26.08.2020 – Im Fokus | Menschen & Leben

Zürich-Fotograf und Instagram-Polizist Patric Helbling

Ihre Fotos von Zürich gehen auf Social Media um die Welt. Wer sind diese Fotograf*innen? Was treibt sie an? In unserer neuen Serie drehen wir die Kamera um. Heute im Fokus: Patric Helbling, der seine Kamera für lange Zeit beiseitegelegt hatte und jetzt gerne Profi-Fotograf werden möchte.

Patric Helbling sucht vor allem nachts nach den besten Sujets. Zu seinen Lieblingsmotiven gehören neben fahrenden Zügen, die er mit langen Belichtungszeiten fotografiert, auch Naturmotive. Ein Gespräch über seine Anfänge als Fotograf, die Fotografie-Szene in Zürich und den lästigen Bilderklau auf Instagram.

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Wie kamst du zum Fotografieren?

Meine Eltern hatten früher eine grosse Schublade voller Fotos. Es hat mir schon als Kind unglaublich Spass gemacht, mich durch die ganzen Bilder zu wühlen. Richtig angefangen zu fotografieren habe ich jedoch erst Anfang der 90er-Jahre mit einer Minolta 8000i. Das war noch eine analoge Kamera. Dann kam der Handy-Hype und ich habe die Kamera jahrelang nur noch sehr selten genutzt.

«Die Leute vergessen häufig, wie teuer Foto-Equipment ist.»

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Hast du gar nicht mehr fotografiert?

Ich habe vor allem Bilder mit meinem Handy gemacht. Vor etwa fünf Jahren hat es mich dann aber wieder gepackt und ich habe angefangen, mit der digitalen Kamera wieder durch die Stadt zu ziehen.

Ist Fotografieren für dich Hobby oder Beruf?

Es ist ein Hobby, das ich gerne zu meinem Beruf machen möchte. Ich bin aber noch in der Anfangsphase und verdiene dementsprechend noch nicht genug Geld damit.

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Ist es schwierig, an Aufträge zu kommen?

Ja, Zürich ist ein recht hartes Pflaster. Ich hatte das Glück, schon mehrere kleinere Jobs zu ergattern. Es gibt aber extrem viel Konkurrenz. Nicht immer sind die Auftraggeber bereit, Geld für professionelle Bilder auszugeben. Die Leute vergessen häufig, das teure Equipment, den Aufwand und die Bearbeitungszeit nach dem Shooting miteinzurechnen.

Bezeichnest du dich selbst als Berufsfotografen?

Noch nicht. Dafür muss ich noch mehr lernen und weitere Erfahrungen sammeln. Es ist jedoch mein vorrangiges Ziel für die Zukunft. Durchschnittlich viermal die Woche ziehe ich jetzt schon los und versuche, coole Motive in der Stadt einzufangen.

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Wann fotografierst du am liebsten?

Ich mag es vor allem, am Abend und nachts unterwegs zu sein. Zu dieser Zeit kann man ganz toll mit dem Abendlicht spielen oder mit Lighttrails und Blendensternen arbeiten.

Du bist also ein Fan von langen Belichtungszeiten?

Ja, sehr. Diese Technik, kombiniert mit einer fahrenden S-Bahn oder anderen Objekten, die sich schnell bewegen, finde ich sehr spannend. Auch die sich daraus ergebende Tiefenschärfe mag ich sehr.

«Die Kamera nehme ich fast überall hin mit.»

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Hast du die Kamera also tagsüber nicht dabei?

Doch, die Kamera habe ich mittlerweile fast immer mit, egal wohin ich wann gehe. Es ist mir einfach schon zu häufig passiert, dass spontan ein cooles Motiv aufgetaucht ist, ich aber ohne Kamera unterwegs war. Das ist verdammt ärgerlich.

Bist du beim Fotografieren alleine unterwegs?

Nicht immer. Mit anderen zu fotografieren ist auf jeden Fall extrem lehrreich und macht Spass. Man lernt neue Spots kennen oder kann sich über Techniken austauschen. Ich bin mittlerweile auch in mehreren Chatgruppen, in denen wir über Fotografie und ähnliche Themen miteinander sprechen.

Es herrscht also kein Konkurrenzkampf zwischen den Zürcher Fotograf*innen?

Was mich betrifft, nicht. Wir helfen einander, so gut wir können, und unterstützen uns zum Beispiel auch auf Instagram, indem wir die Fotos von Kolleg*innen liken und kommentieren. Das hilft uns allen weiter. Ausserdem kann man so auch jede Menge Inspiration für seine eigene Arbeit gewinnen.

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«Der Bilderklau auf Instagram ist unfassbar mühsam.»

Gibt es hier denn keine schwarzen Schafe? 

Zumindest nicht unter den Fotograf*innen. Vielmehr gibt es immer mehr Diebe auf Instagram, die unsere Bilder als die eigenen ausgeben und sich mit fremden Federn schmücken. Das ist unfassbar mühsam.

Wie gehst du dagegen vor, wenn jemand ein Bild von dir klaut?

Die Sache ist ziemlich kompliziert. Man merkt nicht immer, dass ein fremdes Profil einem die Bilder stiehlt. Auch nützt es nicht viel, wenn ich das Profil bei Instagram melde. Kurze Zeit später eröffnet die Person dann einfach einen neuen Account und stellt die gleichen Bilder nochmals rein.

Also einfach akzeptieren?

Nein, ganz sicher nicht. Ich regle das mittlerweile so, dass ich den betreffenden Account persönlich anschreibe. Wenn er nicht reagiert, dann informiere ich auf meiner Story meine Follower darüber, dass jenes Profil Bilder klaut. Wenn ich sehe, dass jemand meiner Follower dem Profil sogar folgt, schreibe ich die jeweilige Person direkt an. Meine Fotografen-Kolleg*innen machen dasselbe. Das scheint bisher relativ gut zu funktionieren.

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Was hältst du von Plattformen wie Instagram?

Das Thema des Bilderklaus ist natürlich nervig. Trotzdem finde ich, dass Instagram für uns Fotograf*innen eine tolle Sache ist. Ich bin seit gut einem Jahr auf der Plattform und habe nun über 1000 Follower. Ausserdem entstehen so sehr hilfreiche Kontakte zu anderen Fotograf*innen, die mich inspirieren.

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Was sind deine Lieblingsmotive in der Stadt?

Das ändert sich bei mir ständig. Ich finde aber, dass es vor allem nachts im Kreis 5 viele spannende Motive zum Knipsen gibt. Mir gefallen der leuchtende Prime Tower, die Hardbrücke oder die klaren Linien der moderneren Gebäude.

Trotzdem baust du immer mal wieder auch Naturmotive in deinem Instagram-Profil ein.

Das stimmt. Ich versuche, meinen Followern Abwechslung zu bieten. Und nur weil man in Zürich wohnt, heisst das noch lange nicht, dass man keine Natur vor der Haustür hat. Ich habe zum Beispiel schon Kühe, Reiher, Hunde, Bienen oder Hummeln fotografiert.

«Ich bin kein Fan von Postkartenmotiven.»

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Was hältst du von sogenannten Hotspots?

Ich bin kein grosser Fan von überlaufenen Orten und Bildern, die nach Postkartenmotiv aussehen. Wir alle haben diese beinahe kitschigen Bilder vom Grossmünster schon tausend Mal gesehen. Wenn ich solche Sujets zeige, dann versuche ich, zumindest eine ungewohnte Perspektive oder eine besondere Technik einfliessen zu lassen.

Wie schaffst du das?

Ich würde hier zum Beispiel ein Weitwinkelobjektiv nehmen und eine besondere Perspektive – wie etwa die Froschperspektive – einnehmen. Oder ich lichte nur gewisse Ausschnitte des Sujets ab.

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Wie stark bearbeitest du deine Bilder?

Es kommt natürlich auf das Bild an. Aber ich versuche in der Regel, möglichst wenig zu bearbeiten. Was nicht bedeutet, dass ich bearbeitete Bilder nicht mag. Es darf sogar auch mal kitschig sein, wenn das Motiv und die Bildsprache dazu passen. Wo ich aber aussteige, sind königsblaue Himmel. Für die Bearbeitung nutze ich momentan Adobe Lightroom und bin sehr zufrieden.

Was sind deine nächsten Projekte?

Der nächste Schritt ist eine eigene Website. Auf dieser will ich neben Zürich-Bildern auch Porträts, Natur- oder Eventbilder zeigen. Ausserdem möchte ich erneut eine Pop-up-Galerie am Klusplatz organisieren und meine Bilder dort zeigen und verkaufen.

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Name: Patric Helbling
Geboren: 1969
Aus: Hurden/Pfäffikon SZ
Wohnhaft in: Zürich
Fotograf seit: 1991
Kameras und Objektive:
Sony Alpha 7R ll FE 1.4; 85mm G-Master
Canon 77D EF 11-24 mm; 1:4 L USM
Instagram

Dieser Artikel ist nicht gratis.

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