09.07.2020 – Endstation | Stadt & Geschichte

Endstation Zoo – bekannte Tote und wilde Tiere

Text & Fotos: Ueli Abt

Tram Nummer 6 fährt zur Endstation «Zoo». Freizeitaktivitäten prägen die Allmend Fluntern schon länger. Publikumsmagnet war lange Zeit auch eine Modelleisenbahn – heute sind es Giraffen.

Wer an der Endstation Zoo aus dem 6er-Tram steigt, sieht bereits die erste Sportanlage. Leichtathleten können auf der roten Bahn des Akademischen Sportverbands ASVZ ihre Runden drehen. Beachvolleyball-Felder, Tennisplätze, Finnenbahn und Vitaparcours: Alles ist da auf der Allmend.

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Schon im 19. Jahrhundert verbrachten die Städter hier gern ihre Freizeit. Die Allmend Fluntern war damals zwar weniger Gelände für Sportaktivitäten als ein noch sehr grünes und stadtnahes Ausflugsziel. Zunächst waren es zahlreiche Gastwirtschaften und Restaurants, die den Ausflüglern hier etwas boten, unter anderem Wein aus hiesigen Trauben.

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Auf der Allmend suchten die Städter*innen schon lange Erholung.

Mitte der 50er-Jahre schuf das damals rund hundertjährige Restaurant «Morgensonne» an der Zürichbergstrasse eine zusätzliche Attraktion für Ausflügler: die Modelleisenbahnanlage «Alpenparadies», die über Jahrzehnte ein grosses Publikum fand. 1993 musste die «Morgensonne» mitsamt «Alpenparadies» einem Neubau weichen, dem heute bestehenden Mehrfamilienhaus. Ein privater Fan der Anlage rettete sie Anfang der 90er-Jahre vor der Zerstörung und macht sie heute in Schlieren Gruppen zugänglich.

Dass der Sport heute gefühlt ein Viertel der Allmend prägt, liegt auch an der Fifa. 2006 bezog der Weltfussballverband ein neues Quartier, nur wenig von der Tramhaltestelle entfernt. Wie sich dieser Eingangsbereich inszeniert, hat seinen eigenen Reiz. «Welcome», heisst es auf einer Stele. «Stopp», sagen Autobarriere und Allee-Absperrung. Exakt zugeschnittene Hecken, hochwertiges Mauerwerk und spiegelblankes Metall – an der Seite ein Eingang für Fussgänger mit Drehkreuz wie bei einem Stadion. «Hallo, hier sind wir!», scheinen Fahnen und Schilder am FIFA-Eingang zu sagen. Das eigentliche Gebäude duckt sich hinter Hecken im Hintergrund.

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Ebenfalls nahe bei der Tramhaltestelle befindet sich der Friedhof Fluntern. Womit die Toten ein geschätztes Viertel der Allmend für sich beanspruchen. Berühmte Begrabene des 1887 entstandenen Friedhofs sind: der Schweizer Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Elias Canetti, der Arzt und Ernährungsreformer Max Bircher-Benner – Erfinder des berühmten Müeslis – und schliesslich der irische Produzent von Weltliteratur, James Joyce. Er hatte sich zeitweise auch in Triest und Paris niedergelassen, doch sein Leben fand ein Ende, als er gerade in Zürich war.

Der Zoo Zürich auf Instagram

1924 verlängerte die Städtische Strassenbahn Zürich (StStZ) die Linie ab der Kirche Fluntern hinauf bis zur Allmend. Passanten, die seither von der Tramendstation her in Richtung Zoo am Friedhof vorbeiziehen, werden vielleicht das steinerne Fluntern-Wappen am Friedhofseingang bemerken. Die gekreuzten Lilienstäbe waren ursprünglich das Familienwappen von Rudolf von Fluntern. Das Kloster, welches er im 12. Jahrhundert stiftete, verschwand bis 1847 restlos. Es gab aber einem bis heute bestehenden Restaurant, dem «Alten Klösterli», den Namen, was schliesslich zum dritten Thema der Allmend, dem Wohnen, führt.

Auch die Fifa ist hier zu Hause.

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Ein Wirt des Gastlokals regte in den 30er-Jahren den Bau einer Wohnsiedlung an. Er war eben auch Landwirt und besass Land. Die 1937 fertig gebaute Siedlung sollte Wohneigentum für den Mittelstand schaffen. Die Lösung von Architekt Erhard Gull: eine Gruppe von 27 versetzten Einfamilienhauspaaren mit markanten Pultdächern – eine Art Gartenstadt.

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Auf seinem Flug über die Allmend im Jahr 1930 sah der Schweizer Flugpionier und Fotograf Walter Mittelholzer noch nichts von der heute denkmalgeschützten Wohnsiedlung «Im Klösterli». Als seine Aufnahme entstand, gab es dort nur Bäume und Wiese. Wohl sieht man aber den Zoo. Eigenartig kahl wirkt er auf dem Bild und wenig attraktiv. Doch der Tiergarten war ab der Eröffnung im Jahr 1929 ein Publikumsmagnet. «Chimpansen», «Elephanten» und Rentiere konnten Besucher unter anderem sehen.

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Vergleichsweise modern soll der Zoo damals schon gewesen sein. Und wurde seither immer noch moderner. Eisbären sehen Besucher heute keine mehr. Die Fläche des Zoos hat sich bis heute gewaltig vergrössert. Kein Zweifel, der Zoo dominiert heute die Allmend Fluntern, flächenmässig und thematisch. Dass die Tramhaltestelle seinen Namen trägt, ergibt Sinn.

Adresse

Endstation Zoo
8044 Zürich

Infos

Das 6er-Tram verkehrt zwischen Werdhölzli und Zoo. Für diese Strecke benötigt das Tram ungefähr 34 Minuten. Zum Fahrplan geht’s hier.