14.05.2019 – Kultur & Nachtleben

«Kunst tut doch gar nicht weh»

Interview: Sibylle Ledergerber

Der neuste Escape Room in Zürich richtet sich an museumsmüde Millennials. Die Mitgründerin Sandra Bickel und der Mitgründer Andreas Geis haben uns erklärt, wieso.

Bei Escape Rooms steht ja immer die Story im Mittelpunkt. Was ist eure?

Andreas: Es geht um ein Museum, das nicht so unbelebt ist, wie es im ersten Moment scheint. Da passieren Sachen, die der Spieler nur dann sieht, wenn er auch die Bilder genau anschaut. Und plötzlich ist er dann mitten in der Geschichte.

Ich muss aber nicht Kunst studiert haben, um zu entkommen?

Andreas: Wer es nicht schafft, Bilder richtig zu deuten, wird unseren Escape Room nie wieder verlassen! – Nein, keine Angst. Es geht hauptsächlich ums Entdecken und darum, zu erkennen, was überhaupt auf einem Bild zu sehen ist.

«Vor allem für die jungen Männer mussten wir uns eine neue Lösung überlegen – sie sind sonst kaum in Museen.»

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Das «amuze unlocked»-Team mit Andreas Geis (zweiter von links) und Sandra Bickel (zweite von rechts)

Ihr kommt ursprünglich aus der Museumsberatung. Wieso habt ihr jetzt einen Escape Room konzipiert?


Sandra: Weil wir erfahren haben, dass viele Museen gar nicht so recht wissen, was ihre Besucher und auch Noch-nicht-Besucher wirklich wollen. Deshalb wollten wir mit Engagement Migros vor zwei Jahren herausfinden, was Millennials an Museen interessiert – und umgekehrt.

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Und was interessiert Millenials?

Sandra: Im Austausch mit den Millennials haben wir schnell gemerkt, dass sie eigentlich ein grosses Interesse an Kultur und Museen generell haben, sie aber die «Verpackung» oft nicht anspricht.

Andreas: Vor allem für die jungen Männer mussten wir uns eine neue Lösung überlegen – sie sind sonst kaum in Museen.

Sandra: Die Frage war dann: Was machen männliche Millennials gerne in ihrer Freizeit? Die Antwort: Sie unternehmen gerne etwas mit Freunden, lieben Games aller Art und Herausforderungen.

«Man merkt schon, dass das eine Ausnahmesituation ist und lernt auch die Persönlichkeiten der Teammitglieder ziemlich gut kennen.»

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Und so habt ihr die Escape Rooms entdeckt?

Sandra: Ja. Bei der Recherche sahen wir, dass in Amerika und in Grossbritannien bereits Escape Rooms im Museumskontext existierten. Dann stiessen wir auf den kanadischen Gameprofessor Scott Nicholson. Nicholson hat erforscht, wie sich Themen mithilfe von Spielen besser vermitteln lassen. Er sowie die Designer Trix und Robert Haussmann halfen uns bei der Umsetzung.

Andreas: Um das Ganze einmal zu testen, haben wir dann im Team an einem Wochenende fünf Escape Rooms durchgespielt. Ich kannte das vorher nicht. Ich erkannte aber sofort das Potenzial. Wo gibt es das sonst: eine Welt, in die du – nicht nur in Gedanken – richtig eintauchen und alles berühren und entdecken kannst?

Oh, gleich fünf? War das nicht ziemlich belastend?

Sandra: Das nicht gerade, aber man merkt schon, dass das eine Ausnahmesituation ist und lernt auch die Persönlichkeiten der Teammitglieder ziemlich gut kennen.

Andreas: Oh, jetzt kommen noch intime Details ans Licht! – Nein, Quatsch. Wir hatten ein gutes Teamfeeling. Wenn man das aus Recherchegründen macht, ist es noch einmal etwas anderes.

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Was entgegnet ihr Millennials, die immer noch finden: «Kunst? Interessiert mich nicht!»

Sandra: Wir finden, dass die künstlerischen Prinzipien für alle inspirierend sein können; das Ausprobieren, das Hinterfragen – mutig seinen Weg zu gehen, aber auch einmal Scheitern zu dürfen.

Andreas: Genau, das bietet auch Anregung fürs eigene Leben. Und viele merken, wenn sie sich erst einmal mit Kunst auseinandersetzen: He, das tut ja gar nicht weh. Und in unserem Art Escape Room «amuze unlocked» macht es erst noch Spass!

Adresse

Löwenbräu-Areal
Limmatstrasse 270
8005 Zürich
Website

Infos

Der Escape Room «amuze unlocked» wird in Teams von 2 bis 8 Spielern gelöst. Das Spiel kann in Deutsch oder Englisch gespielt werden, das Mindestalter ist 12 Jahre. Um längere Wartezeiten zu vermeiden, kann das gewünschte Datum zuvor online reserviert werden.