17.08.2018 – Storys & Specials

Dieser Turm sorgt für Unterhaltung

Text: Eva Hediger

Wer in der Nacht von Zürich auf den Uetliberg blickt, sieht dort die einsamen Lichter des Fernsehturms blinken. Eigentlich darf ihn die Öffentlichkeit nicht betreten. Für uns hat Leiter Walter Haas eine Ausnahme gemacht.

Schulklassen und Wandergruppen erobern an diesem frühen Sommertag den Uetliberg. Bei der Endstation der Uetlibergbahn weisen offizielle Schilder auf die Sehenswürdigkeiten hin. Daneben, auf einer eigenen Tafel, ist der Weg zur Sendestation Uetliberg angeschrieben. Sie ist nicht öffentlich, sondern nur für angemeldete Gruppen zugänglich.

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Die Sendestation überragt den beliebten Aussichtsturm bei Weitem. Sie ist von der Stadt aus gut sichtbar, besonders, wenn bei schlechtem Wetter und in der Nacht die Warnlichter für den Luftverkehr blinken und drehen. Öfters komme es vor, dass Leute anrufen und wissen wollen, was die Aufgabe der Sendestation sei, sagt Walter Haas. Er arbeitet bei Swisscom Broadcast, einer Tochterfirma von Swisscom. Als Leiter Region Ost ist er für den Betrieb der Station verantwortlich.

Hätte sich das Fernsehen nicht durchgesetzt, wäre der damals 75 Meter hohe Turm wieder abgebaut worden.

1953 wurde die Sendestation aufgebaut, um an fünf Abenden die Woche je eine Stunde TV-Sendungen auszustrahlen. Hätte sich das Fernsehen nicht durchgesetzt, wäre der damals 75 Meter hohe Turm wieder abgebaut worden. Aus den verbliebenen Räumlichkeiten wäre vermutlich eine weitere Försterstation für das Revier Uetliberg geworden. «Neue Technologien wurden immer wieder unterschätzt», sagt Walter Haas.

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Er führt uns durch die Räumlichkeiten. Vorbei an Antennen und sogenannten Senderacks. «Früher waren diese Geräte viel grösser», erinnert er sich. Heute sehen sie unscheinbar aus, versorgen aber Millionen von Menschen mit Informationen und Unterhaltung: Die Fernseh- und Radiosignale werden hier in den Kanton Zürich und in Teile des Kantons Aargau und Schwyz verbreitet.

Millionen von Menschen werden mit Informationen und Unterhaltung versorgt.

Fernsehen wird bereits digital übertragen. Radioprogramme können analog (UKW) wie auch digital (DAB+) empfangen werden. Seit Frühling 2016 überwiegt jedoch die digitale Nutzung. Über DAB+ lassen sich aber nicht nur Ton, sondern auch Text, Bild und Videos verbreiten.

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Die Sendestation Uetliberg verfügt über eine Empfangsstation für das Low Power Network, kurz LPN. Es kommt bei Geräten zum Einsatz, die nur geringe Datenmengen versenden. «Zum Beispiel werden bei Parkplätzen Sensoren eingebaut. So lässt sich digital erfassen, wie viele noch frei sind», erklärt Walter Haas. «Oder das Bierfass, das an einem Festivalstand steht, meldet der Brauerei automatisch, dass es bald leer ist.» Gegen tausend solcher kleiner Empfangsstationen sind bereits in der Stadt eingerichtet.

Ausserdem sind an Sendestation auch Messinstrumente von MeteoSchweiz angebracht. Sie liefern regelmässig aktuelle Daten zu Wetter und Klima. Zudem nutzen verschiedene Mobilfunkanbieter die vorhandene Infrastruktur wie beispielsweise Mast und Senderäume für ihren eigenen Sendebetrieb.

Zwischen den Sendern erstreckt sich ein 360-Grad-Panorama.

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Die höchstgelegene Antenne befindet sich heute an der Spitze des 187 Meter hohen Turms. Er wurde 1990 gebaut. Sein Betonschaft besteht aus drei Teilen: aus einem Leitungsschacht, aus einer Notfalltreppe und aus einem Lift. Dieser fährt uns direkt in die verglaste Richtfunkkanzel. Sie befindet sich auf 46 Meter über Boden – und überragt so die Aussichtsplattform des Uetlibergs um 16 Meter. «Ist das Wetter klar, sieht man bis zum Chasseral im Jura», sagt Walter Haas. Seit über 30 Jahren gehört dieser Ausblick zu seinem Berufsalltag. Zwischen den Sendern erstreckt sich ein 360-Grad-Panorama: Der Zürichsee sieht aus wie eine kleine Pfütze, und sogar die Hochhäuser vor Zürich wirken aus dieser Perspektive winzig.

Adresse

Fernsehturm Uetliberg
Gratstrasse 1
8143 Uetliberg

Infos

Maximal 15 Personen können sich für eine 60-minütige Führung auf Deutsch anmelden. Diese werden auf Anfrage von Montag bis Samstag durchgeführt.