22.08.2018

«Wir haben nicht den Anspruch, dass die Leute die ganze Nacht herumrennen»

Seit 19 Jahren lockt die Lange Nacht der Zürcher Museen tausende von Besucherinnen und Besuchern an, darunter auffällig viele junge Menschen, die man nicht zu den klassischen Museumsgängern zählt. Wir haben Nicole Mayer, Geschäftsführerin des «Vereins Zürcher Museen», nach dem Erfolgsrezept des Anlasses gefragt – und dabei auch erfahren, was ein Museum per Definition überhaupt ist. Dieses Jahr findet die Lange Nacht am 1. September statt. Wir verschenken 5x2 Tickets im Wert von 250 Franken. Schicke uns bis am 26. August, 18 Uhr, eine Mail mit dem Betreff «Lange Nacht».

In einem Museum setzt man sich mit einer Ausstellung intensiv auseinander und taucht in eine Themenwelt ein. Das braucht Zeit. In der Langen Nacht der Zürcher Museen haben Besucher die Wahl zwischen stolzen fünfzig Ausstellungsorten. Ist das nicht ein Widerspruch?

Nicole Mayer: Viele Besucher haben bereits vorher im Programm-Booklet ihre Lieblingsmuseen herausgesucht und markiert. Ich würde sagen, dass die meisten Leute vier oder fünf Orte besuchen. Man bleibt auch mal hängen, weil jedes Museum – anders als im regulären Betrieb – ein besonderes Rahmenprogramm bietet. Wir haben nicht den Anspruch, dass die Leute die ganze Nacht herumrennen, wollen aber zeigen, dass es alleine in Zürich ein riesiges, vielseitiges Angebot gibt. Und natürlich, auf der anderen Seite gibt es sicher auch Besucher, die möglichst viel fürs Geld herausholen wollen und mehr als vier, fünf Orte besuchen.

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Warum findet der Event eigentlich in der Nacht statt? Hätte man zum Beispiel am Wochenende tagsüber nicht mehr Zeit?

Die Lange Nacht der Zürcher Museen wurde vor 19 Jahren ins Leben gerufen, um ein jüngeres Publikum anzusprechen. Und das funktioniert bis heute. In der Nacht mit Barbetrieb, kulinarischem Angebot und Rahmenprogramm hat das Ganze halt doch einen Eventcharakter: Ein Museumsbesuch wird zu einem besonderen Erlebnis. Wir sprechen aber auch klassische Museumsgänger an, die das andere Ambiente ebenfalls schätzen.

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Ist die Lange Nacht der Zürcher Museen eine Zürcher Erfindung?

Nein, die erste Lange Nacht der Museen hat Ende der 90er-Jahre in Berlin stattgefunden. Zürich hat ein paar Jahre später nachgezogen. Überhaupt: «Lange Nächte» sind eine wahre Erfolgsgeschichte, die viele Nachahmer gefunden hat. So gibt es die Lange Nacht der Karriere, Wohnungsbesichtigungen, Kirchen, Mathematik, Hotelbars etc. Nicht alle Anlässe erscheinen mir aber gleich originell (lacht).

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Als Museen sind auch der Zoo oder der Botanische Garten dabei. Der Museumbegriff ist weit gefasst. Wer kann eigentlich mitmachen?

Der Veranstalter der Langen Nacht ist der Verein Zürcher Museen mit 57 Mitgliedern. Diese Museen sind eingeladen, an der Langen Nacht teilzunehmen. Es gibt eine international gültige Definition von «Museum». Die ist aber recht streng. Danach muss ein Museum unter anderem Forschung betreiben und eine ständige Sammlung haben. Das trifft auf manche Institutionen wie zum Beispiel eine Kunsthalle nicht zu. Trotzdem werten wir solche als «Museen» und haben die Definition darum für unseren Zweck leicht angepasst. Der Zoo oder der Botanische Garten entsprechen der gültigen Definition übrigens schon eher. Auch wenn dies in der allgemeinen Wahrnehmung nicht so klar ist, wird hier Forschung betrieben und eine Sammlung unterhalten.

«Eine Bar, die ein paar Bilder aufgehängt hat, kommt zum Beispiel eher nicht in Frage.»

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Macht ihr auch Ausnahmen?

Auf jeden Fall, wir haben immer mal wieder Gäste, die nicht zu hundert Prozent unserer Mitgliederdefinition entsprechen. Ihre Teilnahme wird von Fall zu Fall besprochen. Eine Bar, die ein paar Bilder aufgehängt hat, kommt zum Beispiel eher nicht in Frage. Grundsätzlich sind wir aber offen für alternative Konzepte und spezielle Orte, wenn diese einen Mehrwert für die Besucher darstellen.

«Die Führungen sind auch um 1 Uhr noch sehr gut besucht.»

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Und wie lange ist die Nacht wirklich?

Die meisten Museen haben bis 2 Uhr morgens geöffnet. Auch wenn der Besucherstrom nach Mitternacht etwas nachlässt oder manche Besucher weiterziehen, sind auch Führungen um 1 Uhr noch sehr gut besucht. Einzelne Museen öffnen dieses Jahr bereits um 18 Uhr, was für Familien attraktiv ist. Früher dauerte die lange Nacht sogar bis 4 Uhr, was man mangels Nachfrage aber bald wieder aufgegeben hat. Zudem nehmen die meisten Museen am nächsten Morgen wieder ihren regulären Betrieb auf.

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