10.04.2019 – Kultur & Nachtleben

1000 Franken Trinkgeld für den Bike Butler

Seit sieben Jahren fährt Beat Menzi mit seinen Rikschas Partygänger, Senioren und Hochzeitspaare durch Zürich. Uns hat der Bike Butler die Langstrasse gezeigt.

Der kalte Wind pfeift Beat Menzi um die Ohren. Die Saison hat für den Bike Butler gerade erst begonnen und die Nächte sind noch kalt. «Mach dir keine Sorgen, ich bin ja in Bewegung», meint Beat allerdings nur lässig über die Schulter. Denn beim Rikscha-Stadtführer «Bike Butler» werden herkömmliche Velos und keine E-Bikes verwendet. So kommt Beat manchmal sogar im praktischen Funktions-Butler-Shirt ins Schwitzen. Und auch mich kümmern Wind und Wetter nicht: In der Rikscha bleibt es schön gemütlich.

«Hey, fährst du mich nach Birmensdorf?»

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Jetzt rauschen wir mit Beat die Langstrasse entlang. Manche beäugen das Gefährt kritisch. Die Rikscha mit Partysound – es läuft gerade «On The Floor» von Jennifer Lopez – fällt auf. Besonders unter der Woche, wenn es auch an der Langstrasse ruhiger ist. Eine Geruchsmischung aus E-Zigaretten und würzigem Fast Food weht uns entgegen.

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Vor der Olé Olé Bar stehen Raucher und ein paar gefährlich wankende Gestalten. «Hey, fährst du mich nach Birmensdorf?», fragt einer und lacht. Er rechnet wohl nicht damit, dass Beat das ohne Weiteres tun würde. Doch wir müssen weiter – eine Person hat sich bereits zombieartig mit einem breiten Grinsen Richtung Rikscha in Bewegung gesetzt. Beat fährt wieder an. «Ich übernehme sonst die Tagestouren», sagt Beat. Sein Geschäftspartner Arjun könne jedoch viele Geschichten von nächtlichen Begegnungen und langen Partynächten erzählen.

Die Rikschas sind auch Partytaxis, welche die Passagiere von Club zu Club fahren.

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2012 startete Beat Bike Butler mit einer Rikscha. Er hatte genug von seinem Bürojob. «Ich wollte an die frische Luft und unter Leute», erzählt Beat. Inzwischen besteht die Flotte von Bike Butler aus vier Rikschas.

Als wir das X-tra passieren, ertönt Katy Perrys «Roar» aus der Anlage. An Wochenenden drängen sich hier Partywütige vor dem Eingang. Beat erzählt, dass die Rikschas auch als Partytaxis benutzt werden. Arjun fährt dann seine Passagiere von Club zu Club.

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Die Fahrer von Bike Butler sind nicht nur für das Partyvolk zur Stelle, sie können auch für verschiedene Stadttouren sowie Hochzeiten gebucht werden. Auch Seniorentransporte, bei denen sie rüstigere Fahrgäste zum Beispiel in die Stadt zum Einkaufen fahren, bietet die Firma an. «Senioren gehören zu den spannendsten Fahrgästen – sie kannten Zürich schon, als es hier noch ganz anders aussah», sagt Beat. Die Rentnerinnen und Rentner teilen ihre Geschichten gerne mit dem Bike Butler. «Sonst kommen sie oft nicht mehr gross vor die Tür», erzählt er. So lernt Beat im Gespräch Fakten rund um die Stadt, wie sie ihm nur Zeitzeugen geben können – Erinnerungen an eine Zeit, in der die Langstrasse noch keine Ausgangsmeile war.

Der Wankende ist noch immer draussen. Er tanzt zu einer Melodie, die nur er hören kann.

«Einmal gab mir ein Kunde einen Krügerrand als Bezahlung», erzählt Beat. Der würde schon in etwa die 150 Franken wert sein, die mir der Fahrgast schuldet, dachte sich der Bike Butler damals. Doch dann fand er heraus, dass die Goldmünze über 1000 Franken wert ist. «So viel Trinkgeld gab’s noch nie», sagt Beat, lacht und biegt ab.

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Auf dem Rückweg passieren wir noch einmal die Olé Olé Bar. Der Wankende ist noch immer draussen. Er tanzt zu einer Melodie, die nur er hören kann. Keine Ahnung, ob er den Weg über die Strasse zum Bahnhof und nach Hause findet. Wenn er seine letzte Verbindung verpasst: Bike Butler sind auch dann noch im Einsatz, wenn die Züge längst im Depot stehen.

Infos

Bike Butler bietet die verschiedensten Stadtrundfahrten für jeweils maximal vier Personen (in zwei Rikschas) an. Eine Stunde kostet 100 Franken. Weitere Infos findest du hier.