24.05.2018

So raubten wir mit Roland Arato eine Bank aus

Text: Heike Specht Fotos: Cemil Erkoç

Cafés, Clubs, Bars und Kinos gibts zuhauf in Zürich. Was aber, wenn man so richtig den Nervenkitzel sucht? Mal eine Bank ausrauben oder den Code zu einem U-Boot knacken will? Vor zwei Jahren gründete der Wirtschaftsstudent Roland Arato mit drei Freunden den Panic Room ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs. Seither können Abenteuerlustige hier ihr blaues Wunder erleben.

Mich fröstelt es, und ich schlage den Kragen meines Trenchcoats hoch. Seit heute Morgen regnet es – das perfekte Wetter für einen Banküberfall. Schon von Weitem sehe ich Roland Arato, der den ganzen Plan ausgetüftelt hat. Er steht vor einer unscheinbaren Tür in der Löwenstrasse, nur einen Steinwurf entfernt von den Banken am Paradeplatz. Ein konspiratives Lächeln und ein Blick über die Schulter. Wir wollen ja nicht unbedingt gesehen werden. Nachher, wenn es ernst wird, werden wir Masken tragen. Sicher ist sicher.

Seit heute Morgen regnet es – das perfekte Wetter für einen Banküberfall.

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«Seid ihr gut vorbereitet?», fragt uns Roland Arato. Meine Kollegin und ich nicken vage. Bei einem Coup wie diesem weiss man ja nie, was einen erwartet. Das macht den Kick aus. Wir folgen Roland eine Treppe hinab in einen Keller mit dicken Wänden. Noch flackert grelles Neonlicht, nachher wirds dunkel, das ahnen wir. «Habt ihr alles?», will er wissen. Wir checken unsere Taschenlampen und das technische Equipment, um die Laser lahmzulegen. Ich kontrolliere meinen Gurt. Ja – wir haben auch Waffen. Nur für den Notfall, versteht sich.

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Roland Arato hat sich die Rätsel mit seinem Team selbst ausgedacht.

Wir bekommen letzte Instruktionen. Dann gibt es kein Zurück mehr. Ich sehe meine Kollegin an. Die Maske, die sie sich übergezogen hat, grinst hämisch zurück: «Wir gehen rein.» Die einzige Verbindung zur Aussenwelt ist das Walkie-Talkie. Falls die Schmier anrückt, gibt man uns ein Zeichen.

Die einzige Verbindung zur Aussenwelt ist das Walkie-Talkie.

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Und schon läuft die Zeit. Ganze sechzig Minuten. Wir versuchen, uns zu orientieren. Einschüchternd prangt die riesige Tresortür am Ende des Raumes. Dem Impuls, gleich dort zu beginnen, quasi im Herz des Ganzen, dürfen wir jedoch keinesfalls folgen. «Geh nicht zu nah ran!» Ich mache einen Schritt zurück. Denn wenn wir in die Laserstrahlen geraten, wird ein Alarm ausgelöst.

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Erst müssen wir mysteriöse Rätsel lösen, die uns alles abverlangen. Kryptische Hieroglyphen, japanische Degen mit scharfen Klingen und rätselhafte Gemälde erwarten uns. Immer wieder der nervöse Blick auf die unbarmherzig rasenden roten Zahlen der Digitaluhr. Hastig tippen wir Zahlenkombinationen ein. Und tatsächlich – die schwere Stahltür öffnet sich langsam.

Immer wieder der nervöse Blick auf die unbarmherzig rasenden roten Zahlen der Digitaluhr.

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Wir glauben uns am Ziel, nur um festzustellen, dass die Dokumente immer noch fest verschlossen in einem weiteren Safe liegen. Nur noch wenige Minuten. Schaffen wirs, den richtigen Code zu entschlüsseln? Jetzt bloss nicht die Nerven verlieren. Da – die Lampen am Safe blinken grün auf. Wir schnappen uns den Koffer und nehmen die geheimen Papiere an uns. Aber wo gehts raus? Man hört schon Sirenen – oder bilde ich mir das ein? Gleich läuft die Zeit ab. Dann war alles umsonst. Endlich finden wir den Ausgang und jubeln.

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Roland begrüsst uns grinsend, die Kaffeetasse in der Hand: «Wie wars?» «Geschafft!», antworten wir noch ganz aufgekratzt. Wir geben unsere Revolver zurück, ziehen die Masken ab und schlüpfen langsam wieder aus unseren Rollen. Verwandeln uns wieder in brave Bürgerinnen, die eine Bank höchstens betreten, um Geld abzuheben.

Wir geben unsere Revolver zurück, ziehen die Masken ab und schlüpfen langsam wieder aus unseren Rollen.

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«Was reizt die Leute, die zu euch kommen?», will ich anschliessend von Roland wissen. «Bei uns gibts echtes Abenteuer», erwidert er und sieht mich an, «hier kannst du dich testen.» Ich nicke. Es ist zweifellos ein Erfolgserlebnis, wenn ein Rätsel gelöst ist und man dem Tresor einen Schritt näher kommt. Man lernt seine Begleitung auch ganz neu kennen. Nicht umsonst ist der Panic Room ein beliebtes Ausflugsziel für Firmen. Stichwort: Team-Building. Aber auch Polterabende und Geburtstage werden hier gefeiert. Wer möchte, kann gleich noch ein Abendessen im benachbarten italienischen Restaurant Spiga dazu buchen.

Es ist zweifellos ein Erfolgserlebnis, wenn ein Rätsel gelöst ist und man dem Tresor einen Schritt näher kommt.

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Die Studenten haben die Rätsel ausgeknobelt und in Handarbeit die beiden Räume gestaltet.

Roland hat seine Kindheit und Jugend in der Schweiz, in Ungarn und in den USA verbracht. In Budapest, wo diese Art Games seit Jahren sehr beliebt sind, hat er sich durch sämtliche Escape Rooms gespielt und beschlossen, dass es genau das ist, was Zürich braucht. Zusammen mit drei Kollegen hat er an der Löwenstrasse die perfekten Räumlichkeiten gefunden. Sie haben die Rätsel ausgeknobelt und in Handarbeit die beiden Räume – das U-Boot und den Tresor – gestaltet. «Für uns Studenten, die sonst am Schreibtisch hocken, war das eine echte Herausforderung: Fliesen legen, Elektrik installieren, Wände streichen», erzählt Roland. Zur Vorbereitung haben die Freunde auch Hollywoodfilme geschaut. «Mission Impossible – Aber wir habens hingekriegt», denke ich und muss lächeln. Von wegen die Bank gewinnt immer!

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Adresse


Panic Room Games
Löwenstrasse 67
info@panicroomgames.com
+41 76 604 43 46

Infos

Die «Panic Room Games» werden in einem Team aus zwei bis sechs Personen gelöst. Es stehen die beiden Räume «Das Wrack» und «Der Heist» zur Auswahl, die online gebucht werden können. Als Spielsprache kann Deutsch oder Englisch ausgewählt werden.