leidenschaft für Rum und die daraus gemachten Drinks auf Reisen in die Karibik. Zusammen mit seinen Partnern entschied er, die Bar 63 zur Rum-Bar zu machen. Mehr als 70 Sorten stehen heute im Sortiment. Die Bar 63 führt damit eines der umfassendsten Rum-Angebote in der ganzen Stadt – noch vor den alteingesessenen Bars Widder und Kronenhalle. Die Bar-63-Crew nimmt an Rum-Degustationen teil und pröbelt immer wieder an neuen Varianten ihrer bestehenden Drinks.

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Ein mehr als 150 Seiten umfassendes, von Kählin geschriebenes Buch fasst dieses Wissen zusammen. Und im vor drei Jahren ebenfalls von Mono, Pascal, Jonas und Baba gegründeten Laden J.B. Labat an der Brauerstrasse gibt es neben rund 1200 Spirituosen auch Rums aus dem hauseigenen Fass. Hinter der unscheinbaren Fassade der Bar 63 steckt also das geballte Zürcher Kompetenzzentrum für Rum.

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Wer etwas zu diesem Thema erfahren möchte, spricht am besten einen der Barkeeper an. Denn die sind gut ausgebildet, kennen das Sortiment und die verschiedenen Arten, wie sie die Spirituosen zu mixen haben. Doch jetzt, am frühen Abend, schenkt Pascal vorerst noch Kaffee oder Bier aus. Langsam bevölkert sich die Bar, die Zeit zum Plaudern wird knapper. Aber auch: Hektische Abende sind gute Abende in der Bar 63, es ist mindestens die zweitbeste Zeit hier an dieser malerischen Ecke Zürichs.

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Adresse

Bar 63
Rolandstrasse 19
8004 Zürich
info@bar63.ch

Öffnungszeiten

Montag bis Donnerstag, 16–1 Uhr
Freitag, 16–2 Uhr
Samstag, 14–2 Uhr