08.10.2019 – Kultur & Nachtleben

«Alle waren da, doch niemand gab es zu»

Text: Laura Hohler

Vor bald 25 Jahren veranstaltete Beat Schaub die erste Lollipop-Party. Doch der Zürcher DJ steht nicht nur auf Schlagerhits: Er organisiert auch weitere Events – und ist als Latin-Produzent weltweit gefragt.

DJ Käpten Lollipop, DJ Papi Electric, DJ Vitamin S: DJ Beat Schaub ist den Zürcher Nachtschwärmern unter vielen Namen bekannt. Aufgewachsen in Wiedikon, war er schon als Kind ein grosser Fan von Klängen und Beats. «Mit Musik war ich einfach happy», so Beat, und ergänzt: «Ich habe mehr Musik als Blut in den Venen.» So kam es, dass er bereits als Siebenjähriger das Orgelspielen an der Musikschule lernte und erste Auftritte an Messen wie der Züspa hatte. Doch wie bei vielen Jugendlichen endete die Orgel-Karriere mit 13 Jahren abrupt. Der junge Beat entschied sich, lieber Platten aufzulegen.

«Ich habe mehr Musik als Blut in den Venen.»

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In einer Zeit, in der es noch kein YouTube oder Spotify gab, kaufte und verkaufte er bereits als 15-Jähriger Schallplatten. Die Musik würde man heute als «Black Music» bezeichnen: Discofunk, Soul und Jazz. Doch Beats Lieblingsmusik kannte die Zürcher Szene damals noch nicht. Nur in wenigen, exklusiven Privatclubs wurde zu Discofunk gefeiert. Und genau dort wollte Beat hin. Einer der Memberclubs war das High Live in der Nähe der Sihlcity. Der Teenager war begeistert: «Dort musste ich einfach auflegen.» Also ging er zum Chef des Clubs und bat ihn um einen Auftritt. «Zuerst musste ich aber eine Referenz vorweisen, deswegen bin ich dann per Autostopp nach Zug gefahren und habe dort in der ‹Chollermühle› aufgelegt.»

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Danach ging es mit Beats DJ-Karriere steil bergauf. Er war bestens vernetzt und legte international auf. Anfang der Achtzigerjahre mietete er sich mit seinem damaligen Partner in einer Tanzschule ein und machte daraus einen Club. Das Pasadena im Kreis 5 war ein voller Erfolg – jedes Wochenende standen die Besucher Schlange. «Alkohol verkaufen durften wir aber nicht, das Publikum im ‹Pasadena› war sehr jung.» Dazwischen folgten auch internationale Gigs in Mailand und Paris – Beat war bestens vernetzt in der Szene. Gleichzeitig setzten die Jugendunruhen die Stadt unter Strom. «Wir hatten regelmässig Krach mit den Leuten des AJZ, des Autonomen Jugendzentrums», erzählt der DJ. Den linksradikalen Jugendlichen waren die modischen Gäste vom Pasadena zu bürgerlich.

Der DJ wollte nie «in die Mallorca-Ecke» gedrängt werden.

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Doch obwohl das Pasadena bei der Jugend beliebt war, konnte das damalige Schweizer Radio mit der exotischen Musik wenig anfangen und zerriss das musikalische Konzept des Clubs in einer Sendung. Danach zog sich der erfolgreiche DJ aus den Medien zurück und gab lange Zeit keine Interviews mehr. Was niemand ahnte: Wenige Jahre später, in den Neunzigerjahren, erlebte die Zürcher Clubszene ein Disco- und Funkrevival und die Radios spielten genau diese Musik.

Erst waren Beats techno- und rockbesessenen Kollegen skeptisch.

Wenn «Griechischer Wein» oder «Eine neue Liebe» auf dem Dancefloor ertönt, ist im X-tra wieder «Lollipop» angesagt. Die Partyreihe veranstaltet Beat seit bald 25 Jahren. Angefangen hat alles im Zürcher Seefeld. Im Seefelder Club Luv, der ebenfalls Beat und seinen Partnern gehörte, tastete er sich erstmals ans Schlagergenre. Erst waren Beats techno- und rockbesessenen Kollegen skeptisch, doch bald musste die beliebte Party aus Platzgründen ins X-tra am Limmatplatz verlegt werden. «Alle waren an der Lolli, doch niemand gab es zu», weiss Beat, «wir hatten einfach immer einen riesengrossen Spass.»

«Die ‹Lollipop-Party› hatte ihre Ups and Downs. In letzter Zeit sind die Besucherzahlen wieder stark angestiegen», so Beat. Obwohl die Party sich ausdrücklich an Schlagerfans und Freunde der leichten Popmusik richtet, wollte der DJ nie «in die Mallorca-Ecke» gedrängt werden. Primitive Trinkorgien oder Coolsein seien nie das Ziel gewesen. Die «Lollipop-Party» soll Musik aus den letzten 40 Jahren in einen einzigen Abend packen. Jedes Mal gibt es einen Karaokeraum und zwei Floors. Auf der grösseren Tanzfläche legt Beat DJ Käpten Lollipop selbst auf.

Ans Aufhören denkt Beat noch lange nicht. «Die ‹Lollipop› ist mir einfach zu sehr ans Herz gewachsen und als DJ Papi Electric produziere ich weltweit erfolgreich Reggaeton und Latinhits – da kann man nicht einfach von heute auf morgen loslassen.»

Infos

Die nächste «Lollipop»-Party findet am Freitag, 1. November, im Hiltl Club statt.

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