04.07.2018

Wo sich Kreative und Bastler mit hochwertigem Abfall eindecken

Wer gerne werkt und bastelt, kauft meist im Baumarkt, im Bastelladen oder auch online ein. Neu bietet der Materialmarkt eine sinnvolle Alternative. Livia Krummenacher und ihre Kollegen übernehmen hochwertige Restmaterialien, die sonst im Abfall landen würden. Von Korkmatten oder Theaterwänden über Pailletten bis zu Acrylglas und Reissverschlüssen – auf 250 Quadratmetern finden Kreative gewöhnliche und ungewöhnliche Materialien. Am Samstag, 7. Juli, wird der Laden mit einem grossen Fest eingeweiht.

Ihr sammelt Produktionsabfälle und Reststücke und verkauft diese wieder. Funktioniert das wirklich?

Livia Krummenacher: Sehr gut sogar, das Konzept stösst auf grosse Resonanz. Wir verkaufen ja keinen Abfall im klassischen Sinn, sondern hochwertiges Material. Einem Schreiner zum Beispiel nehmen kleine Holzplatten im Lager nur Platz weg, sodass er sie früher oder später wegwerfen müsste. Für unsere Kunden hingegen können sie perfekt sein für ein edles, selbstgemachtes Tablar oder Ähnliches. Interessant ist sicher auch, dass unser Angebot permanent wechselt.

«Einem Schreiner nehmen kleine Holzplatten im Lager nur Platz weg, sodass er sie früher oder später wegwerfen müsste.»

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Woher kommt eigentlich das Material?

Wir übernehmen das Restmaterial überall dort, wo es anfällt: Theater, Glas- oder Messebau-Unternehmen sowie Gewerbe und Industrie im Allgemeinen gehören zu unseren «Lieferanten». Es gibt aber auch Werklehrer oder Menschen mit einem interessanten Fundus auf dem Estrich, von denen wir Material bekommen. Diese Leute, aber auch Kulturschaffende wie Bühnenbauer oder Szenografen decken sich dann oft wieder bei uns ein und lassen sich inspirieren. OFFCUT ist also auch eine Austauschplattform.

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Wo früher Zugwagons repariert wurden, ist heute der Materialmarkt zu Hause. Fotos: Atelier Weisswert / Titelbild: John Patrick Walder

Kann man euch auch Sachen vorbeibringen?

Ja klar, wir nehmen gerne Materialien an, die in unser Sortiment von Roh-, Werk- und Bastelmaterialien passen. Etwa Textilien, aus denen ein Kleid entstehen kann. Oder es passiert, dass wir neben Garn und Nähfäden eine ganze Kiste mit angefangenen Schmuckstücken aus Horn übernehmen können oder ein Set filigraner Aufnähbuchstaben, wie sie schon längst nicht mehr produziert werden.

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Man kann also sagen, dass ihr ein einzigartiges Sortiment habt?

Es finden Einzelstücke und durchaus auch Raritäten den Weg zu uns. Es sind bereichernde Momente, wenn nach einer Materialspende jemand in den Materialmarkt kommt und mit leuchtenden Augen genau die Holzzwingen kauft, die tags zuvor zu uns kamen, nachdem sie jahrelang im Estrich gelagert wurden. Ganze Gegenstände, auch wenn sie noch so einzigartig sind, nehmen wir übrigens nicht an. Diese sind in einem Brocki besser aufgehoben.

«Es ist ein bereichernder Moment, wenn jemand genau die Holzzwingen kauft, die tags zuvor zu uns kamen, nachdem sie jahrelang im Estrich lagen.»

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Verdient ihr mit diesem Konzept Geld?

Es steckt sehr viel Idealismus dahinter. Unser Verein könnte zum Beispiel ohne Stiftungsgelder gar nicht überleben. Der Verkaufserlös allein reicht nicht, um die Kosten zu decken. Wir alle arbeiten Teilzeit für OFFCUT. Ich selber bin als gelernte Schreinerin unter anderem in der Holzwerkstatt des Gemeinschaftszentrums Buchegg tätig. Andere Kollegen arbeiten im Kulissenbau oder in der Jugendarbeit.

Gibt es in der Schweiz bereits einen ähnlichen Laden?

Bereits vor fünf Jahren eröffneten wir in Basel den ersten OFFCUT Materialmarkt nach dem Vorbild der australischen «Used Material Center». Wir konnten also bereits Erfahrungen sammeln. Ansonsten sind ähnliche Projekte wenig verbreitet. Bei uns gibt es auch Workshops und eine Bücher- und Café-Ecke. Bekannt sind in der Schweiz sonst eher sogenannte Bauteilbörsen für etwa Parkett, Bad und Küche oder kleine Material-Brockenhäuser.

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Adresse

OFFCUT Materialmarkt
Hohlstrasse 418
8048 Zürich
zuerich@offcut.ch

Infos

Am Samstag, 7. Juli, wird der Materialmarkt Zürich offiziell eingeweiht. Los geht’s um 14 Uhr, später wird mit Konzerten und DJs bis in die Nacht gefeiert. Hier geht’s zum ganzen Festprogramm.