14.01.2019 – Storys & Specials | Endstation

Rehalp – ein bisschen wie Davos

Rehalp ist einer jener Orte, die jedem Zürcher bekannt vorkommen, zu denen sich die wenigsten aber je hinverloren haben. Entgegen vereinzelten Meinungen liegt Rehalp nicht in Uri am Fusse des Furkapasses – das ist Realp –, sondern 120 Meter über dem Zürichsee. Unser Autor Patric Dal Farra alias Rapper «Tinguely dä Chnächt» hat sich auf der Rehalp, der Endstation des 11er-Trams, umgeschaut.

Bereits zum dritten Mal sind die Stünzis auf die Rehalp gezogen, und zum dritten Mal an die Rehalpstrasse. Gut lässt es sich leben zwischen Wieseln und Rehen. Dort, wo Imker Hansueli Stünzi seinen Honig unbewacht zur Selbstbedienung vor die Haustüre stellt.

Um mir ein Bild von Rehalp zu machen, beginne ich meinen Spaziergang beim Laden für Bilderrahmen. Dieser ist im Häuschen der Endstation eingemietet. Über die Forchstrasse entlang der Grenze zu Zollikon erreicht man die Rehalpstrasse. Diese ist nur ein paar Hundert Meter lang. Zusammen mit der Enzenbühlstrasse, einem Abschnitt der Forchstrasse und zwei Friedhöfen ist das Rehalp.

Dann liegt in Rehalp 20 Zentimeter Schnee und ist es gleich zwei Grad kälter als «dunnä i dä Schtadt».

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Ehemalige Arbeiterhäuschen säumen die Strassen. Heute ist dort die gehobene Klasse angekommen, «es ist wie der Züriberg, nur weniger nobel», meint Hansueli.

Rehalp ist ein Naherholungsgebiet im Quartier Hirslanden, 120 Meter über dem Zürichsee. «Im Winter ist es hier wie in Davos», sagt Hansueli und lacht. Dann liegt dort 20 Zentimeter Schnee und ist es gleich einmal zwei Grad kälter als «dunnä i dä Schtadt», wie es der ehemalige Ingenieur formuliert. Rehalp war aber nicht immer eine lauschige Oase. Bis vor zehn Jahren wurde auf dem ansässigen Schiessstand geschossen. Das hielt potenzielle Bauherren davon ab, zu investieren. Den Schiessstand gibt es mittlerweile nicht mehr.

Auch das «Haus zur Rehalp», das einst an der Forchstrasse stand, gibt es nicht mehr. Den Überlieferungen nach war es ein Wohn- und Wirtshaus mit eigenem kleinen Tierpark mit ein paar Rehen. Nach dem «Haus zur Rehalp», wo heute das «Schützenhaus Rehalp» steht, wurde die Strasse benannt.

Rehalp ist aber auch die Chabd Esra, ein jüdisches Zentrum, und Basler Hofmann. Das Ingenieurbüro beschäftigt über 1000 Mitarbeiter. Im Portfolio hat Basler Hofmann den Gotthard-Basistunnel oder den Flughafen Zürich. Stolz sei man nicht, dass diese renommierte Firma hier ansässig sei, aber zufrieden. Immer im Januar organisiert das Büro eine «Schtubätä», wo den Anwohnern in der Kantine Essen serviert und Projekte vorgestellt werden. Es ist ein Anlass, bei dem das ganze Quartier zusammenkommt.

Man fühlt sich sicher in Rehalp. Dank des jüdischen Zentrums sind immer Securitas in der Gegend.

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Man fühlt sich sicher in Rehalp. Dank des jüdischen Zentrums sind immer Securitas in der Gegend. Und auch wenn sich mal ein Randständiger hierhin verliere, um auf dem hiesigen Friedhof zu wohnen, sei dies kein Problem, solange niemand belästigt werde, so Christine Greutert-Stünzi.

Rehalp liegt an der Endstation des 11ers. Es ist die meistgenutzte Linie Zürichs – und Teststrecke der Verkehrsbetriebe: Gibt es neue Fahrzeuge zu testen – etwa das Siemens-, Bombardier-, Flexi- oder Cobratram – dann geschieht dies auf dieser Strecke. Wohl auch, weil die Strasse gegen Rehalp stark ansteigt. Im Winter kommt es vor, dass der Chauffeur an der Station Enzebühlstrasse nicht hält, da er sonst nicht mehr anfahren könnte.

Vom Hauptbahnhof nach Rehalp

In Rehalp steht Reihenhaus an Reihenhaus, meist sind es Zweifamilienhäuser. Trotz der gehobenen Preisklasse ist es kein Villenviertel – das einzige noble Haus in der Gegend ist die Villa Feldpausch. Mit den sogenannten Kleinhaussiedlungen wollte die Stadt nach 1900 dem Bevölkerungswachstum gerecht werden und Wohnraum für die Arbeiter- und Mittelschicht schaffen.

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Die Reiheneinfamilienhäuser sind schmal mit kleinem Grundriss, die Treppen steil – da heisst es «immer rauf und runter», sagt Hansueli. «Noch heute sind diese Siedlungen mit ihrem Grünraum wichtige Identifikationspunkte und wahre Oasen in der Stadt, denen es Sorge zu tragen gilt», betonte Stadtrat André Odermatt einst die Bedeutung dieser Siedlungen.

Die Jungwacht sägte die Wegweiser des «Pfadiwegs» kurzerhand ab. 

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Viele der Bewohner von Rehalp sind Ärzte oder Professoren. In der Rehalpstrasse gibt es zudem gleich zwei Bed’n’Breakfasts. Denen laufe es sehr gut: Besucher der benachbarten Kliniken und Spitäler Balgrist, Schulthess und Hirslanden wollen in der Nähe ihrer Liebsten sein. Die Anwohner schätzen ihre Oase mit den beiden Friedhöfen, wo auch Persönlichkeiten wie Herman Greulich, Gründer der ersten sozialdemokratischen Partei der Schweiz, oder Peter Heinzer, Erfinder von Globi, begraben sind.

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Schön ist es in Rehalp – genauer auf der Rehalp. Wer sich von der hektischen Stadt erholen will, fährt nicht nach Realp zum Furkapass, sondern steigt in den 11er. Den Spaziergang durchs Wehrenbachtobel ins Seefeld kann Hansueli nur empfehlen. Zumal man nicht ein einziges Mal eine Strasse überqueren müsse.

Der Weg sei übrigens «Pfadiweg» getauft worden, weiss er noch zu berichten. Das hat der Jungwacht gar nicht gefallen. In einer Nacht- und Nebelaktion seien kurzerhand alle Wegweiser abgesägt worden.

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Adresse

Rehalp
8702 Zürich

Infos

Die Reisezeit des 11er-Trams Auzelg bis nach Rehalp dauert ungefähr 46 Minuten. Zum Fahrplan geht's hier.