Jenseits im Viadukt

Der Begegnungsort Jenseits im Viadukt hat einen Wandel durchgemacht. Wie sie Nachhaltigkeit, Kultur und Spiritualität verstehen, erklären Toni Feola und Corinne Germann.

Diese Lokalität liegt mit seinen Werten jenseits der gängigen Gastronomie – und so heisst der Ort auch: Jenseits im Viadukt begann vor mehr als einem Jahrzehnt als katholisches Projekt für die Jugend. Jetzt ist es ein Café und ein Eventlokal für jedes Alter und alle Zugehörigkeiten. Toni Feola und Corinne Germann erzählen, was dies bedeutet.

Ab und zu erhält Toni Feola Anrufe von Menschen, die prüfend nachfragen: «Darf ich bei euch wirklich lernen oder arbeiten kommen, wenn ich nichts konsumiere?» Er bejaht dann freundlich. Damit leitet Toni die Gastronomie einer der wenigen Lokalitäten Zürichs, die explizit kommuniziert, dass ihre Gäste nicht unbedingt etwas konsumieren müssen.

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Hier ist jeder Mensch willkommen.

Dabei gibt es viele Gründe, trotzdem etwas zu bestellen: Das Kulturlokal legt viel Wert auf seinen Kaffee. Und auf den Tee. Und auf allerhand Snacks. Und darauf, dass so vieles davon wie nur irgendwie möglich aus Zürich stammt. «Diese Stadt hat so viel Gutes, von dem ich lange nichts gewusst habe», schwärmt Toni, der von der Teesorte bis zum Magenbitter sucht, was gut und lokal hergestellt ist.

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Nachhaltigkeit ist eines der Kernthemen des Begegnungsortes – aber nicht das einzige. «Ein weiterer Schwerpunkt ist Kultur», erzählt Corinne Germann, die für das Eventmanagement tätig ist. Das Jenseits ist nämlich auch ein Eventraum, der für ein sehr diverses Programm genutzt wird. Beides, Café und Eventraum, gehören seit 2011 zu den Viaduktbögen im Kreis 5. In dieser Zeit hat sich die Lokalität gemeinsam mit seinen Menschen gewandelt. «Der dritte Schwerpunkt», fährt Corinne fort, «ist Spiritualität nach integraler Weltsicht. Das heisst: Alle verschiedenen Bereiche, also auch Religionen und Weltansichten, werden als gleichwertig betrachtet.»

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Denn auch das Jenseits im Viadukt ist in einem spirituellen Kontext entstanden: Mit dem ursprünglichen Ziel, eine aufgeschlossene Kirche für Jugendliche zu werden, haben Leute aus der katholischen Kirche Zürich das Projekt aufgebaut. Seither wurde das Konzept wesentlich angepasst: Nicht nur jedes Alter, sondern auch absolut jeder Mensch ist im Jenseits im Viadukt willkommen, im Café wie an den Anlässen. «Egal, ob er die letzte Nacht auf der Bank auf der Josefwiese oder den Morgen im nahen Bankgebäude verbracht hat», beschreibt es Toni. «Es ist einfach ein Café, das zum Verweilen einlädt – für mich das heimeligste Café Zürichs.»

«Es ist einfach ein Café, das zum Verweilen einlädt.»

Toni Feola

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Noch immer wird das Angebot von der katholischen Kirche Zürichs getragen. Anders, als man es vermuten könnte, schränkt dies das 17-köpfige Team nicht ein, sondern gibt den ganz unterschiedlichen Menschen eine Gestaltungsfreiheit, die sich nicht primär nach dem Umsatz richten muss.

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Im Jenseits werden Gottesdienste und Kleidertauschbörsen veranstaltet.

Wer nun vorwiegend Gottesdienste im Programm sucht, wird überrascht: «Unsere Bandbreite geht von lockeren Events wie einem Kleidertausch über Rituale bis hin zu abstrakten Thematiken in Form von Vorträgen und Workshops», erklärt Corinne, die nebenbei eine schamanische Ausbildung absolviert. Ein regelmässiges Mittagsprogramm bietet Qi Gong und Feldenkrais an, auch Meditation, Yoga (auf Englisch) und, ja, Gottesdienste finden Einzug in das Programm.

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Und der ungewöhnliche Name der Lokalität? «Wir verwenden jenseits als Adjektiv, nicht als Nomen. Wir bewegen uns jenseits des Gewohnten», so Corinne. Und Toni ergänzt: «In unserem Versuch, konsequent unser Weltbild zu leben, sind wir ja oft auch jenseits der Gesellschaft. Genau so soll das sein: eine Herausforderung fürs Gegenüber. Auch, um zu zeigen, dass Spiritualität viel mehr kann, als Leute denken.»

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Adresse

Jenseits im Viadukt
Bogen 11 | 12
Viaduktstrasse 65
8005 Zürich
+41 44 274 30 60
Website

Öffnungszeiten

Dienstag bis Samstag, 10–18 Uhr

Während Events ist das Café zusätzlich geöffnet.