30.10.2019 – Kultur & Nachtleben

«Burlesque ist viel mehr als eine Frau, die sich in einer Bar auszieht»

Interview: Valérie Jost

Emma Mylan hat gemeinsam mit dem Mascotte die erste offizielle Burlesque-Europameisterschaft ins Leben gerufen. Bei «European Queen of Burlesque» kämpfen die 30 besten Künstlerinnen aus Europa um die Krone – und das in einem der geschichtsträchtigsten Clubs der Stadt.

Emma, wie bist du zur Performerin geworden?

Ich habe schon immer Shows gemacht. Die Schule brach ich früh ab, hatte nie einen «normalen» Job. Mit 14 Jahren machte ich in den Strassen von Paris Feuershows mit meiner Mädchengruppe. Wir haben uns alles selbst beigebracht, es gab noch keine Youtube-Tutorials. Wir trugen Kostüme im Cabaret-Style und hatten einen sehr femininen Auftrittsstil. Dies und das Feuer nutze ich heute noch beim Burlesque.

«Ich habe schon immer Shows gemacht.»

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Emma Mylan. Foto: Stagetime

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Emma Mylan. Foto: David Woolsey

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Emma Mylan. Foto: David Woolsey

Und wie bist du zu Burlesque gekommen?

Ich war zwei Jahre lang das Maskottchen des Genfer Palais Mascotte. Dort habe ich unter dem Künstlernamen Myako Mascotte meine ersten Shows gemacht. Der Produzent des Mascotte in Zürich, Alfonso Siegrist, hat mich wegen eben dieses Namens online entdeckt. Eins führte zum anderen und 2010 machte er mich zur künstlerischen Leiterin von «Ohh! Lala! Chérie!», mit dem der Plaza Club eröffnet wurde. Und seither machen wir die Show jeden Monat.

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Jetzt folgt die Europameisterschaft. Weshalb?

Ganz einfach: Die Szene ist sehr Amerika-zentriert, es gab bisher nichts Vergleichbares in Europa. Es sind zwar unglaubliche Künstlerinnen auf dem ganzen Kontinent verstreut und es gibt eine riesige Community, aber sie haben keinen offiziellen Ort, wo sich alle treffen. Und wir wollen auch die harte Arbeit der vielen Talente hier honorieren. Denn beim Burlesque machen die Künstlerinnen alles selbst, vom Konzept über die Choreografie bis hin zu den aufwendigen Kostümen. Es ist nicht einfach eine Frau, die sich in einer Bar auszieht.

«Burlesque bedeutet Freiheit für mich.»

Das Mascotte ist einer der ältesten Schweizer Clubs. Warum hier?

Es ist natürlich ein geschichtsträchtiger Ort. Und hier fanden auch schon Burlesque-Shows statt: 1939 traten die berühmten Folies Bergères im Corso-Gebäude auf, wir haben Plakate davon gefunden. Sie lösten mit ihrer Show einen ziemlichen Skandal aus, es gab sogar Demonstrationen auf der Strasse. Die sexy Performance wurde für die damalige Zeit als viel zu anstössig wahrgenommen. Doch heute ist es das nicht mehr, ja, die Leute wollen es sogar – also bringen wir Burlesque zurück!

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Teilnehmerin Rudy Ruby. Foto: Cesar Carrasco

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Teilnehmerin Zoe Bizoe. Foto: Veronika Marx

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Teilnehmer Alekseï Von Wosylius

Was liebst du am meisten an Burlesque?

Burlesque gibt dir die Möglichkeit, zu sein, wer du bist – oder auch jemand ganz anderes. Du kannst dich so verändern, wie du willst. Deshalb bedeutet es Freiheit für mich. Und natürlich liebe ich es auch, die Zuschauer zu unterhalten. Sie kommen vielleicht direkt von der Arbeit, sind gestresst und müde – und während der Show lachen sie, träumen. Und am Ende sind sie voller Freude und Glück. Das will ich erreichen.

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Teilnehmerin MamZelle Viviane. Foto: Eric Delage

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Teilnehmerin Holly's Good. Foto: Christopher Erk

«Beim Burlesque machen die Künstlerinnen alles selbst, vom Konzept über die Choreografie bis hin zu den aufwendigen Kostümen.»

Was bedeutet Erfolg für dich?

Ich will nicht nur eine Show machen, sondern den Zuschauern ein Erlebnis bieten. Deshalb nenne ich sie auch «Ladies and Gentlemen». Denn so werden sie das automatisch: Sie sind dann nicht mehr einfach Herr und Frau Müller. Sie verbringen den Abend an einem Ort voller Eleganz, Schönheit und Spass. Gerade heutzutage, wo wir so viel Zeit hinter irgendwelchen Bildschirmen verbringen, will ich die Zuschauer für einen Abend in eine andere Welt mitnehmen. Viele Zuschauer übernehmen diese Welt auch und ziehen für die Show ihr bestes Kleid an oder kommen sogar komplett im 20er-Jahre-Look. Das ist wunderschön zu sehen.

Adresse

The European Queen of Burlesque
Club Mascotte
Theaterstrasse 10
8001 Zürich
Website

Infos

In den sechs Vorausscheidungen zeigen jeweils fünf Künstlerinnen zwei verschiedene Shows. Jedes Mal wird die beste zur «Princess» gekürt. Die Vorausscheidungen finden an folgenden Samstagen statt: 16. November, 14. Dezember, 18. Januar, 8. Februar, 14. März und 18. April.

Im grossen Finale am Samstag, 16. Mai 2020 zeigt dann jede der fünf Princesses erneut zwei Shows. Die beste erhält den Titel «European Queen of Burlesque».

Verlosung

Unter unseren Newsletter-Abonnenten verlosen wir 3x2 Tickets für die erste Show am Samstag, 16. November. Melde dich hier für den Newsletter an.