15.11.2018

«Es geht vor allem um die Liebe und um Frauen»

Text: Eva Hediger Fotos: Jasmin Frei

Les Belles de Nuit fördert und vernetzt Frauen in der Kultur- und Musikszene. Wir haben mit der Gründerin Nathalie Brunner über die Anfänge und Anliegen des Vereins gesprochen – und sie gefragt, warum sie gemeinsam mit dem Filmfestival Porny Days die Party «Sexual Healing» veranstaltet.

Mit dem Verein Les Belles de Nuit setzt du dich für mehr Diversität und Gleichstellung im Nachtleben ein. Wie kam es zu diesem Namen?

«Die Schönen der Nacht» ist der Titel eines Films aus den 50er-Jahren. Unser Gründungsmitglied Anne Rubin hat vorgeschlagen, dass wir uns nach ihm benennen. Les Belles de Nuit passt nämlich sehr gut: Es geht nicht um Aussehen, sondern um das Schöngeistige – vor allem aber um die Liebe und um Frauen.

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Mitorganisatorin und DJ Nathalie Brunner

«Als meine Freunde mit dem Auflegen anfingen, habe ich einfach mitgemacht. Mir war es egal, was andere davon hielten.»

Ihr habt den Verein vor fünf Jahren gegründet. Was war der Auslöser?
Vor 2013 waren wir einige Male in Istanbul. Das Nachtleben wurde dort noch völlig von Männern dominiert. Frauen wurden häufig nicht ernst genommen oder scheuten sich vor der Technik. Wir wollten das ändern und sind deshalb 2013 mit vielen starken Frauen angereist und haben das erste «Les Belles de Nuit»-Festival organisiert. Wir haben damals schon Workshops und einen DJ-Kurs angeboten.

Und dann?
Wenig später fanden im Gezi-Park Aufstände statt. Viele Menschen mussten sich in ihren Wohnungen verschanzen, darunter auch einige unserer Freunde. Ein Teil der Frauen, die an Workshops teilgenommen hatten, lenkten sich in dieser Zeit mit Musik ab. Als wir die zweite Festivalausgabe durchführten, bestand die Hälfte des Line-ups bereits aus Türkinnen. Sie haben ihre Zurückhaltung endgültig abgelegt.

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Wie ist es in Zürich?
Wenn ich nach meinen Auftritten als DJ Playlove Komplimente von Frauen erhalte, frage ich dann immer zurück, ob die betreffende Person nicht auch auflegen möchte – schliesslich scheint sie an Musik und dem Nachtleben interessiert zu sein. Häufig erhalte ich dann die Antwort: «Nein, ich bin lieber auf der Tanzfläche.»

Frustriert dich das?
Nein. Ich weiss, dass es sich langsam ändert. Nicht nur wegen der Angebote, die wir mit Les Belles de Nuit offerieren. Es gibt auch andere Kurse für Frauen, in denen sie Musikproduktion und Auflegen lernen können, zum Beispiel von Helvetiarockt oder von der School of Sound. Ausserdem gibt es immer mehr weibliche Vorbilder und ein grösseres Bewusstsein in der Szene.

Du legst auf, seit du 19 Jahre alt bist. Hattest du am Anfang Hemmungen?
Nein, ich bin ein Sonderfall. Ich habe schon immer Sachen gemacht, die vermeintlich Buben respektive Männern vorbehalten waren: Ich habe statt mit Barbies mit Masters-of-the-Universe-Figuren gespielt und statt Klavier Schlagzeug gelernt. Als dann meine Freunde mit dem Auflegen anfingen, habe ich einfach mitgemacht. Mir war es egal, was andere davon hielten. Mein Leben sollte schliesslich mir Spass machen. Ich merke, dass immer mehr Frauen ähnlich denken: Immer mehr weibliche DJs gehen ihren Weg selbstbewusst und ohne sich zu hinterfragen.

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«Les Belles de Nuit will, dass Geschlecht und sexuelle Orientierung keine Rolle spielen.»

Jetzt arbeitet ihr zum ersten Mal mit dem Filmfestival Porny Days zusammen. Wieso?
Einerseits sind beide Organisationen 2013 gegründet worden – wir sind also gleich alt und seit jeher eng befreundet. Andererseits verfolgen wir beide das Ziel, dass die Welt offener und respektvoller werden soll. Speziell Les Belles de Nuit will, dass Geschlecht und sexuelle Orientierung keine Rolle spielen. Gemeinsam mit Porny Days haben wir ein vielfältiges Programm aus Workshops, Performances und Musik zusammengestellt.

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«Gemeinsam mit Porny Days haben wir ein vielfältiges Programm aus Workshops, Performances und Musik zusammengestellt.»

Der gemeinsame Partyabend heisst Sexual Healing.
Diesen Titel tragen auch die beiden Dancefloors: Auf dem Healing Floor läuft housige Musik und es treten spezielle Live-Acts auf. Die Stimmung soll warm und hell werden. Der Sexual Floor wird mit einer Performance von Jaguar on the Moon eröffnet. Danach läuft hier futuristischer Hip-Hop und Techno, es gibt aber auch Live-Konzerte.

Das Motto ist «Dress up or dress less». Keine Angst, jemanden abzuschrecken?
Nein. Ein gewisser Mut gehört doch zum Leben, nicht? Wir wollen eine Safe Zone garantieren, in der die Leute aus sich herauskommen können – also sich auch verkleiden oder eben nicht. Wir möchten einfach, dass sich alle frei fühlen.

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Adresse

Walcheturm
Kanonengasse 20
8004 Zürich

Infos

Die Party Sexual Healing findet am Samstag, 24. November, ab 22 Uhr statt. Auf dem Programm stehen unter anderen Jamira Estrada, Hroski, Jaguar on the Moon sowie verschiedene Performances. Detaillierte Informationen findest du hier.