Bäckerei Vohdin

Elvira und Urs Vohdin führen die wohl älteste und kleinste Bäckerei in Zürich.

Wenn ein Laden in der Zürcher Altstadt als Institution bezeichnet werden darf, dann die Bäckerei Vohdin: Seit 1626 (!) wird an der Oberdorfstrasse 12 gebacken. Elvira und Urs Vohdin verkaufen die vielleicht zartesten Amaretti der Schweiz – auf nur 4,3 Quadratmetern Ladenfläche.

Die ersten Jahre, die ich in der Altstadt wohnte, bin ich immer bei Vohdin vorbeigelaufen. Von aussen ist die Bäckerei nur ein kleines Fenster! Doch drinnen türmen sich die leckersten Backwaren bis zur Decke. Elvira Vohdin steht in ihrem kleinen Reich. Jeden Morgen um 5.40 Uhr füllt sie die Regale mit dem frischen Brot auf, drapiert die Brezel, schneidet die Wähen. Um 7.30 Uhr öffnet sie den Laden. Die 52-Jährige trägt eine elegante Tracht mit Spitzen, begrüsst die meisten Kunden mit Namen, wickelt die Apfelkrapfen in hauchdünnes Papier, reicht das Rückgeld durchs kleine Fenster.

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Hinten in der Backstube arbeitet ihr Mann Urs Vohdin. Er ist 55 Jahre alt, hat die weissen langen Haare zu einem Rossschwanz gebunden, trägt eine karierte Bäckerhose und Birkenstock. Aus dem iPod dröselt Country-Musik. Er ist gerade dabei, im Steinofen von 1945 seine berühmten Brezel – nach einem Rezept seiner Vorfahren – zu backen. Über diese hatte der japanische Sender Nippon TV vor ein paar Jahren berichtet. «Danach hatten wir ganz viele japanische Kunden, die unsere Brezeli probieren wollten», lacht Urs Vohdin.

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Das Paar bittet fürs Interview in seine Wohnung im ersten Stock. Das Haus ist in Familienbesitz, die Mutter von Urs Vohdin wohnt über ihnen. Im Treppenhaus hängen Gugelhupf-Formen in verschiedenen Grössen. «Die stammen noch von meinem Schwiegervater», sagt Elvira Vohdin und führt in die Küche. Auf einem Teller liegen frische Apfelkrapfen: hauchdünner Blätterteig, geraffelte Äpfel, Sultaninen und ein Hauch Zimt – ein Gedicht. Der Urgrossvater von Urs Vohdin – ein gebürtiger Deutscher – wollte eigentlich nach Amerika auswandern. Doch man sagte ihm, dass es auch in der Schweiz Arbeit für tüchtige Bäcker gebe. Er kam nach Zürich, verliebte sich in eine Einheimische und kaufte 1895 die Bäckerei an der Oberdorfstrasse 12. 1926 übernahm der Grossvater von Urs Vohdin den Betrieb, 37 Jahre später war die Reihe an seinen Eltern.

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Er habe, erzählt Urs Vohdin, schon als Dreijähriger verkündet, er wolle dereinst Bäcker werden. Backen, das war immer Teil seines Lebens. Er half als Kind seinem Vater in der Backstube, belegte Wähen, trug das Brot in den Laden, formte Grittibänzen und stach Weihnachtsguetzli aus. 1990 haben er und Elvira Vohdin das Geschäft vom Vater übernommen. Seit damals steht Urs Vohdin jeden Tag um halb vier in der Backstube, am Freitag sogar um halb drei, weil er noch Zöpfe backen muss. Um 9.30 Uhr isst er Frühstück, danach gehts nochmals in die Backstube. Ein 15-Stunden-Tag, das ist normal für Urs Vohdin. Wie erholen sich die beiden? «Wir reisen sehr gerne», sagen sie. Zuletzt waren sie in Fuerteventura, davor in Australien.

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Der grösste Antrieb aber sind die Komplimente der Kunden. «Wenn wir abends ausverkauft sind», sagt Elvira Vohdin, «macht uns das sehr zufrieden. Und es heisst, dass wir gut kalkuliert haben und wir nichts wegwerfen müssen.» Urs Vohdin ergänzt: «Das ist, wie wenn die Kinder beim Zmittag alles rübistübis aufgegessen haben.» Er lacht und beisst in ein Amaretto, das er heute Morgen gebacken hat. Jetzt wollen wirs aber wissen: Was ist das Geheimnis dieser Amaretti? Warum reisen einige Stammkunden extra aus der ganzen Schweiz an, um sie zu kaufen? Urs Vohdin schmunzelt nur, und seine Frau sagt: «Sie sind mit ganz viel Liebe gebacken.»

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Adresse

De’ Oberdorfbeck Vohdin
Oberdorfstrasse 12
8001 Zürich

Öffnungszeiten

Dienstag bis Freitag, 7.30–18 Uhr