20.11.2018 – Kultur & Nachtleben

«Wir haben in ein Wespennest gestochen mit der Festival-Idee»

Text: Eva Hediger

An diesem Wochenende findet das 1. Langstrassen Blues- und Jazzfestival statt. Organisator Oliver Saiger erzählt uns, wieso er lieber in Bars als in Hallen Konzerte hört und warum er keinen Eintritt verlangt.

Die etablierten Jazz- und Blueslokale der Stadt liegen alle nicht an der Langstrasse. Wieso veranstaltest du das Festival trotzdem dort?

Ich war bis 2015 Geschäftsführer der Bar 3000 und habe acht Jahre lang an der Langstrasse gelebt. Es ist deshalb meine Gegend, in der ich die Leute und Lokale kenne. Ausserdem finde ich die Langstrasse ideal für ein Jazz- und Bluesfestival.

6000

Leute haben auf Facebook den «Interessiert»-Button gedrückt.

Wieso ist die Langstrasse der perfekte Ort?

Ich habe vor etwa zehn Jahren in New York gearbeitet. In dieser Zeit habe ich es geliebt, abends die unkomplizierten Jazz-Spunten zu besuchen: Die Gäste haben Billard gespielt und getrunken, die Band hat gejammt. Ich möchte Jazz und Blues weg von grossen Konzertsälen und in einfachere Lokale und Bars bringen. Die Leute sollen wieder einen Zugang zu dieser Musik erhalten. Und vor allem Blues passt eigentlich viel besser in Kneipen – er kann auch ziemlich dreckig sein.

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Jörg Danielsen und seine Vienna Blues Association treten nächsten Samstag in der Rothaus Bar auf.

Jazz und Blues locken selten die Massen an. Auf Facebook haben fast 6000 Leute den «Interessiert»-Button gedrückt. Überrascht dich das?

Ja. Schliesslich sind Blues und Jazz vor allem in meiner Generation kaum ein Thema. Mir schlägt jedenfalls nie jemand vor, ein solches Konzert zu besuchen. Aber ich habe die Interessierten auf Facebook durchgescrollt und gemerkt, dass es sowohl jüngere als auch ältere Menschen sind. Wir haben in ein Wespennest gestochen mit der Festival-Idee. Aber natürlich haben wir auch genau überlegt, wie wir vorgehen. Der Name und der Flyer sind zum Beispiel sehr catchy. Das hat die Leute neugierig gemacht.

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Mich Gerber ist am Samstag in der Hotel Bar zu Gast. 

Aufgrund der grossen Nachfrage hast du kurzfristig beschlossen, das Festival auf weitere Locations auszudehnen. Hat dich das vor Herausforderungen gestellt?

Alleine hätte ich es sicher nicht geschafft. Aber ich habe eng mit dem Mitveranstalter Roger Höhener von der Gotthard-Bar zusammengearbeitet. Er organisiert dort immer wieder Konzerte und hat deshalb die nötigen Connections. So konnten wir innert vier Wochen relativ problemlos die Anzahl der Locations und der Bands vergrössern. Wir haben uns auch keinen grossen Druck gemacht. Der Anlass sollte ja klein bleiben. Angefangen, das Festival zu planen, haben wir vor etwa drei Monaten.

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Am Festival ist auch Serej zu hören. Er hat seinen Auftritt am Freitag in der Rothaus Bar. 

Nach den Konzerten wird es jeweils eine Kollekte geben. Wieso verkauft ihr keine Tickets?

Weil wir es eben zu Beginn ganz anders machen wollen als etablierte Jazzfestivals mit grossen Sponsoren im Nacken. Ich war zum Beispiel am Auftritt von Bob Dylan im Hallenstadion. Niemand hat sich bewegt! Es herrschte einfach null Stimmung. Wir wollen das nicht. Die Idee der Kollekte finden wir ausserdem sehr sozial: Wir möchten, dass sich alle die Konzerte leisten können. Ein weiteres Modell wäre ein tiefer Ticketpreis und die Garantie, dass die gesamten Einnahmen bei den Bands ankommen.

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Denkst du also bereits an eine zweite Ausgabe?

Auf jeden Fall! Das Festival ist relativ risikoarm, weil es an der Langstrasse am Wochenende sowieso viele Leute hat. Ich habe für eine mögliche zweite Ausgabe bereits auch Clubs angefragt, die eine gute Infrastruktur haben. Jetzt arbeiten wir mit Bars wie zum Beispiel dem Kir Royal zusammen, das eigentlich nie Konzerte veranstaltet. Da deshalb das ganze Equipment aufgetrieben werden muss, ist der Aufwand relativ hoch. Doch eigentlich wollen wir ja den Jazz und Blues genau in diese Lokale bringen.

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Adresse

Gotthard, Kir Royal, Hotel Bar, Rothaus Bar, Zum Goldenen Fass
Langstrasse 8004
Zürich

Infos

Das 1. Langstrassen Blues- und Jazzfestival findet vom 23. bis 25. November statt. Auftreten werden unter anderen Jonathan Ben Vuilleumier, John Francis, Vienna Blues Association, Soul Maniacs, Mich Gerber, Serej und Flo Bauer Blues Project. Weitere Informationen findest du hier

Am Sonntag findet ab 12 Uhr im Zum Goldenen Fass ein Jazzbrunch mit einem Auftritt von Trio Fortune statt. Anmeldung unter info@zumgoldenenfass.ch