Polyterrasse

Von der Polyterrasse überblickt man fast die ganze Stadt. Von Frühling bis Herbst braut Robi hier köstlichen Cappuccino und Espresso.

In der warmen Jahreszeit steht Robert Lehmann jeden Donnerstag mit seinem «Kaffee und Kamele»-Mobil auf der Polyterrasse. Bis zu 400 Kaffees bereitet er pro Tag zu. Wer will, spielt eine Partie Backgammon gegen den Barista.

Während der Prüfungsphasen an der Uni lernt man Kaffee ganz besonders schätzen. Und wenn er dann auch noch so gut ist, fühlt man sich bei jeder Tasse für einen kurzen Moment von allen Qualen befreit. So ist es auch beim Kaffee von «Kaffee und Kamele». Der Espresso hat eine perfekte Crema und der Milchschaum des Cappuccinos die richtige Konsistenz.

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Ich treffe Robi, den Besitzer von «Kaffee und Kamele», an einem sonnigen Donnerstagmorgen auf einen Cappuccino auf der Polyterrasse bei der Uni Zürich. Die Polyterrasse liegt in ca. 200 Meter Luftlinie oberhalb des Centrals, ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs. Wer sich dort ganz vorne an den Rand stellt, sieht vom See bis nach Zürich-Altstetten fast die ganze Stadt.

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Robi trägt ein weisses Käppi und eine Sportjacke, hat tätowierte Hände und strahlende Laune. Von 9 bis 16 Uhr verkauft der 31-Jährige hier Espresso und Cappuccino an die Studierenden – aber auch an viele Touristen, die bei einem Kaffee die Aussicht über die Stadt geniessen. Pro Tag gehen bis zu 400 Kaffees über die Theke: «Das hängt allerdings vom Wetter und vom Spot ab», sagt der 31-Jährige.

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Morgenstimmung auf der Polyterrasse, im Hintergrund die Kuppel der Universität Zürich

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Nach Sonnenaufgang ist der Aussichtspunkt oberhalb des Central fast menschenleer. 

Aber warum dieser Name: «Kaffee und Kamele»? «Der ganze Shizzle ist in Marokko entstanden», erzählt Robi, «ausserdem finde ich Doppelnamen geil. Und zudem ziehe ich mit meinem Mobil durch die Gegend wie ein Nomade.» Und warum gerade Kaffee? Robi trinkt selbst gern Cappuccino, manchmal am Nachmittag einen Espresso. Aber vor allem liebt er es, Kaffee zuzubereiten. «Die Kaffeeszene ist mir persönlich aber fast ein bisschen zu nerdig», sagt er.

«Die Kaffeeszene ist mir persönlich fast ein bisschen zu nerdig.»

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Eigentlich war die Geschäftsidee auch erst eine ganz andere. Beim Surfen in Marokko entdeckte er einen Handwerksbetrieb. Er wollte die Schlüsselanhänger und Taschen, die dort hergestellt wurden, auf dem Markt verkaufen und seinen Kundinnen und Kunden nebenbei Kaffee servieren. Aus der Nebensache wurde das Hauptgeschäft. Bald servierte er nur noch Kaffee.

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Robi arbeitete fünf Jahre im Gonzo, dem Club an der Langstrasse. Dann hatte er Lust auf etwas Neues. «Man wird ja nicht jünger», sagt er nicht ganz ohne Ironie in der Stimme. Ab und zu steht er noch hinter der Bar des Clubs. «Die Leute dort sind wie eine Family für mich.» Aber der Kaffeewagen ist sein Baby. Mittlerweile hat er das «kleine Kamel», seinen treuen Renault Estafette, durch ein grösseres ersetzt. Es sieht aus wie ein Wohnmobil und ist mit einer kleinen Sitzecke, einer Küchenkombination und natürlich der Kaffeemaschine, einer La Marzocco GS3, ausgestattet.

Mittlerweile hat er das «kleine Kamel», seinen treuen Renault Estafette, durch ein grösseres ersetzt.

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Bei «Kaffee und Kamele» ist es, als würde man sich seinen Kaffee in Robis Wohnzimmer abholen. Er mag es, dass ihn nichts von seinen Kunden trennt – kein Tresen, keine steife Uniform, nur eine Armlänge bei der Übergabe seines fachmännisch gebrauten Kaffees. Neben der Kaffeemaschine steht ein Lautsprecher. Es läuft immer Sound, der zu seiner momentanen Stimmung passt. «Heute habe ich Lust auf Reggae, weil die Sonne scheint», meint Robi. Sonst spielt er viel Hip-Hop.

Neben der Kaffeemaschine liegt ein Backgammon-Spielbrett. Wer Lust hat, etwas hierzubleiben, kann eine Runde gegen Robi spielen. «Beim Surfen haben wir in den Pausen immer Backgammon gespielt», erzählt er.

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Wenn es im Winter wieder kälter wird, will er mit seinem «Kamel» in den Süden fahren und seine Zeit mit Surfen und Kaffeeverkaufen verbringen. Solarpanels auf dem Dach seines Kaffeemobils sollen die Energie für den Betrieb liefern. Eins ist sicher: Die Ideen gehen ihm nicht aus. Aber jetzt klappt er erst mal die Rampen hoch und geht mit seinem Hund «Eazy», der soeben noch in der Fahrerkabine gedöst hat, eine Runde spazieren.

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Adresse

Polyterrasse
ETH Zürich
Rämistrasse 101
8001 Zürich

Infos

Das «Kaffee und Kamele»-Mobil steht von Frühling bis Herbst jeden Donnerstag von 9 bis 16 Uhr auf der Polyterrasse bei der ETH Zürich. Weitere Standorte und die aktuellen Öffnungszeiten findest du hier.

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