Villa Tobler

Stefanie Rigutto zeigt uns einen ihrer Lieblingsorte: den vergessenen Park der Villa Tobler abseits von Lärm und Hektik.

Warum an den See liegen, wenn es in der Altstadt so viel entspannter ist? Der Garten der Villa Tobler ist der vielleicht stillste Ort des Quartiers – vergessen von den Touristen, vergessen auch von den Anwohnern. Riesige Blutbuchen spenden Schatten, beim Drachenbrunnen schwört man sich ewige Liebe. Gehts noch besser?

Auf der Oberdorfstrasse spaziert man zwischen Touristengruppen, vor dem Kinderbuchladen kläfft ein Hund, weiter vorne diskutiert lauthals ein junges Paar. Wir flüchten in die Trittligasse. Die Stille verschluckt uns. Plötzlich diese Ruhe! Wir steigen hoch, kommen runter. Die vielen kleinen Treppenstufen sind die reinste Meditation. Bald hört man nur noch den Gesang einer Amsel.

Die Stille verschluckt uns. 


Am Ende der Gasse wartet der Garten der herrschaftlichen Villa Tobler. Es ist ein Ort, den man meist ganz für sich hat. Den Liebhabern historischer Fakten sei verraten: Die Villa wurde Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut, im spätklassizistischen Stil – übrigens vom selben Architekten, der auch den Bahnhof Zürich konstruiert hat, den heutigen Hauptbahnhof.

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Es ist ein Park für jede Jahreszeit: Im Frühling sitzt man geschützt an der Hauswand und sieht den Osterglocken zu, wie sie durch die Erde drücken. Im Sommer lässt man sich beim Brunnen mit dem Goldmosaik nieder und geniesst die Kühle des Wassers. Das Steinbänkli beim Drachenbrunnen ist wie gemacht für zwei Liebende: Wo, wenn nicht hier, sich die ewige Treue schwören? Im Herbst türmt sich das Laub zu riesigen Bergen auf, man watet darin wie durch einen reissenden Fluss. Ich mag die imposanten Blutbuchen, die aus der Entstehungszeit des Gartens stammen. Der Stamm ist so dick, dass man eine Handvoll Freunde zur Umarmung braucht. Und im Winter? Dann ist der Park noch stiller als sonst.

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Im Garten der Villa Tobler erschrickt man ab seinem eigenen Nieser – so ruhig und friedlich ist es hier. Hörte man nicht vom Hirschengraben her ab und zu ein Auto hupen, man wähnte sich definitiv nicht im Zentrum der grössten Schweizer Stadt. Hier wird nicht grilliert, kein Fussball gespielt und auch kein Bootcamp veranstaltet. Es gibt keine Musik, keine Glace-Verkäufer und keine Frisbee-Spieler. Kurz: Im Garten der Villa Tobler ist es herrlich langweilig. Man kann hier nämlich gar nichts machen. Ausser sitzen und dem Rauschen in den Ohren lauschen.

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Übrigens

Wer auf dem Weg zurück ins Oberdorf die Stille noch ein bisschen verlängern will, spaziert durch die Frankengasse – garantiert die einsamste Gasse der Altstadt! Hier haben die Bewohner Blumentöpfe vors Haus gestellt, da gibt es eine Büsileiter und Leute, die freundlich grüssen. An der Frankengasse, da ist die Welt noch in Ordnung.

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Adresse

Villa Tobler
Winkelwiese 4
8001 Zürich

Öffnungszeiten

Der Garten der Villa Tobler ist öffentlich zugänglich, täglich von 6 bis 19.30 Uhr. Die Villa selber mit ihrer wunderschönen Beletage ist nur für private Anlässe buchbar.