06.09.2018 – Kultur & Nachtleben

«Ich habe mich mit Wolfman unter der Bühne verkrochen»

Die Fotografin Tatjana Rüegsegger hat Schweizer Musikerinnen und Musiker vor der Wand des Schiffbaus abgelichtet. Jetzt veröffentlicht sie eine Auswahl der Bilder in der ersten Ausgabe von «music on the wall». Vor der Vernissage erzählt uns die Zürcherin die Geschichte hinter ihren anderen Lieblingsfotos.

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«Seit fünf Jahren fotografiere ich am Musikfestival Great Escape in Brighton Bands – pro Ausgabe etwa dreissig. Es ist Teil eines grösseren Projekts: In zehn Jahren sollen die Bilder veröffentlicht werden und so zeigen, wie sich die damaligen Newcomer weiterentwickelt haben. Die Porträts entstehen oft bei der ersten Begegnung, die meist nicht länger als fünf Minuten dauert – inklusive Händedruck. Pale Seas fühlten sich direkt recht wohl und alberten sofort ein wenig rum. Ein Bandmitglied ist etwa zwei Meter gross, ein anderes relativ klein. Der Kleinere fand, er müsse den Grössenunterschied ausgleichen – und stand deshalb fast direkt vor meiner Linse.»

«Die Porträts entstehen oft bei der ersten Begegnung, die meist nicht länger als fünf Minuten dauert.»

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«Ich setze Musiker ungern in Szene oder gebe ihnen Anweisungen. Ich habe dann das Gefühl, dass sie sich verstellen. Deshalb ist Dokumentation meine Lieblingsart zu fotografieren. Dieses Bild entstand total spontan. Ich sass mit Freunden am Strand von Brighton, als plötzlich dieses Trio auftauchte. Die Männer legten ihre Instrumente in den Sand und standen entspannt dort. Ich wusste sofort, dass ich diese ungekünstelte Szene fotografieren wollte! Ich sprang also auf und fragte, ob ich ein Foto machen dürfe. Erst nachher habe ich mich als Fotografin vorgestellt und erfahren, dass die drei wirklich in einer Band sind. Sie heisst Sistertalk und ist sogar noch ziemlich cool.»

«Ich setze Musiker ungern in Szene oder gebe ihnen Anweisungen.»

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«Das Foto zeigt Wolfman. Ein Duo aus Zürich, das ich sehr mag. Wir haben uns unter der Bühne des OpenAir St. Gallen verkrochen, um Bilder zu machen. Ich war mit der Aufnahme lange nicht zufrieden, weil ich fand, dass sie zu viele Schatten hat. Mittlerweile gefällt sie mir aber sehr. Aufgenommen habe ich das Foto vor etwa vier Jahren. Konzerte und Bands fotografiere ich, seit ich 15 Jahre alt bin – ich habe im damaligen Club Abart angefangen. Halbwegs davon leben kann ich seit etwa zwei, drei Jahren.»

«Konzerte und Bands fotografiere ich, seit ich 15 Jahre alt bin.»

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«Das ist ein Bild der Badener Band One Sentence. Supervisor und dem Musiker Fridge aus Zürich. Eigentlich war das die Shootingzeit von One Sentence. Supervisor. Doch Fridge stand daneben und trug sogar noch ein Fanshirt der Band – ‹Temporär Musik 1–13› heisst ein Album von One Sentence. Supervisor. Das war an einem Abend des Musikfestivals M4Music in diesem Jahr. Vor der Wand des Schiffbaus habe ich auch die Musikerinnen und Musiker für ‹music on the wall› fotografiert. Der niederländische Fotograf Anton Corbijn hat mal gesagt: ‹Wer eine gute Wand hat, braucht gar kein Fotostudio.› Ich gebe ihm recht.»

Adresse

Amboss Rampe
Zollstrasse 80
8005 Zürich

Infos

Am Donnerstag, 13. September, wird in der Amboss Rampe die erste Ausgabe von «music on the wall» gefeiert. Beginn ist um 18 Uhr. Im Anschluss finden Konzerte statt.

«music on the wall» ist im Miniverlag Primitivo erschienen und beinhaltet Bilder von unter anderem Pablo Nouvelle, One Sentence. Supervisor, Rio Wolta sowie Steiner & Madlaina. Falls nach der Vernissage noch Ausgaben erhältlich sind, können diese hier bestellt werden.