20.08.2018 – Kultur & Nachtleben

Zeitreise am Open-Air-Kino Röschibachplatz

Text: Reto Baer

Zu seinem 20-jährigen Jubiläum offeriert das Open-Air-Kino Röschibachplatz eine Zeitreise in die 60er und 70er Jahre, als Lausbuben und Radioreporter noch keine Handys hatten. Gezeigt werden die beiden Schweizer Filme «Mein Name ist Eugen» und «Les Grandes Ondes». Der Eintritt ist frei.

Die 20. Ausgabe des Open-Air-Kinos Röschibachplatz wartet mit zwei nostalgischen Schweizer Filmen auf. Der eine basiert auf dem Jugendbuch-Klassiker «Mein Name ist Eugen» aus dem Jahr 1955, dessen Handlung im Film jedoch in die frühen 60er Jahre verlegt wurde. Der andere heisst «Les Grandes Ondes» und versetzt das Publikum in die 70er Jahre, als Radioreporter noch mit portablen Tonbandgeräten unterwegs waren. Und auch das Jahr 1998 spielt eine Rolle. Denn damals wurde das Open-Air-Kino Röschibachplatz gegründet.

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Vor 20 Jahren führte der Quartierverein am Einweihungsfest des Röschibachplatzes einen Wettbewerb durch: «1001 Ideen zur Belebung des Röschibachplatzes» wurden gesucht. Die Idee eines Open-Air-Kinos erhielt die meisten Stimmen aus der Bevölkerung. Seither werden stets am ersten Wochenende nach den Sommerferien auf dem Platz gleich neben dem Bahnhof Wipkingen gratis zwei Filme unter freiem Himmel gezeigt. Eine Kollekte hilft die Unkosten zu decken.

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Je nachdem wie eng die Zuschauer auf den Bänken sitzen, finden 100 bis 200 Leute Platz. Manche bringen auch ihre eigene Sitzgelegenheit mit. Die meisten Besucher kommen aus Wipkingen, doch es finden immer auch einige Filmbegeisterte aus anderen Quartieren den Weg an den Röschibachplatz, zumal man dort ab 19 Uhr auch essen und trinken kann.

Die ersten Filme wurden noch auf 16-Millimeter-Film gezeigt. 1998 waren das «Nacht der Gaukler» und «American Graffiti». Heute kommt ein leistungsstarker Beamer zum Einsatz. «Wenn ich daran denke, wie oft wir früher Unterbrüche hatten, weil die Tonlampe ausstieg oder der Film riss …», erinnert sich Mitorganisator Florian Imbach. Nun werden die Filme zwar digital projiziert, entführen das Publikum aber trotzdem in die Vergangenheit.

Über 580’000 Leute wollten die lustigen Lausbubenstreiche sehen.

«Mein Name ist Eugen» schildert nämlich, wie die vier Freunde Eugen, Wrigley, Bäschteli und Eduard Anfang der 60er Jahre ausreissen, um Fritzli Bühler (Beat Schlatter), den legendären König der Lausbuben, zu suchen. Michael Steiners Film kam 2004 beim einheimischen Publikum wohl so gut an, weil der nostalgische Blick zurück und die Reise der Jungs durch die Schweiz mit ironischem Augenzwinkern dargeboten wurden. Über 580’000 Leute wollten die lustigen Lausbubenstreiche sehen.

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Diese Zuschauerzahl erreichte der Westschweizer Film «Les Grandes Ondes» aus dem Jahr 2013 nicht annähernd. Was nicht verwundert, denn die beschwingte Komödie spricht eben nicht alle Altersklassen an, sondern «nur» Erwachsene. Die Geschichte blendet ins Jahr 1974 zurück, als ein Bundesrat vom Chef des Westschweizer Radios verlangt: «Die Schweiz braucht unterhaltsam-positive Medienberichterstattung. Hände weg von Beiträgen über AKW-Streitereien, die Rolle der Banken während des Zweiten Weltkriegs oder das Frauenstimmrecht!»

Die Equipe tuckert in ihrem VW-Bus ziemlich überfordert durch Portugal und gerät sogar mitten in die «Nelkenrevolution».

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Deshalb entsendet der Radiochef ein etwas nerdiges Reportertrüppchen nach Portugal. Dort soll es über gelungene helvetische Entwicklungshilfe berichten. Doch vor Ort scheint nichts richtig zu klappen. Daher tuckert die Equipe in ihrem VW-Bus ziemlich überfordert durch Portugal und gerät sogar mitten in die «Nelkenrevolution», die gegen die damals herrschende Diktatur ausgerufen wurde. Lionel Baiers «Les Grandes Ondes» ist ein cleveres Roadmovie, das mit viel Witz und Charme zu überzeugen vermag.

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Charme hat auch das kleine Open-Air-Kino am Röschibachplatz, das von ehrenamtlichen Organisatoren dieses Jahr zum 20. Mal als Non-Profit-Anlass auf die Beine gestellt wird. Schöner bekommt man die beiden Schweizer Filme – den einen in Mundart, den anderen auf Französisch – nicht noch einmal zu sehen.

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Adresse

Open-Air-Kino Röschibachplatz
Röschibachplatz
8037 Zürich

Infos

Freitag, 24. August: «Mein Name ist Eugen»
Samstag, 25. August: «Les Grandes Ondes» (um 19 Uhr Konzert mit Count Daisy)

Filmbeginn: 21 Uhr

Die Website des Open-Air-Kinos findest du hier