Ting

Daniela Geisser verkauft in ihrem Laden an der Quellenstrasse Design aus der Schweiz und aus Skandinavien.

Text: Eva Hediger Fotos: Jasmin Frei

In Dänemark steht «Ting» für ein Ding, im Kreis 5 jedoch für einen Laden mit den unterschiedlichsten Dingen: Im Ting gibt es Spielzeug, Kleider, Accessoires und Haushaltsgegenstände. Weil der Shop Ende Juni schliesst, bringen wir nochmals das Porträt aus dem Jahr 2019.

Auf der Homepage des Ting wird Daniela Geisser als «die Crazy» bezeichnet. «Das mit dem Ting ist nämlich wirklich etwas verrückt», erklärt sie. Die studierte Sozialpädagogin träumte seit jeher von einem eigenen Laden. «Kunden beraten, die Kasse bedienen ... Das fand ich schon immer toll!» Daniela lacht.

«Kunden beraten, die Kasse bedienen ... Das fand ich schon immer toll!»

Daniela Geisser

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Mitte der Zehnerjahre kündigte die Zürcherin schliesslich ihre Stelle in der Arbeitsintegration. Sie eröffnete mitten in Witikon einen über hundert Quadratmeter grossen Pop-up-Store. Daniela und ihr Team verkauften dort zehn Monate lang unter anderem Produkte, die an ihrer vorherigen Arbeitsstelle, einer integrativen Werkstatt, hergestellt wurden – darunter ein Bilderrahmen aus Holz, der nun auch im Ting erhältlich ist.

Mehr als die Hälfte der Artikel wurde von Schweizer Designern entworfen.

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Der Pop-up-Store war ein Erfolg. Da Witikon relativ weit weg vom Stadtzentrum entfernt liegt, gibt es kaum Läden wie den Ting. Besonders Mütter mochten ihn. «Die Mamis wollten den Ting manchmal gar nicht mehr verlassen!», berichtet Daniela freudig. Gerne wäre sie an der Adresse geblieben, doch der befristete Vertrag wurde nicht verlängert.

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So musste Daniela 2017 nach einem neuen Standort suchen. An der Quellenstrasse im Kreis 5 wurde sie schliesslich fündig. «Hier gibt es nicht so viel Laufkundschaft», sagt Daniela. Doch mittlerweile hat sich der Ting im Quartier etabliert. Was viele der Nachbarinnen und Nachbarn nicht wissen: Der Ting bietet Jugendlichen, die aktuell nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt beschäftigt werden können, Praktika und Aufbautrainings an. Doch Daniela spricht nicht gross darüber. «Dieses Engagement ist mir zwar sehr wichtig», sagt sie. «Ich möchte aber einfach nicht, dass es als PR missverstanden wird.»

In einer Sitzecke beim Schaufenster kann Kaffee getrunken werden.

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So schwärmen die Kreis-5-Bewohner denn auch hauptsächlich vom Sortiment des Ting. Mehr als die Hälfte der Artikel wurde von Schweizer Designerinnen und Designern entworfen, der Rest stammt grösstenteils von skandinavischen Labels. «Wir bieten eine gute Mischung aus Geheimtipps und etablierten Marken an», erzählt Daniela. Sie sucht immer wieder nach neuen Produkten, internationale Messen besucht sie jedoch kaum. Lieber durchforstet sie Instagram nach aufstrebenden Labels oder arbeitet mit Absolventinnen und Absolventen der Zürcher Hochschule der Künste zusammen.

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Die Artikel im Ting sind fair produziert und hochwertig. «Es ist wahnsinnig aufwendig, die Herstellungsbedingungen zu überprüfen», räumt Daniela ein, «doch es lohnt sich.» Auch weil die Kundschaft immer kritischer geworden ist. Das schätze sie eigentlich sehr, sagt Daniela. Überhaupt mag sie den Austausch mit ihren Kundinnen und Kunden. «Alle sind so wahnsinnig freundlich.» Deshalb dürfen sie gerne länger im Ting verweilen: In einer Sitzecke beim Schaufenster kann Kaffee getrunken werden, und freitags gibt es gar Cupcakes und Sandwiches von benachbarten Produzenten.

Adresse

Ting
Quellenstrasse 6
8005 Zürich
+41 44 382 98 76
Website

Öffnungszeiten

Dienstag bis Freitag, 12–19 Uhr
Samstag, 11–17 Uhr