Heldenbar

Anna Rosenwasser ist regelmässige Besucherin der Heldenbar. Für sie ist queeres Feiern automatisch politisch – Hetero-Ausgang hingegen meidet sie lieber.

Text: Miriam Suter Fotos: Jasmin Frei

Queer, schwul, lesbisch, bi, hetero: Jeden Mittwoch wird im Rahmen der Heldenbar im Provitreff gemeinsam gefeiert. Die Heldenbar ist der mittlerweile erfolgreichste und älteste Gay-Event der Stadt. Wir haben die Besucherin Anna Rosenwasser, Geschäftsführerin der Lesbenorganisation Schweiz, getroffen und mit ihr über queeren Ausgang in Zürich gesprochen.

Es gibt da diesen einen Ort in Zürich, der mein Herz immer wieder mit Glitzer füllt: die Bänkli hinter dem Provitreff am Sihlquai. Zum letzten Mal habe ich hier meinen Weisswein passenderweise an der Vernissage der Literaturzeitschrift «Glitter» geschlürft – nachdem die Dragqueen Mona Gamie mir gezeigt hat, dass es auch an Mittwochabenden möglich ist, mit funkelnden Augen nach Hause zu gehen.

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Immer mittwochs wird der Provitreff zur Heldenbar und damit zum Treffpunkt für queere Menschen. Auch Anna Rosenwasser gehört zu den regelmässigen Gästen. Die 27-Jährige ist bisexuell und seit knapp neun Monaten Geschäftsführerin der Lesbenorganisation Schweiz (LOS): «Nach der Schwangerschaft stehe ich nun quasi kurz vor der Geburt», sagt Anna und lacht.

Die 27-Jährige ist Geschäftsführerin der Lesbenorganisation Schweiz.


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Wer sich mit der gebürtigen Schaffhauserin unterhält, merkt schnell: Hier hat man es mit einer jungen Frau zu tun, die weiss, wovon sie spricht. Vor ihrem Posten bei der LOS war Anna vier Jahre lang Mitglied der Milchjugend, einer Jugendorganisation für Queers, davon zwei Jahre im Vorstand, aus dem sie vor Kurzem zurückgetreten ist: «Zum Abschied habe ich – wegen meinem Namen – einen riesigen Topf mit Rosen kurz vor der Blüte geschenkt bekommen. Sie wachsen übrigens unglaublich gut, obwohl Pflanzen bei mir sonst immer sterben.»

Hier hat man es mit einer jungen Frau zu tun, die weiss, wovon sie spricht.


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Der Provitreff im Kreis 5 entstand in den 80er-Jahren, als die Stadt die Räumlichkeiten günstig an verschiedene Kulturschaffende vermietete. Die Veranstaltungen dürfen bis heute nicht gewinnorientiert sein: 75 Prozent des Gewinns müssen an kulturelle oder soziale Einrichtungen überwiesen werden, 25 Prozent fliessen in den Solidaritätsfonds des Vereins.

75

Prozent des Gewinns müssen an kulturelle oder soziale Einrichtungen überwiesen werden.

Für Anna passt die Heldenbar perfekt in den Provitreff, der damals nach Studentenunruhen ins Leben gerufen wurde: «Noch immer wird der Ort von Menschen geführt, die diesen Spirit im Herzen tragen. Die Verantwortlichen schauen genau hin, wer im Provitreff arbeitet oder Veranstaltungen durchführen will.» Sie fühle sich darum doppelt wohl hier, sagt Anna.

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Wenn Queers feiern, hat das für Anna automatisch etwas Politisches: «Man will ja nicht, dass wir Spass haben. Die Heldenbar ist ein Event, der richtig gut läuft, und das finde ich unglaublich schön.» Das sei für sie bestärkend: «Wir sind hier, wir sind viele und wir haben Bock, rauszugehen. Für mich ist das eine sehr schöne Form von Sichtbarkeit.»

«Wir sind hier, wir sind viele und wir haben Bock, rauszugehen.»


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Dass die Stimmung an einer Party kippt, wenn zu viele Männer anwesend sind, ist für Anna klar. Übergriffe stellt die 27-Jährige vor allem im Hetero-Ausgang fest und meidet diesen deshalb seit Jahren: «Immer wieder musste ich erfahren, dass ein Nein von Männern einfach nicht akzeptiert wird. Das habe ich mir viel zu lange gefallen lassen, heute habe ich einfach keine Lust mehr darauf.» Anna, die früher in Schaffhausen als Kulturjournalistin gearbeitet hat, feiert deshalb heute praktisch ausschliesslich im queeren Ausgang, etwa an der Molke 7-Party im Club Heaven oder an der Offstream-Party, die in wechselnden Zürcher Lokalitäten stattfindet.

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«Queers müssen sich zwangsläufig schon sehr früh darüber Gedanken machen, von wem sie sich angezogen fühlen und was das für sie konkret bedeutet.» Das habe etwas Tragisch-Schönes und führe dazu, dass sich eine Kultur etabliert, in der man sich gegenseitig auf eine faire Art korrigieren und zusammen daran wachsen kann. «Und das finde ich mega schön», sagt Anna.

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Der queere Ausgang der Stadt scheint also auf gutem Kurs. Was kann noch besser werden? Anna grinst: «Ich tanze wahnsinnig gerne und eigentlich ohne dabei einen Anspruch an die Musik zu haben, obwohl ich mit einer Tontechnikerin zusammen bin.» Dennoch könne sie «Bohemian Rhapsody» von Queen einfach nicht mehr hören. «Ein bisschen diversere DJ-Sets wären wunderbar!»

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Adresse

Provitreff

Sihlquai 240

8005 Zürich

Öffnungszeiten

Die Heldenbar ist jeden Mittwoch ab 20 Uhr geöffnet.

Infos

Im Provitreff veranstalten unterschiedliche Organisatoren Events. So finden zum Beispiel regelmässig eine Tibetan Benefits Party und Konzerte von lokalen Bands statt. Weitere Infos zum Programm findest du hier.

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