10.03.2018

Diese Zürcher Läden haben dem Abfall den Kampf angesagt

Text: Luisa Bider

ZeroWaste liegt im Trend: Auch im Kanton Zürich haben immer mehr Unternehmen Produkte ohne Verpackung im Sortiment. Wir haben vier solche Läden besucht. Und wir sagen dir, was hinter der ZeroWaste-Bewegung steckt.

Mit jährlich 724 Kilogramm Müll pro Kopf gehört die Schweiz zu den weltweit grössten Abfallsündern, hinter Dänemark und den USA. Doch es tut sich was: In Dübendorf ist ein Wohnbau aus zu hundert Prozent rezyklierbaren Materialen entstanden. Und dank reCIRCLE, einem Berner Start-up, gibt es an verschiedenen Standorten die Möglichkeit, das Takeaway-Essen in einer Mehrwegschale mitzunehmen. Die Schale kann man ungewaschen an einer beliebigen reCIRCLE-Stelle zurückgeben.

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Einmachglas voll Abfall verursacht Bea Johnson pro Jahr. 

Auch in Zürich findet ein Umdenken statt: 2017 haben mit dem Foifi und dem Chez Mamie gleich zwei ZeroWaste-Läden eröffnet. Und auch der Verein ZeroWaste Switzerland erlebt im Raum Zürich einen konstanten Mitgliederzuwachs. Beim ZeroWaste-Lifestyle geht es darum, so wenig Abfall wie möglich zu produzieren. Die Bewegung hat ihre Ursprünge in den USA, wo Gründerin Bea Johnson seit 2008 ihren gesamten Jahresabfall in einem einzigen Einmachglas sammeln kann. «Es geht darum, die Leute auf das Thema aufmerksam zu machen», sagt Michelle Sandmeier, Vorstandsmitglied des Vereins ZeroWaste Switzerland. Sie selbst füllt jedes Jahr nur viereinhalb 17-Liter-Säcke mit Abfall.

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Von den rund 400 Vereinsmitgliedern sind nur etwa 50 aus der Region Zürich. Dies liegt auch daran, dass der Verein seinen Ursprung in der Westschweiz hat und dort schon länger aktiv ist. Es sei aber schön zu sehen, wie sich der Lebensstil nun in der Deutschschweiz etabliert. «Als ich vor drei Jahren mit ZeroWaste angefangen hatte, wurde ich von allen komisch angeschaut, wenn ich mit meinem Tupperware in der Metzgerei auftauchte.» Das sei heute nicht mehr so – und es gebe auch in Zürich immer mehr Läden, die unverpackte Produkte im Angebot haben. Wir haben vier ZeroWaste-Shops besucht.

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Fürst Unverpackt

Vor bald drei Jahren haben die Gebrüder Fürst ihren Lebensstil umgekrempelt. «Zuvor waren wir die typischen Konsumenten, die sich nicht viel überlegt haben», erzählt Daniel Fürst, Mitinhaber des Unverpackt-Ladens in Bülach. «Ferien in Las Vegas, Job bei der Bank, Burger hier, Burger da.» Irgendwann habe er angefangen, sein Leben zu hinterfragen, und er habe beschlossen, dass er etwas machen möchte, hinter dem er stehen kann, sagt Andreas Fürst.

«Ferien in Las Vegas, Job bei der Bank, Burger hier, Burger da.»

In ihrem Laden in Bülach bieten die Brüder über 450 Produkte an. Dabei locken sie auch den einen oder anderen Kunden aus der Stadt an: «Zum Beispiel, weil sie Produkte finden, die es in der Stadt nicht gibt.» Dazu gehören verschiedene vegane Käsesorten, Seitan, Tofu sowie Frischwaren wie Mandelmus oder Kokosfett.

Bei Fürst Unverpackt gibt es von Dienstag bis Freitag ausserdem zwei vegane Mittagsmenüs. «Damit wir nichts wegwerfen müssen, muss man sich jedoch bis am Vortag anmelden», sagt der gelernte Koch Andreas Fürst. Nur so viel kaufen, wie man braucht, lohne sich übrigens für jeden, erklärt Daniel Fürst: «Ich habe ausgerechnet, dass man mit dem ZeroWaste-Lifestyle etwa 30 Prozent weniger Geld ausgibt.»

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Chez Mamie

Im vergangenen Jahr eröffnete das Chez Mamie am Schaffhauserplatz. Der Quartierladen gehört zur Chez-Mamie-Kette aus Sion. Hinter dem Laden in Zürich stehen vier ETH-Umweltnaturwissenschaftler. «Wir hatten genug von all den unnötigen Verpackungen und so haben wir beschlossen, selbst aktiv zu werden», sagt Patrick Waeber, Mitgründer des Chez Mamie Zürich. In warmer und gemütlicher Atmosphäre werden hier auf 70 Quadratmetern rund 450 Produkte angeboten.

Auch Kosmetikprodukte oder Zutaten, um Putzmittel selbst herzustellen, kommen gut an.

«Besonders unsere grosse Auswahl an Trockenfrüchten und Nüssen ist sehr beliebt.» Aber auch die Kosmetikprodukte oder die Zutaten, um seine Putzmittel selbst herzustellen, kämen gut an, sagt Patrick Waeber. Mit ihrem Laden wollen sie unter anderem auch das Einkaufsverhalten entschleunigen. «Es ist zwar eine grosse Herausforderung, so einen Laden zu führen, aber es macht auch viel Spass und wir haben viele begeisterte Kunden.» Es sei schlussendlich «ein Projekt, das von uns geführt wird, aber für alle ist.»

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Bachsermärt

Der erste Zürcher Laden, der unverpackte Produkte ins Sortiment aufnahm, war der Bachsermärt. Nach Läden in Albisrieden und im Seefeld eröffnete 2014 die jüngste Filiale im Neubau der Genossenschaft Kalkbreite. «Ich denke, das Spezielle an der Filiale in der Kalkbreite ist, dass sie zur Genossenschaft gehört und dadurch für die Bewohner eine Art zweiter Küchenschrank ist, den sie im Pyjama und in Finken betreten können», sagt Patrick Honauer, Gründer des Bachsermärts.

«Für die Bewohner ist der Laden eine Art zweiter Küchenschrank, den sie im Pyjama und in Finken betreten können.»

Neben dem Unverpackt-Angebot unterstützt der Bachsermärt lokale Bauern und Produzenten, die auf Nachhaltigkeit setzen. Obwohl Patrick Honauer den Bachsermärt selbst nicht als repräsentativ für die ZeroWaste-Bewegung sieht, da sie dort auch verpackte Produkte verkauft, spürt er den Trend deutlich. «Es kommen immer mehr Leute mit eigenen Gefässen zum Einkaufen», sagt er.

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FOIFI

Seit 2015 lebt Tara Welschinger den ZeroWaste-Lifestyle. Als sie damals nach ZeroWaste-Läden suchte und nichts fand, beschloss sie mit drei Kolleginnen und Kollegen, einen eigenen Laden zu eröffnen: Seit vergangenem Jahr gibt es das Ladencafé Foifi am Turbinenplatz. Das Foifi bietet rund 400 unverpackte Produkte an, davon etwa 120 Non-Food-Artikel wie Kosmetik und Reinigungsmittel. Einen grossen Teil der Waren kann der Kunde selbst abfüllen. Bezahlt wird nach Gewicht.

«Wir sind extrem happy, es waren sicher schon 10’000 Leute bei uns im Laden.»

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Das Fazit nach knapp einem Jahr? «Wir sind extrem happy, es waren sicher schon 10’000 Leute bei uns im Laden.» Ihr Ziel hätten sie erreicht: einen unkomplizierten Umgang mit dem Thema. Viele würden ZeroWaste mit Verzicht in Verbindung bringen. «Es geht aber nicht darum, komplett zu verzichten, sondern darum, sich Gedanken um sein Konsumverhalten zu machen», so Welschinger. Ihr mache der Lebensstil zudem Spass. Einmal im Monat finden im Foifi Workshops und Kurse zu verschiedenen Themen statt. Welschinger empfiehlt Interessierten, an einer der Diskussionsrunden über ZeroWaste, die monatlich im Foifi stattfinden, teilzunehmen – «oder einfach mal in einen Unverpackt-Laden hereinzuspazieren und mit den Leuten reden.»

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