Sue’s Kitchen

Jeden Mittag stehen die Leute vor Sue’s Kitchen Schlange. Denn das feine Essen ist gesund – und Sue Opfermann eine herzliche Gastgeberin.

Sue Opfermann bezeichnet sich als die Mutti des Kreis 3. Sie versorgt Hungrige rund um das Lochergut mit feinen, gesunden und preisgünstigen Mittagessen. Mit diesem Konzept begeisterte die Zürcher Köchin bereits vor ein paar Jahren Frankfurt.

Auf der Website von Sue’s Kitchen sind weder E-Mail-Adresse noch Telefonnummer vermerkt. «Komm einfach vorbei», schreibt Sue und bringt damit ihre Philosophie auf den Punkt: herzlich, persönlich, unkompliziert. Ich verfasse für Sue einen kurzen Brief und klebe ihn am Morgen an die Tür. Denn Sue kriegt man erst mittags zu sehen, wenn sie in ihrem Imbissladen Sue’s Kitchen steht und den Hungrigen des Kreis 3 Pasta, Curry und Suppe schöpft.

Ihre Philosophie: herzlich, persönlich, unkompliziert.

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Wenig später steht unsere Verabredung an. Sue kommt mir strahlend entgegen und lässt mich in ihr Reich eintreten: ein kleiner Raum mit heller Theke, grünem Sofa, ein paar Tischen und Stühlen und grossflächigen, bunten Bildern an der Wand – alles selber gemalt und gebaut von Sue und ihren Freunden.

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Eröffnet hat die 46-Jährige ihren Imbiss vor genau zwei Jahren. Mittlerweile hat sich Sue’s Kitchen zum Quartiertreffpunkt entwickelt: «Ich bin hier die Mutti in der Nachbarschaft, und das ist mein Oma-Laden», sagt Sue und lacht. Sue’s Kitchen hat eine grosse Stammkundschaft. Fast jeden Mittag sind alle Tische besetzt, die Schlange reicht oft bis um die Hausecke. Durchschnittlich 60 Mahlzeiten verkauft sie am Tag. An sehr guten Tagen auch mal 80 – bis die Töpfe leer sind. Wer zu spät kommt, hat Pech gehabt.

Was am nächsten Tag auf der schwarzen Menütafel steht, entscheidet Sue erst am Abend vorher.

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Was am nächsten Tag auf der schwarzen Menütafel steht, entscheidet Sue erst am Abend vorher. Dann dreht sie jeweils ihre Runde im Quartier, geht bei ihrem marokkanischen Händler und den verschiedenen Biogeschäften vorbei und lässt sich inspirieren. Fix ist nur, dass es jeweils ein vegetarisches und zwei Fleischgerichte sowie eine Suppe und einen Salat gibt. Sues Küche ist bio und saisonal, das Fleisch stammt ausschliesslich aus der Schweiz. Die Menüs sind trotzdem international – Sue kocht mal italienisch, mal asiatisch, mal mediterran.

Essen schmeisst Sue nicht weg, diese Regel ist ihr heilig.

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Mit Preisen zwischen 8 und 14 Franken ist der Imbiss für Zürcher Verhältnisse überaus erschwinglich. «Bei mir soll sich jeder das Essen leisten können», sagt Sue. Direkt neben ihrem Lokal befindet sich eine soziale Einrichtung für Suchtkranke. Mit deren Bewohnern pflegt sie ein gemeinschaftliches Verhältnis. Was um 14 Uhr noch übrig bleibt, gibt sie allen Nachbarn umsonst. Essen schmeisst Sue nicht weg, diese Regel ist ihr heilig.

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Sue kommt aus einer Gastronomenfamilie und ist in Effretikon aufgewachsen. Sie hat die Hotelfachschule besucht und kennt das Business von A bis Z. Mit dem Wunsch, ihr eigenes Lokal zu etablieren, zog Sue vor mehr als zehn Jahren nach Frankfurt. Dort hat sie den Vorgänger des Zürcher Imbisses, das Sue’s Soul Kitchen, eröffnet.

«Irgendwann haben meine Mutter und ich uns angeschaut und meinten: Ja, jetzt gehen wir zurück nach Zürich, nach Hause.»

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Acht Jahre lang betrieb sie gemeinsam mit ihrer Mutter das Restaurant Sue’s Soul Kitchen in einem Frankfurter Geschäftsviertel. Sues Mittagstisch wurde von Bloggern und Kritikern in den Himmel gelobt. Irgendwann kam die ganze Stadt zum Essen. «Sue’s Soul Kitchen wurde grösser und grösser. Und damit auch stressiger. Irgendwann haben meine Mutter und ich uns angeschaut und meinten: Ja, jetzt gehen wir zurück nach Zürich, nach Hause.» Sue verkaufte das Geschäft in Frankfurt und machte erstmal ein Jahr lang Pause. Übrigens: Auch in Zürich wird Sue von ihrer Mutter unterstützt: Zwei Tage die Woche schnipselt sie Gemüse.

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«In Frankfurt habe ich gemerkt, dass ich kein Karrieremensch bin», sagt Sue. Auch wenn ihr Lokal in Zürich immer beliebter wird, will sie Sue’s Kitchen klein halten. Das heisst: keinen zweiten Laden, keine Angestellten, keine längeren Öffnungszeiten. «Geld ist mir so unwichtig. Zeit ist mir viel mehr Wert.»

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In einem Jahr läuft Sues Mietvertrag aus. Was danach passiert? «Ach, ich nehms, wies kommt», meint die Köchin gelassen, «eigentlich wäre es mein Traum, einen eigenen Food Truck zu besitzen. So könnte ich in der ganzen Stadt rumkurven», sagt sie und strahlt. Ich strahle zurück. Sues Zufriedenheit und Herzlichkeit sind ansteckend. Und Sue’s Kitchen ist viel mehr als nur feines Essen. Es ist ein Ort für das Quartier, der verbindet.

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Adresse

Sue’s Kitchen
Meinrad Lienert-Strasse 18
8003 Zürich

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag, 11.45–14.30 Uhr
Samstag und Sonntag geschlossen
Nur Barzahlung

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