30.09.2018

«Frauen feuern mich an»

Text: Malini Gloor

Burlesque-Tänzerin Minouche von Marabou hatte schon als Teenagerin ein Flair für erotische Unterwäsche. Mittlerweile ist sie eine der wenigen Schweizer Burlesque-Tänzerinnen, die auch im Ausland grosse Erfolge feiern. Trifft man sie, kann man sie kaum verfehlen: auffällig im Fifties-Stil gekleidet mit grosser Kunstblume im Haar. Minouche von Marabou tritt am 17. Oktober in der Varieté-Schau «Salon Morpheus» im Mascotte auf. Wir verschenken 3x2 Tickets. Du willst dabei sein? Dann schicke uns bis am 10. Oktober eine Mail an verlosung@hellozurich.ch

Die 29-jährige Minouche von Marabou, so ihr Künstlername, wusste schon früh, was ihr gefällt: «Ich bin im Kanton Zürich auf dem Land aufgewachsen und hatte schon immer meinen eigenen Kopf.» Mit 13 tanzte sie Bauchtanz, es folgten Ballett, Stepptanz, Charleston und Tango. «Tanz gehört zwingend in mein Leben. Mit 17 Jahren entdeckte ich mein Flair für schöne, erotische Unterwäsche im Moulin-Rouge-Stil – und mit 19 Jahren besuchte ich bereits meinen ersten Burlesque-Tanz-Workshop.» Dieser fand 2009 in Zürich statt. Nach der ersten Durchführung wurde er mangels Interessentinnen eingestellt.

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«Mit 17 Jahren entdeckte ich mein Flair für schöne, erotische Unterwäsche im Moulin-Rouge-Stil.»

Mit der Tänzerin und Performerin Nightmare Vani fand Minouche eine Lehrerin, die ihr alles vermittelte, was mit Burlesque zu tun hatte. «Auch heute noch ist sie eine gute Freundin von mir, und ich bin ihr sehr dankbar für alles, was sie mir beigebracht hat.»

Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte sie 2011 – im thurgauischen Frauenfeld. «Ich bin überall aufgetreten, denn ich wollte schlicht auf der Bühne stehen und Erfahrungen sammeln. Sei dies an einem kleinen Oldtimer-Treffen oder einem Firmenanlass – ich fühle mich überall wohl.» So war Minouche auch an einem Samichlaus-Anlass einer Zürcher Zunft oder am Theaterspektakel zu sehen: «Seit ich das erste Mal auf der Bühne stand, ist Burlesque für mich kein Hobby mehr, sondern meine Berufung.»

2015 machte sie mit bei der Fernsehshow «Die grössten Schweizer Talente». Sie gewann zwar nicht, doch ihre Karriere war schon damals auf dem Höhenflug: «Ende 2013 trat ich am ersten Burlesque-Festival in Berlin auf, und seither bin ich meistens international unterwegs», erzählt die gelernte Couture-Schneiderin mit Zusatzausbildung zur Theaterschneiderin.

Als Schneiderin ist es ihr wichtig, dass ihre zahlreichen, aufwändigen Kostüme von A bis Z perfekt sind: «Für ein Kostüm brauche ich je nach Zeit, die mir zur Verfügung steht, sechs Monate bis eineinhalb Jahre.» Sie müssen alle transportierbar sein: «Damit ich sie in Kisten verpackt mitnehmen kann.» Doch die Kostüme sind nicht der einzige Aufwand: «Ich lege mir die Haare, das braucht bereits gut eineinhalb Stunden, dann schminke ich mich aufwändig und muss auch mental auf meinen Auftritt eingestellt sein.»

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«Aber nicht, dass du dann ins Rotlicht-Milieu abrutschst!»

Als Minouche ihrer Mutter erzählte, dass ihr Herz für Burlesque schlägt, fand ihre Mutter etwas besorgt: «Aber nicht, dass du dann ins Rotlicht-Milieu abrutschst!» Inzwischen ist sie stolz auf ihre Tochter, ebenso wie Minouches Vater, der es ihr jedoch noch nie gesagt hat. «Niemand stört sich an meiner Tätigkeit und meiner Berufung, und das ist gut so», so Minouche, deren Herz für die 30er-, 40er- und 50er-Jahre schlägt.

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Minouche von Marabou ist ein wandelndes Burlesque-Lexikon. «Die Amerikaner behaupten, Burlesque erfunden zu haben. Dem ist aber nicht so: Eine Tanzgruppe, die British Blondes, zeigten um 1870 herum etwas Bein in England und tourten danach auch in Amerika, wo sie sofort kopiert wurden.» 1925, in einem Cabaret in Chicago, brachte eine Tänzerin den Reissverschluss ihres Kleides beim Kostümwechsel nicht auf – und ging so auf die Bühne, mit besagtem Reissverschluss kämpfend und Grimassen ziehend. Das Publikum war begeistert – und der klassische Burlesque-Tanz war geboren. Der Erfolg wurde immer grösser, bis zur Hippie-Bewegung ab 1968: «Das war ein komplett anderes Lebensgefühl, Burlesque hatte da keinen Platz mehr. Er kam erst um das Jahr 2009 herum wieder auf», so Minouche.

«Ein Frau ist schön, genau so, wie sie ist – ohne Schönheitsoperationen und Co. Auch mit Cellulite und Kurven darf sie tanzen.»

War Burlesque in den Anfängen um 1925 herum die erotische Unterhaltung des «einfachen Mannes», so wandelte sich dies immer mehr. Heute darf Minouche rund drei Viertel Frauen im Publikum begrüssen: «Frauen stehen gerne in der ersten Reihe und feuern mich an, das freut mich sehr.» Für Minouche ist Burlesque auch feministisch: «Ein Frau ist schön, genau so, wie sie ist – ohne Schönheitsoperationen und Co. Auch mit Cellulite und Kurven darf sie tanzen. Innerhalb der Szene wird dies nicht kritisiert, man ist sehr menschlich und freundlich.»

Beim Burlesque-Tanz geht es nicht einfach um einen nackten Körper, sondern um den Weg dorthin – die Nippel werden jedoch mit Pasties, kleinen, kunstvollen Pflastern, verdeckt, und auch den Intimbereich wird man nie zu sehen bekommen. «Dies sind die einzigen Regeln, ansonsten ist man komplett frei, wie man seine Nummer gestaltet.»

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Je nach Song dauert eine Nummer zwischen vier und sechs Minuten, und in denen kokettiert Minouche mit dem Publikum, schäkert, klimpert mit den künstlichen Wimpern und zieht Grimassen. «Das Theatralische ist ein ganz zentrales Element, denn Burlesque ist immer auch witzig und Erotik, die mit einem Augenzwinkern dargebracht wird», so Minouche.

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Adresse

Mascotte
Theaterstrasse 10
8001 Zürich

Infos

In der Jazzlounge 1920 tritt Minouche von Marabou regelmässig mit Livemusikern auf.

Seit Mai 2016 ist die Tänzerin Gast im «Salon Morpheus». So auch am Mittwoch, 17. Oktober, um 20.30 Uhr im Mascotte. Wir verschenken 3x2 Tickets. Du willst dabei sein? Dann schicke uns bis am 10. Oktober eine Mail an verlosung@hellozurich.ch.