19.07.2018

«Man denkt halt immer, dass man der Einzige sei, der auch seltsame Sachen mit seinen Kindern unternimmt»

Text: Eva Hediger

Babywetten, Car-Spotting und eine günstige Alternative zum Zoo: Rainer Brenner verrät in seinem Buch «Viel Spass», wo in Zürich sich weder Kinder noch Betreuungspersonen langweilen. 

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Das Buch trägt den Untertitel «Zürich mit Kindern. Aber lustig». Hat die Stadt bei Eltern einen schlechten Ruf?

Ich glaube nicht. Das Buch ist auch nicht aus einer akuten Not entstanden oder weil Zürich für Familien nichts bietet. Die Stadt macht vieles, aber halt auf eine sehr korrekte Art und Weise. Irgendwann langweilen die Spielplätze. Dann wollen Eltern und Kindern etwas Neues erleben.

Erging es dir als zweifachem Vater auch so?

Ich war zwar oft auf Spielplätzen, aber nicht nur. Da ich sehr gerne skate, habe ich Mauern und Treppchen gesucht, auf denen ich Rollbrett fahren und meine Kinder rumklettern konnten. Wir haben aber auch sonst häufig neue Orte entdeckt.

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Ihr habt nicht nur Freunde, sondern auch Fremde um Tipps gebeten. Wie haben diese reagiert?

Nicht schlecht. Wir waren auf Spielplätzen und auf der Strasse unterwegs und haben die unterschiedlichsten Leute angequatscht. Viele nannten erst das Übliche, wie zum Beispiel bekannte Spielplätze. Bohrten wir aber weiter nach, kamen ihnen immer individuellere Tipps in den Sinn.

«Viele Tipps haben mich zum Schmunzeln gebracht. Zum Beispiel, mit dem Kind durch die Waschanlage zu fahren.»

Habt ihr die Tipps selbst getestet?

Nein, nicht alle. Viele haben mich aber zum Schmunzeln gebracht. Zum Beispiel, mit dem Kind durch die Waschanlage zu fahren – das ist total lustig. Oder statt in den Zoo in den Qualipet zu gehen. Es hat mich überrascht, dass fast jeder so Trickli kennt. Man denkt halt immer, dass man der Einzige sei, der manchmal auch seltsame Sachen mit seinen Kindern unternimmt.

Hast du einen Lieblingstipp?

Amüsant finde ich die Babywetten: Welches Kind weint am längsten nicht oder krabbelt am schnellsten? Auch den Tipp von meinem Sohn mag ich: Er war früher ein grosser Autofan und verrät im Buch den besten Carspotting-Ort der Stadt.

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Wie viele Hinweise habt ihr insgesamt erhalten?

Etwa doppelt so viele, wie im Buch stehen – also ungefähr 160 Tipps. Wir mussten ziemlich aussortieren. Wir wollten im Buch eine grosse Vielfalt haben und die ganze Stadt abdecken, nicht nur einen Kreis oder eine Seeseite.

Weisst du jetzt, welcher Kreis der kinderfreundlichste ist?

Ich glaube, jedes Quartier ist für Familien gut – auch wenn es erst noch so kinder-unfreundlich wirkt. Es gibt überall etwas zu entdecken. Leider machen das die meisten Leute – auch ich und solche ohne Kinder – viel zu selten. Aus Faulheit und Zeitmangel bleibt man in seiner Nachbarschaft, anstatt aus dem Alltagstrott auszubrechen. Dabei bleiben doch genau diese besonderen Erlebnisse am meisten in Erinnerung.

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Zum Buch

Das Buch «Viel Spass» zeigt die inoffiziellen Spielplätze der Stadt Zürich – von der Entsorgungsstelle am Röntgenplatz bis hin zu versteckten Uetliberg-Festungen. Zwei Jahre lang haben Rainer Brenner und Florian Streit von Freunden und Fremden Tipps gesammelt, die Kinder, Eltern, Verwandte und Paten glücklich machen sollen.

Das Buch ist Juni 2018 im Limmat Verlag erschienen und kostet 24 Franken.

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