03.11.2020 – Menschen & Leben

«Tiny-Häuser gehören nicht auf grüne Wiesen»

In Altstetten steht das Tiny House von Alesch Wenger und seiner Partnerin Florentina Gojani. Über zwei Jahre hat das Paar am mobilen Haus getüftelt. Ein Gespräch über das Problem von mangelndem Wohnraum, den Preis von Tiny-Häusern und wieso sie die Zukunft sind.

Alesch, wie kamst du dazu, euch ein Tiny House zu bauen?

Ich bin Architekt mit Fokus auf Kleinwohnformen. Ursprünglich habe ich ganz «klassische» Architektur gemacht. Jedoch haben mich solche kleineren Wohnformen stets interessiert.

Wieso?

Es ist für mich als Architekt einfacher, alleine zu realisieren – von der ersten Idee bis hin zur Schlüsselübergabe. Das Tiny House habe ich mit meiner Partnerin Florentina entwickelt, die selbst Projektmanagerin im IT-Bereich ist. Wir haben in unserem Architekturbüro über zwei Jahre getüftelt und das Haus dann in etwa acht Monaten selbst zusammengebaut.

«So ein Tiny House kostet zwischen 120 000 und 150 000 Franken.»

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Das Architekturbüro gehört euch beiden. Wollen eure Kund*innen nur Tiny-Häuser?

Nein, die Anfragen sind extrem unterschiedlich. Die einen wollen nur einzelne Fragen klären, und andere hätten gerne ein Konzept, um ihr Gebäude autark zu machen. Das heisst, dass sie nicht mehr von fremden Energiequellen abhängig sind. Wieder andere wollen zum Beispiel ein Mini-Haus bauen lassen.

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Was ist der Unterschied zwischen Tiny- und Mini-Häusern?

Ein Tiny House ist in der Regel mobil. Es hat ein eigenes Fahrwerk und kann ohne grosse Probleme von A nach B versetzt werden. Mini-Häuser kommen hingegen ohne Fahrwerk aus. Um sie zu versetzen, müssen sie mit einem Lastwagen transportiert werden. Und dann gibt es noch die Microapartments. Das sind Wohnungen im klassischen Sinn, die jedoch nicht mehr als 40 Quadratmeter Fläche haben. 

Solche Wohnformen liegen gerade voll im Trend. Worin liegen ihre Vorteile?

Dazu muss ich weiter ausholen: In unserer Gesellschaft leben die Menschen immer häufiger allein. Es gibt viel mehr Singles als früher. Familien haben weniger Kinder, die Leute werden auch immer älter. Gleichzeitig gibt es wenige Wohneinheiten, die diese Entwicklung widerspiegeln. Mit Kleinwohnformen wird versucht, diese Lücke ein wenig zu füllen. Hinzu kommt der ökologische Aspekt: Man kann nachweisen, dass der ökologische Fussabdruck mit Kleinwohnformen in etwa halbiert wird. Eine Person verbraucht bis zu 90 Prozent weniger Primärenergie beim Wohnen, und das hat natürlich enormen Einfluss auf unsere Umwelt.

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«Wir haben das Haus in etwa acht Monaten selbst zusammengebaut.»

Und wie viel kosten solche Häuser?

Das kommt ganz darauf an. Ein Tiny House mit 15 oder 20 Quadratmetern kann man relativ billig in Deutschland kaufen. Für 50 000 bis 70 000 Euro gibt es dort günstige Modelle. Solche Häuser bekommen bei uns in der Schweiz jedoch in der Regel keine Baubewilligung. Man kann es zwar irgendwo hinstellen, jedoch entspricht es nicht den Schweizer Gesetzen.

Also sollte man sein Tiny House lieber hier in der Schweiz bauen lassen?

Meiner Meinung nach schon. Das ist zwar um einiges teurer, doch man hat dann ein nachhaltiges Produkt, das man problemlos bewilligen lassen kann. In der Schweiz kostet so ein Tiny House zwischen 120 000 und 150 000 Franken.

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Und was kostet ein Mini House?

Ein Mini House mit 35 bis 40 Quadratmetern kostet etwa 250 000 Franken. Und für eine Kleinwohnform mit 70 bis 80 Quadratmetern wird es dann nochmals teurer. Diese sind ab 350 000 Franken erhältlich.

Können Kleinwohnformen das Problem der Wohnungsknappheit in Städten wie Zürich lösen?

Sie sind sicherlich ein Instrument, um das Problem anzugehen. Aber man muss unbedingt auch nach weiteren Lösungen suchen. Sich zu verkleinern, ist sicher nicht die eine Zauberformel. Es ist da sinnvoll, wo ungenützte Flächen verdichtet werden können.

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«Sich zu verkleinern, ist sicher nicht die eine Zauberformel.»

Wie meinst du das?

Das Problem ist, dass wir nicht viel Wohnbauland haben. Oft sieht man Tiny-Häuser in der Werbung irgendwo mitten im Grünen auf einer Wiese stehen. Das ist meiner Meinung nach nicht Sinn und Zweck der Sache. Nur klein wohnen und dann sehr viel Land beanspruchen, ergibt wenig Sinn. Vielmehr sollte man schauen, wie man mit den Tiny-Häusern Lücken füllen kann. Dort, wo noch Flächenreserven vorhanden sind, etwa in einem Vorgarten oder auf einem Flachdach, sollte man mit Kleinwohnformen planen. Hier kann man relativ einfach und kostengünstig verdichten.