Menschen & Leben

«Manchmal passieren wirklich Wunder»

Interview: Eva Hediger Fotos: Jasmin Frei

Zürcher*innen mit besonderen Berufen: Peter Janki ist Schamane. Mag eine Person nicht über ihre Probleme sprechen, lässt er sich von geistigen Helfer*innen leiten. Dass das für viele abgefahren klingt, ist dem Zürcher bewusst.

Du bist Schamane – und weist auf deiner Homepage klar darauf hin, dass du weder mit Trommeln noch mit Ritualen arbeitest. Haben die Leute falsche Vorstellungen von deiner Arbeit?

Ich entspreche sicher nicht dem typischen Bild eines Schamanen. Viele denken, dass sich Schamanen mit Federn schmücken und laut trommeln. Ich brauche aber keine Hilfsmittel, sondern arbeite rein spirituell. Der Schamanismus ist jedoch nur ein Teil meiner Tätigkeit als Coach.

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«Die meisten meiner Klient*innen sind danach sehr erleichtert.»

Wann setzt du auf Schamanismus?

Wenn die Person nicht genau sagen kann, was sie irritiert – sie sich einfach unwohl fühlt, ohne genau die Ursachen zu kennen. Oder wenn sie nicht über ihre Probleme sprechen mag. Dann lasse ich mich als Schamane von geistigen Heiler*innen und Helfer*innen leiten. Danach fühlen sich die meisten meiner Klient*innen sehr erleichtert, können aber gar nicht genau benennen, wieso. Ich habe einfach eine Blockade gelöst. Die Veränderungen sind wirklich extrem – aber schwierig zu erklären, wenn man es nie selbst erlebt hat. Ich entscheide immer spontan, welchen meiner Ansätze ich wähle.

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Was bietest du sonst noch an?

Viele, die mich besuchen, wollen sich persönlich weiterentwickeln. Es gibt aber auch einige, die seelische Verletzungen aus der Kindheit mit sich tragen. Bei Letzteren habe ich verschiedene Möglichkeiten, wie ich ihnen helfen kann. Ich habe die Gabe, mich in Menschen einfühlen zu können. Oft stelle ich dann mit Puppen die Bilder nach, die ich sehe. Das hilft ihnen, ihre Situation zu erkennen. Auch klassische systemische Aufstellungen biete ich an. Das ist eigentlich der grösste Teil meiner Arbeit.

«Männer haben mehr Widerstände, Hilfe in Anspruch zu nehmen.»

Du offerierst auch explizit Männer-Coachings. Wieso?

Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich mit einer Frau oder einem Mann arbeite. Als ich anfing, kamen nur Frauen zu mir – Männer haben mehr Widerstände, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie spreche ich mit diesem Angebot explizit an, um ihre Hemmungen zu senken.

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Welche Begegnung ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Es fällt mir nicht leicht, darüber zu sprechen – denn manchmal passieren wirklich Wunder, die ich nicht erklären kann.

Weshalb hast du Hemmungen?

Einerseits, weil es sehr intime Storys sind. Anderseits frage ich mich, was die Leute denken, wenn ich so abgespacte Sachen erzähle. Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass viele Menschen ungläubig reagieren, wenn sie etwas hören, das sie nicht erklären können. Ich war früher auch so – ich habe an der ETH studiert und lange als Ingenieur gearbeitet. Ich war ein totaler Kopfmensch, ohne Zugang zur spirituellen Welt.

«Ich war ein totaler Kopfmensch.»

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Was ist dann passiert?

Ich habe als Unternehmensberater gearbeitet und oft gespürt, wie sich die Dinge entwickeln – einfach, weil ich eine sehr gute Intuition habe. Mit 30 habe ich dann angefangen, mich mit spiritueller Literatur auseinandersetzen. Im Job stellte ich fest, dass ich mich immer stärker für Menschen als für Zahlen interessierte. Mit 40 hatte ich dann einen Nervenzusammenbruch und merkte, dass ich etwas anderes machen muss – und jetzt biete ich Coachings für die Seele an, was mich tagtäglich aufs Neue erfüllt.

«Ich bin nur der Begleiter.»

Magst du jetzt noch eine Geschichte erzählen?

Kürzlich kam eine Frau zu mir. Sie war von starken Schmerzen geplagt und konnte kaum mehr gehen. Sie wollte sich erst sogar nicht einmal setzen, weil ihr alles so weh tat. Ich habe dann eine geistige Wirbelsäulen-Aufrichtung gemacht – und die Frau ging beschwerdefrei aus meiner Praxis.

Hast du noch weitere Anekdoten?

Auch immer wieder schön ist es, wenn ich Trauernden weiterhelfen kann. Sie können einen geliebten Menschen, der schon lange gestorben ist, nicht loslassen. Ihr eigenes Leben wird so zur Last. Nach meiner Behandlung fällt der emotionale Ballast von ihnen ab. Ebenfalls wunderschön ist es, zu erleben, wenn seelische Verletzungen in einem Menschen endlich heilen dürfen. Ich möchte aber betonen, dass ich nur der Begleiter bin, der Impulse gibt. Die Veränderungen kommen immer von der Person selbst.

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