12.03.2019 – Essen & Trinken

Die Kunst, Millefeuille zu essen

Während einige bereits auf die perfekte Sommerfigur hinarbeiten, gönne ich mir eine Cremeschnitte – oder vornehmer ein «Millefeuille» – von der Bäckerei Stocker beim Bahnhof Stadelhofen. Dabei denke ich an selbstgebackene Haferguetzli aus meiner Kindheit.

Die Filiale der familiengeführten Bäckerei liegt praktischerweise auf meinem Arbeitsweg am Bahnhof Stadelhofen. Die karamellfarbene statt wie üblich weisse Zuckerglasur glänzte mir bereits aus der Vitrine entgegen und so konnte ich dem Millefeuille nicht widerstehen.

Doch ich weiss, dass ich nicht die Einzige bin, der so etwas hin und wieder passiert. Denn immer, wenn ich eine Cremeschnitte sehe, muss ich an eine der besten Kolleginnen meiner Mutter denken. Diese isst eigentlich stets gesund und ist ein richtiges Bewegungsnaturell. Reist sie nicht gerade um die Welt, besteigt sie irgendwo in der Schweiz einen Berg oder radelt kilometerweise. So fit und ernährungsbewusst sie auch ist: Die Cremeschnitte musste sein – ausgerechnet ein Blätterteiggebäck mit Cremefüllung und Zuckerguss.

Die Dekoration verlief auf dem Haferschleim-Häufchen und machte es noch unansehnlicher.

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Nach ausgiebigen Wanderungen mit meiner Schwester und mir gönnte sie sich jeweils eine Schnitte. Natürlich wollten wir dann auch jedes Mal eines von diesen cremigen Desserts, dem sogar die ernährungsbewusste Kollegin meiner Mutter verfiel. Das bemerkte auch sie irgendwann und versuchte, uns mit selbst gebackenen Haferplätzchen wieder auf den Pfad der gesunden Ernährung zurückzuholen.

Auch wenn ich die gesunden Guetzli heute gerne esse, beeindruckten uns Geschwister die gräulichen Haferschleim-Häufchen damals nicht. Auch nicht, als die Kollegin diese in der Not mit bunten Streuseln verzierte – die Dekoration verlief auf dem vermeintlichen Keks und machte ihn noch unansehnlicher.

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Am Bahnhof Stadelhofen holte sich unsere Autorin die Mini-Schnitte. 

Es war nicht nur die Cremeschnitte an sich, die bei uns Kindern Eindruck hinterliess. Wie vielen Leute gelingt es denn bitte, elegant Millefeuille zu essen? Von oben in das Gebäck gestochen, liegt das Dessert bald massakriert auf dem Teller und die Vanillecreme im schlimmsten Fall daneben. Nicht umsonst hat ein Schweizer Tüftler einen Cremeschnitten-Schneider entwickelt und kam damit sogar im Fernsehen.

Von oben in das Gebäck gestochen, liegt das Dessert bald massakriert auf dem Teller.

Der Trick der Kollegin: Die Cremeschnitte zuerst gekonnt auf die Seite legen und erst dann davon abstechen. Wie anmutig sie ihr Zvieri genoss! Gabel um Gabel ging durch Schichten aus knusprigem Gebäck und vanilliger Creme, mit gerade mal so viel vom Zuckerguss, dass dessen Süsse nicht dominierte. Zu ihren Ehren habe ich mir heute eine Cremeschnitte von Stocker geholt, denn dort sind sie viel kleiner als gewöhnlich – eine sportliche Portion, könnte man also fast sagen. Geschmacklich steht sie der süssen Kindheitserinnerung aber in nichts nach.

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Adresse

Bäckerei Conditorei Stocker
Stadelhoferstrasse 22
8001 Zürich
+41 44 261 26 63

Info

Eine Cremeschnitte von Stocker kostet 3.30 Franken.