Café des Amis

Der Wipkinger Quartierliebling zieht auch immer mehr Touristen an. Deshalb hat Mitgründer Miguel Castro jetzt die Karte auf Englisch übersetzen lassen.

Text: Eva Hediger Fotos: Jasmin Frei

Das Café des Amis ist über die Stadtgrenze für seinen üppigen Brunch bekannt. Fast alle Zutaten dazu stammen aus der Region. Auf Produkte von Grosskonzernen verzichten Miguel Castro und sein Team ebenfalls konsequent. So gilt auch beim Zmittag oder Znacht: Das Essen soll frisch und lokal sein.

Die Tische auf dem Kiesplatz leeren sich langsam. Für viele ist die Mittagspause bald vorbei. Ruhe kehrt ein. Einige Stammgäste blättern entspannt in den Zeitungen. Eltern giessen ihren Kindern Sirup ein, Senioren trinken Kaffee. Stammgäste kommen untereinander ins Gespräch. Gemütlichkeit macht sich breit. «Diese Zeit mag ich fast am liebsten», sagt Miguel Castro.

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2011 gründete Miguel mit mehreren Freunden das Lokal «Café des Amis». Die Clique war vorher grösstenteils im Nachtleben aktiv. Gastro-Erfahrung hatte damals niemand. «Wir waren ziemlich naiv. Aber das war vielleicht auch gut so», so Miguel, der heute noch in den Clubs Kauz und Zukunft mitarbeitet. Das Café des Amis führt er mittlerweile alleine mit Mélanie Lang: «Uns zwei war das Café von Anfang an wahnsinnig wichtig», erklärt der Gastronom.

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Als Inspiration dienten die Bistros in Paris.

Auch weil er sich mit dem Quartier sehr verbunden fühlt: Miguel ist in der Nähe des Café des Amis aufgewachsen. «Früher war der Kreis 10 ziemlich unbeliebt», so Miguel. Er erzählt unter anderem von der offenen Drogenszene am unteren Letten. «Es war Niemandsland – besonders die Ecke an der Kronenwiese.»

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Mittlerweile zählt Wipkingen zu den gefragtesten Wohnquartieren. So lebte auch Miguel als Erwachsener noch einige Jahre dort. Eines Tages entdeckte er, dass das Lokal des heutigen Café des Amis leer stand. Miguel machte den Besitzer ausfindig. Ein Jahr später konnten er und seine Freunde die Räume übernehmen. Das Konzept – und den Namen – erarbeiteten sie in gemeinsamen Ferien. «Wir wollten bereits damals einen Ganztagesbetrieb», so Miguel. Als Inspiration dienten die Bistros in Paris. «Es gibt so feine, einfache französische Speisen wie beispielsweise Quiche», so Miguel.

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Heute orientiert sich die Karte nicht mehr so stark an Frankreich. Auch Fleisch wird weniger serviert. Im Sommer 2019 experimentierte das Café des Amis gar mit einer rein vegetarischen Küche. «Wir haben bemerkt, dass die Gäste immer weniger Fleisch bestellen.» Deshalb erarbeitete die langjährige Küchenchefin Sabina Fuchs neue Menüs: Das beliebte Tatar wurde aus Auberginen hergestellt.

«Wir wollen, dass auch spontane Besucher bei uns essen können.»

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«Wir suchen gerne neue Herausforderungen», sagt Miguel. So verzichtet das Café des Amis strikt auf Palmöl und auf Produkte von internationalen Grosskonzernen. «Den Schokoladenaufstrich stellen wir darum selbst her.» Ausserdem bezieht das Café des Amis fast alle seine Zutaten aus der Region. «Wir bietet zum Beispiel statt Parmesan einen Schweizer Bergkäse mit ähnlichem Geschmack an», so Miguel. Die meisten Zutaten sind in Bio-Qualität. «Wir schreiben das aber gar nicht auf die Karte», sagt er, «es ist für uns einfach selbstverständlich.» Ebenfalls verzichtet das Café des Amis auf Süssgetränke von grossen Hersteller: «Wir haben dafür ganz feine Schweizer Limonaden entdeckt.»

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Im Café des Amis gibt es Frühstück, Lunch und Abendessen. «Das Zmorge ist am beliebtesten», sagt Miguel. Für seine Brunchs ist das Café des Amis weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. «Am Wochenende besuchen uns viele Touristen», so Miguel. Denn das Frühstück wird in einigen Reiseführern empfohlen – darunter auch in dem von Lonelyplanet. Deshalb hat das Café des Amis die Speisekarte mittlerweile auf Englisch übersetzen lassen.

Dass das Lokal ein Erfolg wird, wusste Miguel von Anfang an.

Doch auch zu den übrigen Tageszeiten ist das Café des Amis meist gut besucht. Für den Brunch und das Mittagessen können jeweils einige Tische reserviert werden, am Abend jedoch nicht. «Wir wollen, dass auch spontane Besucher und unsere Nachbarn bei uns essen können», so Miguel.

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Er und sein Team haben mit dem Café des Amis eine Lücke in Wipkingen besetzt. Die ersten Monate haben sie praktisch durchgearbeitet. «Die Leute standen manchmal quer durch das Lokal an.» Dass das Lokal ein Erfolg wird, wusste Miguel von Anfang an. «Sonst hätten wir es nicht eröffnet», sagt er und lacht.

Adresse

Café des Amis
Nordstrasse 88
8037 Zürich
+41 43 536 93 81
Website

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag, 8 bis 24 Uhr
Samstag, 9 bis 24 Uhr
Sonntag, 9 bis 18 Uhr

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