08.08.2018 – Kultur & Nachtleben

«Das Aussehen ist nur ein Aspekt»

Text: Eva Hediger

Milky Diamond und Vicky Goldfinger zählen zu den glamourösesten und erfolgreichsten Drag Queens in Zürich. Jetzt geben die beiden ihr Wissen in einem Workshop weiter.

Mit deiner Kollegin Vicky Goldfinger bietest du einen Workshop für Drag Queens an. Wer hat sich bis jetzt angemeldet?

Eigentlich wollten wir mit dem Workshop Personen ansprechen, die bereits als Drag Queens auftreten und sich professionalisieren wollen. Es haben sich aber eigentlich nur Neulinge angemeldet. Vielleicht sind die erfahrenen Drag Queens zu stolz, um einen Kurs zu besuchen – oder wir haben den Kurs falsch beworben. Jedenfalls haben wir das Programm auf die Teilnehmer angepasst und konzentrieren uns auf die Basics wie zum Beispiel Make-up und Bühnenpräsenz.

image

Milky Diamond will ihr Wissen teilen. Fotos: Pascal Bovey

«Vicky und ich treten immer öfter an Heteropartys auf.»

Wieso interessieren sich so viele Anfänger für den Workshop?

Drag Queens werden auch im Mainstream beliebter – unter anderem auch wegen der amerikanischen Realityshow «RuPaul’s Drag Race». Vicky und ich treten immer öfter an Heteropartys auf. Das macht es natürlich auch für andere interessanter, als Drag Queens zu arbeiten, weil man immer mehr Geld verdienen kann.

Anzeige

image

Vicky Goldfinger organisiert den Kurs mit.

Hast du keine Angst, mit dem Kurs für noch mehr Konkurrenz zu sorgen?

Nein. Irgendwann hat man das Nachtleben gesehen. Vicky und ich treten vermehrt an Privatanlässen wie zum Beispiel an Geburtstagen auf. Wir wollen uns auch für die Community engagieren und unsere Erfahrungen weitergeben. Den Workshop fanden viele eine gute Idee. Wir werden vom Online-Beratungsangebot Dr. Gay und vom Gay-Event Heldenbar gesponsert und konnten deshalb die Kurskosten senken.

Du trittst seit fünf Jahren als Milky Diamond auf. Wie hast du dir dein Wissen angeeignet?

Damals gab es noch nicht viele Drag Queens. Ich war eine der ersten, die auch in die Medien und mit ihren Shows Geld verdienen wollte. Das Handwerk habe ich mir selbst beigebracht: Ich habe mich von «RuPaul’s Drag Race» inspirieren lassen und viele YouTube-Tutorials geschaut. Vieles war aber auch Trial and Error.

Letztes Jahr engagierte Crimer Milky Diamond für seinen Videoclip.  

Für welchen Tipp wäre die junge Milky Diamond dankbar gewesen?
Dass man sich nicht unter dem Wert verkaufen sollte! Viele Drag Queens treten für geringe Summen oder Getränkegutscheine auf. Ein Türsteher würde für einen solchen Lohn auch nicht arbeiten.

Und für die Show?
Ich habe früher komplizierte Tanzchoreografien einstudiert und mich minutenlang auf der Bühne verrenkt. Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen! Es reicht, wenn man weiss, wer man ist. Mit dieser selbstbewussten Ausstrahlung wickelt man das Publikum rasch um den Finger.

Seit zehn Staffeln sucht RuPaul Amerikas nächsten Drag-Superstar.

Was macht eine gute Drag Queen sonst noch aus?
Auch wegen der Sendung «RuPaul’s Drag Race» denken viele, dass es nur um den Look und teure Kleider geht – die Teilnehmer dort tragen ja oft Designersachen. Natürlich ist das Aussehen auch ein Aspekt. Aber viel wichtiger ist es, dass man die Leute begeistern kann und für die Community einsteht. Auch wenn man denkt, dass man die Beste und Schönste sei, muss man bodenständig bleiben.

Adresse

Heldenbar
Sihlquai 240
8005 Zürich

Infos

Der Workshop findet am Sonntag, 26. August, 2. September und 9. September, im Hyperlokal statt. Am Mittwoch, 12. September, zeigen die Teilnehmer ab 22 Uhr in der Heldenbar ihre Performances. Dieser Teil ist öffentlich.

Die vier Kurstage kosten 350 Franken. Interessierte können sich bis Montag, 20. August, hier anmelden. Weitere Workshops sind im nächsten Jahr geplant.